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Pommerntag mal ganz anders

Sabine von der Decken 16.07.2017 0 Kommentare

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Vor 40 Jahren stand die Rasse fast vor dem Aussterben, jetzt erholt sie sich durch das Wirken verschiedener Züchter langsam wieder. (Sabine von der Decken)

Bülstedt. Als nächstes kommen die Bocklämmer, ruft Matthias Brockob in die Runde. Daraufhin kommt Bewegung in die Züchter der Rauwolligen Pommerschen Landschafe und in deren Tiere, die in Pferchen auf dem Hof von Michael Ruhnau auf die fachgerechte Beurteilung warten. „Schön außen gehen und einen Ring bilden“, so die Anweisung von Matthias Brockob, Fachberater und Zuchtleiter des Landesschafzuchtverband Niedersachsen. Ähnlichkeiten zu Stutenschauen sind mit Sichtungs-, Rangierring und Ehrenrunde durchaus vorhanden. Allein die Eleganz ist eine andere. Eigenwilligkeit allerdings, die zeigen auch die Modelle im Schafspelz. Dann gerät der Rangierring auf einmal ins Stocken, es geht nicht mehr weiter. Kein Problem für Brockob, dann wird eben im Stehen gesichtet. Mit den Halftern stehen die Schafe an diesem Tag nicht auf Du und Du, etliche von ihnen tragen sie hier zum ersten Mal. Daher wundert es den Zuchtleiter nur wenig, wenn sie sich beim Vorführen ein wenig bockig zeigen.

Ganz im Zeichen der „Pommern“ stellen Züchter aus ganz Niedersachsen mit 80 Tieren in Bülstedt ihre Zuchterfolge der vergangenen zwei Jahre vor. Begutachtet wird mit Struktur und Farbe die Beschaffenheit der Wolle. Zweites wichtigstes Kriterium in der Beurteilung ist das korrekte Fundament, wieder ein Begriff, der auch in der Pferdezucht zum Tragen kommt. Mit dem Fundament, also den Beinen, auf denen das Schaf steht, hat Michael Ruhnau in diesem Jahr Pech. Mehrere seiner vorgestellten weiblichen Lämmer und Jährlinge zeigen „weiche Fesseln“. Der Bülstedter Züchter geht davon aus, dass sich diese Eigenschaft über den Bock vererbt hat. In der kommenden Saison wird dieser Bock daher nicht mehr zum Einsatz kommen, weil er sein Erbgut an alle weitergibt, so Ruhnau. Aber es könne auch Tagesform gewesen sein, hofft der Bülstedter Züchter der alten Haustierrasse noch. „Sie standen bei der Bewertung so doof, dass sie schlechte Noten bekommen haben.“ Aber auch die Unzufriedenheit der Züchter mit der Bewertung liege in der Natur der Sache, stellt er selbstkritisch fest. Jeder setze andere Prioritäten. So sei für ihn die starke Verbräunung der Wolle, die Hinweis gibt auf wenig Lichtechtheit gebe, ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Richter sähen das manchmal anders, schauten sie mehr auf die Unterwolle.

Aus 45 Schafen und sieben Böcken baute Robert von Stärk durch konsequente Sichtung und Beurteilung ab 1987 die fast ausgestorbene alte Haustierrasse des Rauwolligen Pommerschen Landschafs wieder auf. In Niedersachsen war die von der Ostsee stammende Schafrasse nicht bekannt. Von Stärk brachte das Wissen mit und sorgte damit für eine große Kontinuität in der Zucht. Aus diesem Grund werden die Pommern, wie sie kurz genannt werden, auch heute noch auf Wolle und nicht auf Fleisch gezogen. Eine Bemuskelungsnote wie bei anderen Schafrassen wird daher bei der Beurteilung nicht verteilt. „Natürlich möchte man seine Zucht verbessern, aber kein stark bemuskeltes Fleischschaf aus den Pommern machen“, sagt Ruhnau.

Auf die Wolle kommt es an

“Es sind alles sehr schöne Tiere“, lobt Matthias Brockob die in Bülstedt gezeigten Zuchtergebnisse. Insgesamt sei es eine tolle Jährlingskollektion und besonders schöne Wollen, die die Züchter in Bülstedt auf dem Hof von Michael Ruhnau vorführen “Wir haben unser Niveau während der vergangenen 21 Jahre weiter gesteigert und wieder einen kleinen Schritt nach vorne gemacht“, so der Zuchtleiter des Landesschafverbands Niedersachsen. In diesem Jahr gibt es Nachfahren von 20 verschiedenen Vatertieren.

Weil es sich bei dem Rauwolligen Pommerschen um einen kleinen Genpool handelt, spielen in der Zucht zur Verhinderung von Inzucht Koeffizienten und Liniennummern eine wichtige Rolle. Und die Genotypisierung, bei der der Zuchtleiter ein kleines Stück des Ohrs entnimmt, dient der Zucht eines Scrapie-resistenten Bestands. “Das muss bei Zuchtböcken gemacht werden“, sagt Zuchtleiter Brockob, der Rauwoller fast im Schlaf richten kann, so gut kennt er sie.

Zu Gast beim Rauwollertag ist das junge Start-up-Unternehmen „Nordwolle“, um hier Wolle einzukaufen. Sie stellen Funktionskleidung aus der Wolle der Rauwolligen Pommerschen Landschasfe her und bieten damit eine ökologische Alternative zu Softshell. „Man muss nicht Sondermüll am Körper tragen, wenn man sich gegen Wind und Wetter schützen will“, sagt Jungunternehmer Marco Scheel. Für sich und ihre deutsche Produktionslinie konnte Nordwolle bereits Arved Fuchs und die Frauen-Ruder-Nationalmannschaft gewinnen.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?