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Orthopädie-Team hilft krankem Kind
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Neue Chance für Mädchen aus Afrika

Irene Niehaus 30.04.2018 0 Kommentare

Die kleine Nelma aus Angola mit der Stationsleiterin Anke Behring kurz nach ihrer Operation.
Die kleine Nelma aus Angola mit der Stationsleiterin Anke Behring kurz nach ihrer Operation. (Fotos: KLINIK LILIENTHAL)

Lilienthal. Als die sechsjährige Nelma im November 2017 nach Deutschland kommt, kann sie nicht aufrecht gehen. Ihre Beine sind extrem verkrümmt. Sie ist gezwungen, sich im sogenannten Kauergang fortzubewegen. Nelma kennt es nicht anders, so kam sie zur Welt. Das Fatale jedoch: Je mehr sie wächst, desto größer wird das Problem. Ihre Eltern leben in Angola, einem Land in Afrika, in dem die Schere zwischen arm und reich extrem ist. Sie haben kein Geld für eine Operation des Geburtsfehlers ihrer Tochter, der im eigenen Land obendrein nicht behandelt werden kann. Deshalb wurde das Kind nach Deutschland geflogen. Der Chefarzt der Orthopädie und Unfallchirurgie in der Klinik Lilienthal, Bertram Regenbrecht, und sein Team konnten dem Mädchen helfen.

„Die Operation ist gut verlaufen", berichtet Regenbrecht über den Eingriff, der schon ein paar Wochen zurückliegt. Er und die anderen Mitarbeiter der Klinik haben die kleine Patientin längst ins Herz geschlossen. Nelma ist ein  echter Sonnenschein, trotz ihrer schwierigen Situation immer fröhlich und aufgeschlossen. Mittlerweile spricht sie sogar schon richtig gut Deutsch.

Bei der OP hat Regenbrecht seinem Schützling im Gelenkbereich beider Beine eine kleine Platte eingesetzt, die den wachsenden Knochen in die richtige Richtung lenken soll. Das linke Bein der kleinen Patientin war aber viel zu kurz und verdreht. Mit Platten und Schrauben ließ sich das nicht beheben. "Stattdessen haben wir den Knochen durchtrennt, in seiner Position belassen und am oberen und unteren Fragment des Knochens einen Fixateur befestigt", erklärt der Mediziner. Ein Fixateur ist eine äußere Schiene, über die die Fehlstellung langsam korrigiert wird. Die Behandlung mit der Hightech-Schiene ist sehr teuer, aber nach Angaben der Klinik alternativlos. „Nelmas komplexe Fehlstellung erforderte Achskorrekturen in verschiedene Richtungen. Das ist nur mit einem Fixateur möglich“, so Regenbrecht.

Pro Tag ein Millimeter

Das Gerät nutzt das Prinzip eines Flugsimulators: Das obere Knochenfragment entspricht dem Cockpit. Es steht auf sechs gegeneinander verschränkten Streben. Durch Verlängerung oder Verkürzung einzelner Streben kann das Cockpit gegenüber dem Boden, also gegenüber dem unteren Knochenfragment, in fast jede Position gebracht werden. Pro Tag ist eine Korrektur von einem Millimeter möglich. Ein Computerprogramm errechnet die erforderliche Endstellung, mit der die Deformation beseitigt wäre und vergleicht sie mit der Startposition. Das Ergebnis ist ein detaillierter Plan für die Lage der Streben. Damit stellt der Patient nun täglich seinen Fixateur neu ein. Der Clou: Durch das langsame Vorgehen  bilde der Knochen neues Knochenmaterial, so die Klinik. Insgesamt könne man einen Knochen so um bis zu zehn Zentimeter verlängern. Sehnen und Muskeln dehnen sich dabei einfach mit.

Bei Nelma hat diese Phase etwa vier Wochen gedauert. Während der
Behandlung mit dem Fixateur muss sie regelmäßig zur Nachkontrolle in
die Klinik. Seit Anfang April sind erste große Erfolge sichtbar: Die  Fehlstellung ist beseitigt, und Nelma kann aufrecht gehen. Das Laufen fällt ihr zwar noch schwer und tut weh, aber das Mädchen ist motiviert, übt fleißig und will so schnell wie möglich ohne Schiene und Krücken gehen  können. „Zur Stabilisierung muss sie den Fixateur noch zwei Monate lang tragen. Wenn bei der nächsten Kontrolle weiterhin alles so gut aussieht, können wir die Schiene dann vermutlich abnehmen“, erklärt Regenbrecht.

„Hier wurde echte Teamarbeit bewiesen. Ärzte, Pfleger, Anästhesisten, Orthopädietechniker, Physiotherapeuten – alle haben Hand in Hand für Nelma gearbeitet, und das quasi ehrenamtlich", sagt Benjamin Behar, geschäftsführender Direktor der Artemed-Klinikgruppe. Die Kosten für die Behandlung trägt die Klinik Lilienthal.

Für Nelma ist die Zeit in Deutschland bald zu Ende, und sie kann zurück zu ihren Eltern in Angola. Die Sechsjährige war über die Hilfsorganisation Friedensdorf International an die Spezialisten in der Klinik Lilienthal vermittelt worden. In Deutschland lebt das Mädchen zusammen mit anderen Kindern im Friedensdorf in Oberhausen. Von hier aus werden die kleinen Patienten für ihre Behandlung in kooperierende Kliniken gebracht. Seit 1967 ermöglicht Friedensdorf International schwer verletzten und kranken Kindern aus Kriegs- und Krisengebieten eine medizinische Behandlung in Europa.


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Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
thowaei am 23.10.2019 14:25
In KEINEM Land der EU kann man aktuell mit 54 Jahren in Rente gehen. Slowenien ist diesbezüglich der Spitzenreiter mit einem Renteneintrittsalter von ...
gorgon1 am 23.10.2019 14:15
Absolut mein Meinung. !!!
Beste Grüße