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Linie 4-Initiative vor der Auflösung

Lutz Rode 05.11.2018 0 Kommentare

Der Vorsitzende Alfred Werner (links) und Karsten Michaelis wollen die Initiative Pro Lilienthal auflösen.
Der Vorsitzende Alfred Werner (links) und Karsten Michaelis wollen die Initiative Pro Lilienthal auflösen. (Lutz Rode)

Die Initiative Pro Lilienthal will einen Schlussstrich ziehen unter die jahrelangen Auseinandersetzungen um die Straßenbahnlinie 4. Der 15. November soll der Tag sein, an dem die Mitglieder darüber entscheiden, ob der 2005 gegründete Verein aufgelöst wird. Nicht sofort, wie der Vorsitzende Alfred Werner betont, sondern erst Mitte 2019. Dann nämlich fährt die Linie 4 seit fünf Jahren durch Lilienthal. Aus Sicht der Initiative ist dann genug Zeit vergangen, um endlich alle geforderten Zahlen und Fakten zur Auslastung und den tatsächlichen Folgekosten der Straßenbahn auf den Tisch zu bekommen.

Auch unbequeme Fragen zur Verlängerung der Linie 4 von Borgfeld nach Lilienthal zu stellen und immer wieder nachzuhaken – auf diesem Feld haben es die Straßenbahnkritiker in den vergangenen 13 Jahren zu einer wahren Meisterschaft gebracht. Dass sie mit ihrem Ansatz richtig gelegen haben und nach wie vor richtig liegen, davon sind Alfred Werner und sein Vorstandskollege Karsten Michaelis überzeugt. Stets sei es ihr ehrliches Anliegen gewesen, Transparenz herzustellen und die Öffentlichkeit über Fakten zur Straßenbahn zu informieren, auch wenn das für manche nervig gewesen sein mag.

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Inzwischen hat sich bei den Straßenbahnskeptikern aber auch eine gewisse Portion Frust aufgestaut. „Es macht keinen Sinn mehr, weiterzumachen, weil Verwaltung und Politik uns blockieren. Wir sind aus ihrer Sicht die bösen Buben und wahrscheinlich sind alle froh, wenn sie uns los sind“, sagt Werner. Der Vereinsvorsitzende kritisiert, dass die Gemeinde  auf Anfragen – wenn überhaupt – meist nur sehr schleppend geantwortet habe. Und oft seien die Stellungnahmen aus Sicht des Vereins dann auch noch ausweichend gewesen. Aus den Reihen der Ratspolitik habe es schon lange keinerlei Rückmeldungen mehr gegeben.

Straßenbahn als Groschengrab

Das Verhältnis der Bürgerinitiative zur Gemeindeverwaltung war angespannt: Zuletzt hatte Mitte September eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bürgermeister Kristian Tangermann für Schlagzeilen gesorgt. Die Bürgerinitiative hatte sie losgeschickt, weil die Gemeindeverwaltung ihre Anfrage erst nach monatelanger Verzögerung beantwortet hatte. Unterm Strich erledigte sich der Fall, allerdings gab der Gemeinderat dem Bürgermeister in nichtöffentlicher Sitzung mit auf den Weg, Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern künftig zügiger zu beantworten.

Die Botschaft kam offenbar an: Denn als die Initiative Anfang Oktober mehrere Nachfragen zu anstehenden Reparaturarbeiten an den Dehnungsfugen der Straßenbahnschienen stellte, lag acht Tage danach die Antwort der Gemeindeverwaltung auf dem Tisch. Doch an ihrer grundsätzlichen Kritik am Verhalten der Verwaltung ändert das bei den Pro Lilienthal-Vertretern nichts. Während die Gemeinde zu diesen vergleichsweise leichten Themen ausgiebig antworte, halte sie sich bei grundlegenden Fragen zur Straßenbahn merklich zurück. „Da kommt dann nichts“, sagt Alfred Werner.

