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Fachkräftemangel
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Neue Bilder von alten Berufen

Johannes Heeg 23.05.2019 0 Kommentare

Ganz schön groß, so eine Radladerschaufel. Die mächtige Maschine gehört Jochen und Manuela Drewes (Mitte) von der Firma JDB in Breddorf, die jetzt Besuch von Passt-Berater Wolfgang Scheller (links) und Gregor Stein (rechts) vom Jobcenter des
Ganz schön groß, so eine Radladerschaufel. Die mächtige Maschine gehört Jochen und Manuela Drewes (Mitte) von der Firma JDB in Breddorf, die jetzt Besuch von Passt-Berater Wolfgang Scheller (links) und Gregor Stein (rechts) vom Jobcenter des Landkreises Rotenburg  gekommen haben. (von Lachner)

Breddorf. Für Jochen Drewes ist Fachkräftemangel kein Problem, das ihn irgendwann in der Zukunft trifft, sondern längst Realität. Der Breddorfer Unternehmer, der unter anderem Erd- und Abbrucharbeiten erledigt und auch in der Getränkelogistik unterwegs ist, musste schon so manchen Auftrag ablehnen. „Sonst würde die Qualität leiden“, sagt er.

Fachkräfte würde er gerne selber heranziehen, doch bekomme er die Ausbildungsplätze, die er anbietet, schlichtweg nicht besetzt. Drei Lehrlinge würde Jochen Drewes sofort einstellen: im kaufmännischen Bereich, angehende Baumaschinenführer und Fahrer. Weil sich bislang keine geeigneten Bewerber gemeldet haben, hat sich Jochen Drewes auf ein Experiment eingelassen. Bei einem Unternehmer-Netzwerk-Treffen hat er von einem Projekt des Landkreises Rotenburg gehört, das Abhilfe verspricht. Es hat mit „Prozessoptimierte Ausbildungsplatzbesetzung“ einen sperrig klingenden Namen, dafür aber eine pragmatisch wirkende Abkürzung: Passt!

Weil Drewes der einhundertste Betrieb ist, der im Landkreis Rotenburg an dem Passt-Projekt teilnimmt, hat er jetzt Besuch von Wolfgang Scheller bekommen. Scheller ist Passt-Berater und erklärt seinen Job so: „Unser Schwerpunkt ist die  Unterstützung beim Marketing. Wir überlegen uns, was der jeweilige Betrieb tun muss, um von der Zielgruppe wahrgenommen zu werden.“ Oft hätten die jungen Menschen ein völlig veraltetes Bild von den Handwerksberufen im Kopf. „Ein Maurer klopft heute aber nur noch selten Steine, Tischler arbeiten an computergesteuerten Maschinen, Smartphones und Tablet gehören längst dazu“, sagt Gregor Stein, Chef des Jobcenters beim Landkreis, das beim Passt-Projekt ebenso im Boot sitzt wie die Kreishandwerkerschaft Elbe-Weser.

Um ein aktuelles Bild von den Ausbildungsberufen und auch von den Betrieben zu schaffen, setzen die Passt-Macher auf die Macht der Bilder. Professionelle Teams drehen kurze Videos, in den Ausbilder zu Wort kommen, aber auch Auszubildende über sich und ihre Arbeit sprechen. Wolfgang Scheller spricht von „Gesicht zeigen“ und von „authentisch rüberkommen“. Die anderthalb bis zwei Minuten kurzen Filmchen sind im Internet auf der Passt-Seite verfügbar. „Anfangs ging es bei uns hauptsächlich ums Handwerk“, so Wolfgang Scheller, „mittlerweile sind auch Pflegeberufe dabei.“

Zum falschen Bild vieler junger Menschen von den Berufen gehören auch überholte Vorstellungen von den Verdienstmöglichkeiten, sagt Jochen Drewes. So verdiene beispielsweise ein frisch ausgelernter Facharbeiter bei ihm um die 3000 Euro brutto im Monat. Damit sei der Abstand zum jungen Ingenieur nicht sehr groß, dessen Einstiegsgehalt er mit 3500 bis 4000 Euro brutto ansetzt. Er kenne Maurer, sagt er, die 4000 Euro im Monat verdienten. „Das Handwerk honoriert das“, meint der 53-Jährige.

Für die Betriebe sind die Leistungen des Passt-Projekts kostenfrei. Es wird im Rahmen des Jobstarter plus-Programms vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und des Europäischen Sozialfonds noch bis Ende April 2020 gefördert. „Wir wollen das Projekt aber fortsetzen“, sagt Gregor Stein und verweist auf die Jugendberufszentren des Landkreises in Bremervörde, Zeven und Rotenburg. 140 Betriebe stünden mittlerweile auf der Liste der Passt-Verantwortlichen. Nicht alle wollten ein Video haben, manchen reiche eine Beratung. Scheller räumt ein, dass sich der Erfolg nicht immer sofort einstelle: „Es geht ja auch um die strategische Ausrichtung der Unternehmen. In kleinen Betrieben hat der Chef oder die Chefin wegen des Tagesgeschäfts oft keine Zeit, sich Gedanken übers Nachwuchs-Marketing zu machen.“ Jochen Drewes stimmt ihm zu: „Man ist einfach ganz viel im Betrieb unterwegs.“

Zu Schellers Aufgaben gehört es auch, sich um die Berufsorientierung an den Schulen zu kümmern. „Oft leben die Lehrer heute ja nicht mehr in der Region, in der sie arbeiten“, sagt er. Sie wüssten daher auch nicht immer Bescheid über die Betriebe und die Ausbildungsmöglichkeiten vor der Haustür. Hier setze er an, indem er beispielsweise Besuche von Pädagogen in Betrieben organisiere. Umgekehrt bietet Unternehmer Drewes an: „Ich komme gerne in die Schulen, zum Beispiel im Rahmen einer Projektwoche.“ Die Zeit investiere er gerne, wenn er damit junge Leute für seinen Betrieb gewinne.


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Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
FloM am 22.10.2019 18:24
Werte Online-Redaktion.
Falls das mein gesperrter Kommentar um 17:18 war, wäre ich über eine kurze Erläuterung Ihrerseits erfreut. ...
weser am 22.10.2019 18:17
Jedes Jahr neue Geschenke für die Rentner und baldigen Rentner, bezahlen sollen alles die aktuellen Erwerbstätigengenerationen und die ...