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Lilienthal hat bald 20 000 Einwohner

Silke Looden 06.12.2018 0 Kommentare

Keine Stadt, sondern eine Gemeinde. So soll es wohl auch bleiben.
Keine Stadt, sondern eine Gemeinde. So soll es wohl auch bleiben. (Klaus Göckeritz)

Lilienthal. Schon bald könnte Lilienthal die 20 000-Einwohner-Marke geknackt haben. Wird die Gemeinde dann zur Stadt? Tatsächlich hängen Stadtrechte nicht von der Anzahl der Bürgerinnen und Bürger ab. Wer Stadt werden will, muss einen Antrag an das niedersächsische Innenministerium schicken und den städtischen Charakter gut begründen. Da reicht es nicht, wenn vor allem Zugezogene sagen, dass sie in die Stadt gehen, wenn sie den Ortskern meinen.

Das Landesamt für Statistik in Hannover registriert die amtlichen Einwohnerzahlen. Sprecherin Annegret Vehling hat für Lilienthal eine kontinuierliche Entwicklung festgehalten. Demnach stieg die Einwohnerzahl von 13 031 im Jahr 1970 auf 19 061 im vergangenen Jahr an. Stichtag ist der 31. Dezember. Zum Vergleich: Ende 2016 betrug die Einwohnerzahl 18 796. Es wird wohl noch ein paar Jahre und ein paar Neubaugebiete dauern, bis die Kommune mehr als 20 000 Einwohner hat.

Der Innenausschuss der Gemeinde hat schon einmal vorsorglich die Stundenzahl der Lilienthaler Frauenbeauftragten aufgestockt, denn ab 20 000 Einwohnern braucht eine Kommune eine hauptamtliche Gleichstellungsbeauftragte mit mindestens einer halben Stelle. So schreibt es das niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz vor. Das ist aber schon alles. Weitere Aufgaben und Pflichten sind mit dem Erreichen der 20 000er-Marke erst einmal nicht verbunden.

Die kleinste Stadt in Niedersachsen hat nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes gerade einmal 700 Einwohner: Schnackenburg an der Elbe liegt im Wendland. Bad Zwischenahn hat dagegen rund 28 000 Einwohner und ist eine Gemeinde. „Der Kurort lebt von der Natur und will keine Stadt werden“, erklärt der Sprecher des Gemeindebundes, Thorsten Bullerdiek. „Die Bezeichnung Stadt ist ohnehin nur eine Begrifflichkeit.“ Die Gemeinde mit den meisten Einwohnern in Deutschland ist übrigens Seevetal. Dort wohnen etwa 48 000 Menschen.

„Für mich hat das keine Priorität“, sagt denn auch Lilienthals Bürgermeister Kristian Tangermann (CDU). „Wir wollen vor allem ein guter Dienstleister für unsere Bürgerinnen und Bürger sein.“ Ob Lilienthal nun eine Stadt oder eine Gemeinde sei, spiele für ihn keine Rolle. Schließlich bekäme Lilienthal auch nicht mehr Geld über den kommunalen Finanzausgleich vom Land, wenn es Stadt würde. Die sogenannten Schlüsselzuweisungen werden pro Einwohner gezahlt.

„Mit der Bezeichnung Stadt erhält eine Gemeinde lediglich das Recht, diese Bezeichnung zu führen“, bestätigt die Sprecherin im Innenministerium, Svenja Mischel. Eine Stadt habe in der Regel mindestens 10 000 Einwohner, davon etwa die Hälfte im Zentrum. Ihre Erscheinung dürfe nicht von der Landwirtschaft oder von Wohnsiedlungen geprägt sein. Eine Stadt müsse überörtliche Funktionen haben – in Wirtschaft, Kultur, Bildung, Sport und Gesundheit. Das Lilienthaler Krankenhaus wäre also ein gutes Argument, wenn man denn Stadt werden wollte.

Tatsächlich können sich Gemeinden mit mehr als 20 000 Einwohnern durch Beschluss der Landesregierung zu einer selbstständigen Gemeinde erklären lassen und damit überörtliche Verwaltungsaufgaben vom Landkreis übernehmen. Das betrifft beispielsweise die Zulassungsstelle oder die Baubehörde. Bürgermeister Tangermann hält das nicht für nötig: „Die Kreisstadt ist gut zu erreichen.“ Zusätzliche Aufgaben brächten zwar zusätzliche Gebühren, aber dafür müsse eben auch mehr Personal vorgehalten werden, gibt er zu bedenken.

„Wir brauchen keine Stadtrechte“, meint Tangermann. Jedenfalls hat er vorerst nicht vor, einen Brief an den Innenminister zu schreiben. „Ich gehe davon aus, dass es ohnehin noch ein paar Jahre dauert, bis wir mehr als 20 0000 Einwohner haben.“ Wirtschaftlich betrachtet, findet der Rathauschef vor allem den Sprung zum Mittelzentrum, wie Osterholz-Scharmbeck es ist, interessant. „Es gibt gute Gründe, Gemeinde zu bleiben“, sagt denn auch der Sprecher des Städte- und Gemeindebundes Bullerdiek.

Flecken mit Marktrecht

Wer meint, dass nur eine Stadt Marktrechte hat, der irrt. Bullerdiek erklärt, dass die Bezeichnung Flecken, wie beispielsweise der Flecken Ottersberg, auf Marktrechte hinweist. Während die Bezeichnung in Niedersachsen eher selten sei, gebe es sie in Bayern häufiger. Wochenmärkte finden jedoch auch in kleinen Gemeinden statt. „Am Ende ist die Stadtwerdung vor allem eine Marketingfrage“, meint Bullerdiek. Die Kommune müsse sich fragen, wie sie sich nach außen darstellen will und kann.

So haben in jüngster Zeit Städte entlang der alten Handelswege ihre Bezeichnung als Hansestadt wiederentdeckt. Zuletzt verlieh Innenminister Boris Pistorius (SPD) der Stadt Uelzen ganz offiziell den Titel des historischen Städtebundes. Lilienthal ist sicher keine Hansestadt, aber hat als Zuzugsgebiet zunehmend städtisches Flair. Kein Wunder also, dass die Neu-Lilienthaler von der Stadt reden, wenn sie einen Einkaufsbummel entlang der Hauptstraße machen.


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Leserkommentare
Michalek am 20.10.2019 17:37
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aguahorst am 20.10.2019 16:55
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