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Kaufhaus Borgfeldt in Wilstedt
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Lebensmittel, Textilien und Klönschnack: Traditionsgeschäft wird 85 Jahre alt

Johannes Heeg 27.04.2019 0 Kommentare

Ralf und Angela Borgfeldt in ihrem Laden. Seit 85 Jahren existiert in Wilstedt das Geschäft, das ihren Namen trägt.
Ralf und Angela Borgfeldt in ihrem Laden. Seit 85 Jahren existiert in Wilstedt das Geschäft, das ihren Namen trägt. (Maximilian von Lachner)

Ralf Borgfeldt wollte mal Pilot werden. Das war in Kindertagen der Berufswunsch des Wilstedters. Es kam anders, Borgfeldt erlernte im elterlichen Betrieb den Kaufmannsberuf, trat – ohne Zwang, wie er betont – in die Fußstapfen des Vaters und des Großvaters und übernahm den Laden, der heute immer noch Kaufhaus Borgfeldt genannt wird und ein ziemliches Unikum ist: Auf 340 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten er und seine Frau Angela Lebensmittel an, auf weiteren 80 Quadratmeter Textilien. Eine solche Kombination ist in der Samtgemeinde Tarmstedt kein zweites Mal zu finden und darüber hinaus auch nicht so bald.

Oder soll man sagen: nicht mehr? Die Zeiten haben sich geändert, seit Georg Borgfeldt vor 85 Jahren sein Manufaktur- und Kolonialwarengeschäft gegründet hat. Zwei Häuser weiter war das, am 21. März 1934 unter der Adresse Wilstedt Nr. 108. Die erste Tageseinnahme ist in der Familie überliefert, sie betrug 11,34 Reichsmark. Der Laden lief gut an, war aber kein Selbstläufer. Vielmehr habe Georg Borgfeldt sich förmlich abgestrampelt, um neue Kunden zu gewinnen: „Mein Opa ist mit dem Fahrrad in die Nachbardörfer gefahren und mit seinem Musterkoffer von Haus zu Haus gegangen“, sagt Ralf Borgfeldt. Die Bestellungen, die er aufgenommen hat, hauptsächlich Lebensmittel, seien dann mit dem Milchwagen ausgeliefert worden. „Das ging so bis in die 50er-Jahre.“

Raths-Apotheke
Traditionsreich und nicht wegzudenken aus Bremen: die Raths-Apotheke auf dem Bremer Marktplatz. Sie ist fast 500 Jahre alt und war in den ersten 100 Jahren ihres Bestehens ohne Konkurrenz. 
 Am Markt 11, 28195 Bremen
Ludwig von Kapff
Das Weinkontor Ludwig von Kapff blickt auf eine lange Geschichte im Bremer Weinhandel zurück: das Traditionsgeschäft feierte 2017 sein 325-jähriges Bestehen. 
Wachmannstraße 16, 28209 Bremen/ Konsul-Smidt-Straße 8 J, 28217 Bremen
 Schreibkultur 
Das Schreibwarengeschäft in der Bremer Innenstadt blickt auf ein 157-jähriges Bestehen zurück, eröffnet wurde der Laden von Georg Adam Dörrbecker in der Sögestraße. 1997 musste der Vertrieb in die Domshof-Passage umziehen, von wo er seit 2015 von der Dortmunder Pro Büro & Kopier GmbH geführt wird. Der Laden muss Ende des Jahres schließen.
Domshof-Passage, 28195 Bremen
Cigarren Niemeyer
Vom einstigen Tabakstandort Bremen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Den Einzelhändler Cigarren Niemeyer aber gibt es seit nunmehr eineinhalb Jahrhunderten. Martin Niemeyer eröffnete sein Geschäft 1864 gegenüber der alten Börse, heute wird es in der vierten Generation familiengeführt. 
Domshofpassage 21 A, 28195 Bremen
Fotostrecke: Diese Bremer Traditionsgeschäfte gibt es noch

Sehr lange konnte sich Georg Borgfeldt nicht um sein Geschäft kümmern, denn im Zweiten Weltkrieg wurde er eingezogen, geriet in Gefangenschaft und kam erst Jahre nach Kriegsende zurück. In dieser Zeit übernahm seine Frau Maria das Ruder. Der Laden wuchs und gedieh, und 1950 zog das Geschäft um an den jetzigen Standort Hauptstraße/Ecke Löhbergstraße. 1956 entschied sich die Familie, das Haus abzureißen und an der selben Stelle durch einen Neubau zu ersetzen.

Geschäft ist Treffpunkt im Dorf

1967 übernahm mit Sohn Heinzgeorg die nächste Generation. Mit seiner Frau Karin konzipierte er einen Anbau, mit dem die Verkaufsfläche 1982 von 200 auf 420 mehr als verdoppelt wurde. „Damals kam Bekleidung dazu und es erfolgte die Umbenennung in Kaufhaus Borgfeldt“, erzählt Ralf Borgfeldt, der mit seiner Frau Angela seit 1994 die Geschäfte führt. Anfangs beschränkten sie sich auf den Lebensmittelbereich, der damals unter „Ideal-Markt“ lief, während seine Mutter bis 2004 für die Textilien zuständig war.

