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Neues Stück im Theater am Deich

Marius Roskamp 31.10.2018 0 Kommentare

Helga Goll in der Rolle der Yvonne Noyelle glaubt, die Kontrolle über ihren Mann Claude (Gerd-Lüder Knief) zu haben. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht.
Helga Goll in der Rolle der Yvonne Noyelle glaubt, die Kontrolle über ihren Mann Claude (Gerd-Lüder Knief) zu haben. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. (Heike Peetz)

Borgfeld. Gibt es sie, die vollkommene Liebe? Obwohl alle Hauptfiguren im aktuellen Stück des Theaters am Deich mehr oder minder glücklich verheiratet sind, kommt es doch zum Erblühen einer Liebe zwischen Claude Noyelle, dargestellt von Gerd-Lüder Knief, und Odette Grimaud, verkörpert von Hilke Müller. Obwohl diese Liebe dabei auf Distanz und auf herzliche, aber platonische Weise funktionieren will, kommt es dennoch zum Eklat innerhalb der Ehepaare. Es ist schon rein von der Idee her ein anspruchsvoller Stoff, den der 1946 gegründete Verein mit „Die Vollkommene Liebe“ in Angriff nimmt.

Im Gedenken an den Vereinsgründer und Träger des Bundesverdienstkreuzes Werner Schmidt wurde das Stück von Regiedebütant Frank Egles inszeniert. Man habe hierbei das Manuskript des Stückes von André Roussin in der Übersetzung von Julius Hans Weigel auf dem Dachboden Werner Schmidts gefunden. Es sei offenkundig gewesen, dass dies das letzte Stück war, an dem er vor seinem Tod arbeitete. Die deutschsprachige Erstaufführung des Stoffes gab es Mitte der 60er-Jahre in Wien, wie Regisseur Frank Egles erzählt. Ihn habe vor allem die besondere Sprache des Stückes gereizt. Diese habe die Darsteller zwar vor eine besondere Herausforderung gestellt, an eine Modernisierung sei jedoch nicht zu denken gewesen.

Zum Glück, denn das Stück „Die Vollkommene Liebe“ wurde sprachgewaltig vom Französischen ins Deutsche übersetzt und gewinnt viel durch die Worte, die wie ein fein justiertes Uhrwerk ineinander greifen. So sind es auch die Stimmen der Akteure, die ihren Charakteren Tiefe geben. Gibt Gerd-Lüder Knief seinen Claude als verspielten und leichtfüßigen Charmeur, schafft es Helga Goll, seine Ehefrau Yvonne als kontrollierend, aber gleichzeitig durchaus liebenswert darzustellen. Hilke Müller und Thomas Bothe geben das Ehepaar Grimaud ebenso vielseitig, wobei vor allem der Jähzorn des Max Grimaud für Schmunzler sorgen dürfte.

Claude Noyelle empfindet den üblichen Verlauf einer Affäre zwischen Mann und Frau als festgefahren. Er erkennt die Muster, die sich für ihn immer wieder wiederholt haben, und versucht, dieser emotionalen Enge mit einer platonischen Liebe zu entkommen. Passend, dass das Bühnenbild der Inszenierung ebenso einengend ausgefallen ist. Auf den Theaterbrettern muss nicht nur eine Wohnung Platz finden, vielmehr wurden gleich zwei Wohnzimmergarnituren auf clevere Weise miteinander verschmolzen. So entfallen zwar lange Umbaupausen zwischen den Szenen, die Akteure finden jedoch auch wenig Platz, um ihre Figuren agieren zu lassen. Wieder sind es Skript und komplex spielende Stimmen, die dem Stück die nötige Fahrt verpassen. Die nicht ganz zwei Stunden vergehen recht schnell.

Dass man dennoch einiges aus dem Stück nach Hause nimmt, liegt durchaus in der Absicht der Regie. „Wir halten den Leuten einen Spiegel vor,“ sagt der mitverantwortliche Ralf Witte. Auch Schauspieler Thomas Bothe ist auf die Reaktionen des Publikums überaus gespannt. Eine „Komödie mit ernsten Zügen“, wie Helga Goll das Stück beschreibt, ist in dieser Form vielleicht zu selten auf hiesigen Bühnen zu sehen, als dass sich eine Prognose treffen ließe. Doch auch nachdem der letzte Vorhang gefallen ist, bietet das Stück genügend Stoff, um über die detailliert gezeichneten und dargestellten Figuren und die verschiedenen Beziehungskonstrukte nachzudenken. So kann der Zuschauer im Anschluss ein wenig Kriminalarbeit leisten.

Zur Sache

Aufführungen bis Jahresende

Kartenvorbestellungen für das Theater am Deich, Am Lehester Deich 92a in Bremen-Borgfeld, sind unter der Telefonnummer 0421/ 271 234 und der E-Mail Adresse karten-theateramdeich@gmx.de möglich. Der Eintritt kostet 14 Euro, Schüler zahlen 10 Euro. Nach der Premiere an diesem Freitag, 2. November, 19.30 Uhr, wird das Stück am 3., 4., 10., 11., 17., 24. und 25. November jeweils um 17 Uhr sowie am 9., 14., 16., 21., 23., 28. und 30. November jeweils um 19.30 Uhr aufgeführt. Im Dezember lädt das Ensemble am 1., 2., 15. und 16. um 17 Uhr und am 5., 7., 12. und 19. um 19.30 Uhr ein. Kontakt auch über www.theateramdeich.de.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...