Im Grunde hat sich an der Position der Initiative seit ihrer Gründung nichts geändert: Lilienthal leistet sich eine vergleichsweise teure Straßenbahn, obwohl derselbe Effekt für den Öffentlichen Personennahverkehr günstiger mit Busverbindungen erzielt werden könne. Der Bau der Straßenbahn und ihr Betrieb raube der Gemeinde über Jahrzehnte jeglichen finanziellen Spielraum. Dadurch fehle Geld, das an anderer Stelle dringend benötigt werde.

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Auch der These, die Linie 4 habe den Bauboom in Lilienthal mit ausgelöst und die neuen Einwohner brächten der Gemeinde auch mehr Einnahmen, will die Initiative Pro Lilienthal so nicht stehen lassen. Vorstandsmitglied Karsten Michaelis vermisst bei dieser Einschätzung einen wichtigen Aspekt: Lilienthal entstehen durch den Zuzug junger Familien eben auch enorme Ausgaben, wie die Investitionen in Schulen und Kindergärten zeigen. „Ob die Rechnung für die Gemeinde am Ende aufgeht, ist noch nicht bewiesen“, sagt Michaelis.

In Vorträgen zur Wirtschaftlichkeit und zur Kosten-Nutzen-Analyse hat die Bürgerinitiative in den Anfangsjahren immer wieder die Planungen für die Straßenbahn hinterfragt. Auch den juristischen Weg schlug Pro Lilienthal ein, 2009 zogen 13 Anwohner vor das Bremer Oberverwaltungsgericht, um das Planfeststellungsverfahren zum Bau der Linie 4 durch Lilienthal noch in letzter Minute zu verhindern. Es setzte eine Niederlage, und auch eine anschließende Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht wurde nicht zugelassen.

2011 begann schließlich der Bau der 5,5 Kilometer langen Strecke, 2013 folgte die Insolvenz der mit dem Straßenbahnbau beauftragten Firma Walthelm, im Jahr danach konnte das Projekt dennoch abgeschlossen werden. Im August 2014 fuhr die erste Linie 4 durch Lilienthal. Nun will die Initiative Pro Lilienthal ihre Arbeit einstellen. Voraussetzung dafür ist, dass am 15. November bei der einberufenen Versammlung im Restaurant Bocadillo im Hallenbad eine Dreiviertelmehrheit der Mitglieder für die Auflösung stimmt. 64 Mitglieder hat der Verein derzeit nach eigenen Angaben noch. Aufgeben wollen Alfred Werner und Karsten Michaelis aber nicht, auch wenn es den Verein ab Mitte 2019 nicht mehr geben sollte. Schließlich gebe es ja auch die Möglichkeit, sich als Privatmensch weiter um das Thema zu kümmern.

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Zur Sache

Reparaturen an den Schienen

An einigen Dehnungsfugen der Straßenbahnschienen der Linie 4 sind Schäden aufgetreten. Vor Ablauf der Gewährleistungsfrist macht die Wirtschaftsbetriebe Lilienthal GmbH (WBL) ihre Ansprüche nun gegenüber der Baufirma geltend, die diese Arbeiten ausgeführt hat. Wie die WBL jetzt der Initiative Pro Lilienthal mitteilte, hat das Unternehmen bereits zugesagt, den Mangel zu beseitigen. Die Kosten dafür trägt die Firma. Einen Termin gibt es nach wie vor nicht, aber der Schaden soll kurzfristig behoben werden, heißt es. Reparaturbedarf gibt es nach Informationen der WBL auch an anderer Stelle. Einige Nähte im Asphalt weisen Schäden auf. Auch hier wollen die beteiligten Baufirmen kurzfristig für Abhilfe sorgen. Kosten entstehen der WBL dafür nach eigenen Angaben nicht, weil auch diese Arbeiten im Rahmen der Gewährleistung erledigt werden sollen.


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Leserkommentare
adagiobarber am 21.10.2019 18:36
viele kleine gelungene schritte ...

in eine verdiente, sichere zukunft.

glückwunsch.

manch' heimischer hat ...
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...