Bis in die 1970er-Jahre gab es im Haus sogar ein Nähstube. „Mein Vater hat in den Häusern Gardinen ausgemessen und die Gardinenstangen angebracht. Das Werkzeug haben wir heute noch im Keller“, so Ralf Borgfeldt. Näherinnen hätten die Gardinen genäht, in der Stube unterm Dach. Zum Service des Hauses gehörte auch der Geschirrverleih für Familienfeiern, wie Rechnungen aus den 60er-Jahren belegen. 

Seit zehn Jahren firmieren Borgfeldts als „nah + gut“. Das Gelb und das Blau im Firmen-Logo erinnert ein wenig an Edeka, und tatsächlich werden sie von Edeka beliefert, und Mitglied der Edeka-Genossenschaft sind sie auch. Wie lange das wohl noch läuft mit dem Laden? „Wir reden oft über die Zukunft“, sagt Angela Borgfeldt. Das Geschäft ernährt sie. Sie können davon leben, weil es ihnen gehört. Wenn sie Pächter wären und Miete zahlen müssten, das ginge wohl nicht. Sie ist 53, ihr Mann 54. Zehn Jahre wollen sie es noch machen. „Es wäre schön, wenn wir so lange durchhalten“, sagt sie. Dass eines der beiden Kinder die Nachfolge antritt, sei sehr unwahrscheinlich. Sowohl die Tochter als auch der Sohn studieren derzeit. 

Nicht nur, dass der Laden Arbeitsplätze biete – außer dem Ehepaar Borgfeldt arbeiten dort sechs Angestellte. Das Geschäft sei wichtig als Treffpunkt im Dorf, als Ort für soziale Kontakte. So manche alleinstehende ältere Frau komme auch des Schnacks mit anderen Stammkunden wegen, und das sei gut so.

Konkurrenz ist groß

Der übermächtigen Konkurrenz der Supermärkte in Tarmstedt versuchen sie mit Service Paroli zu bieten: mit regionalen Produkten, wie Honig vom Imker Nötzel, Wurst und Fleisch von Joachim Müller, beide Tarmstedt, Obst und Gemüse vom Hof Cordes in Bülstedt und Kartoffeln vom Bauer Cordes in Wilstedt. Das werde gut angenommen. Wilstedter bekommen ihre Einkäufe auf Wunsch nach Hause geliefert, dienstags und freitags ist das möglich. Auch versuche man auf Kundenwünsche einzugehen: „Wenn jemand nach einem speziellen Bio-Frischkäse, einer besonderen Kaffeesorte oder einer bestimmten Zeitschrift fragt, versuchen wir das zu bestellen“, erklärt Ralf Borgfeldt. Neuerdings liefere man auch belegte Brote und Brötchen aus. Außerdem Brottorten, eine Art Sandwich in Tortenform.

Stets erwartet würden die Modenschauen, die Angela Borgfeldt zusammen mit dem örtlichen Schuhhaus zweimal im Jahr im Laden organisiert. Als sie vor zehn Jahren damit anfing, seien 40 Besucher gekommen. Die hätten noch in die kleine Textilabteilung gepasst. Mittlerweile strömten im April und im September jeweils 130 Interessierte zu den Modenschauen, die deshalb vor den Bäckertresen verlegt wurden. Vorgeführt werde die Kleidung von Hobby-Models: „Das sind Kundinnen, die da Lust zu haben“, sagt die frühere Dipshornerin, die ihre kaufmännische Lehre bei Warncke in Tarmstedt absolviert hat.

Als Magnet funktioniere die Postagentur, die Borgfeldts seit Mitte der 90er betreiben. Weil die Post-Angestellte in Rente ging, schloss die Post ihre eigene Filiale Am Brink, wo heute ein Versicherungsbüro sitzt. „Wir waren eine der ersten Postagenturen in der Gegend“, sagt Angela Borgfeldt, „anfangs hatten wir sogar die Postbank mit dabei.“ Das Computerzeitalter hatte noch nicht begonnen, alles sei noch manuell verbucht worden.

Zum 85. Geburtstag des Kaufhauses Borgfeldt gibt es vom 2. bis 5. Mai einen 30-prozentigen Nachlass auf Textilien sowie einige besondere Angebote im Lebensmittelladen. Am verkaufsoffenen Sonntag (5. Mai) ist das Geschäft von 12 bis 17 Uhr geöffnet.


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Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
Schüler brauchen keine Erhebungen und sie sollten nicht als Versuchskaninchen herhalten müssen.

Grundschüler brauchen Unterricht, der ...
aguahorst am 20.10.2019 16:55
In der Nähe von Wilhelmshaven baut man neue Kavernen, um damit Geld zu verdienen. In Bremen will man sie verfüllen und stilllegen.....was passiert ...