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Bürgerversammlung in Grasberg
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Rote Karten für Erdgasförderer

André Fesser 14.11.2018 4 Kommentare

Mehr gingen nicht rein. Der Grasberger Hof war am Mittwochabend randvoll.
Mehr gingen nicht rein. Der Grasberger Hof war am Mittwochabend randvoll. (Christian Kosak)

Volle Hütte in Grasberg. Am Mittwochabend haben sich zum wiederholten Mal Hunderte Menschen aus der Gegend im Grasberger Hof versammelt, um sich über die in der Region geplanten Messungen nach Erdgas zu informieren. Nachdem es in den vergangenen Wochen bereits zwei Informationsveranstaltungen besorgter Bürger gegeben hatte, hatten dieses Mal die Gemeinden Grasberg und Lilienthal eingeladen, um den Bewohnern die Gelegenheit zu geben, ihre Fragen zu stellen. Auf dem Podium saßen Angehörige des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) sowie Vertreter der Deutschen Erdöl AG (Dea), also des Unternehmens, das die Messungen plant und womöglich auch Erdgas fördern möchte.

Vor dem Gasthaus konnten sich Grundstückeigentümer mit Verbotsschildern versorgen.
Vor dem Gasthaus konnten sich Grundstückeigentümer mit Verbotsschildern versorgen. (Christian Kosak)

Die Bürgerinnen und Bürger ließen sich nicht lange bitten und kamen in Scharen. Vor dem Eingang des Grasberger Hofs verteilten Angehörige einer gerade in Gründung befindlichen Bürgerinitiative Infoflyer und Rote Karten, die später im Saal auch noch zum Einsatz kommen sollten. Gegen einen Kostenbeitrag wurden Schilder verkauft, die die Menschen auf ihren Grundstücken aufstellen sollten, um den unerbetenen Vertretern der Dea klar zu machen, dass sie dort nicht erwünscht sind. Die Polizei war mit einigen Beamten vertreten, um den Verkehr zu regeln, im Saal war ein Sicherheitsmann aufgestellt, um das Podium zu schützen.

Dabei war die Stimmung bei aller Empörung über die Pläne der Erdgasförderer nicht gerade aggressiv. Allerdings war es im Grasberger Hof ganz schön voll. Im Saal drängten sich nach unterschiedlichen Schätzungen 600 bis 1000 Menschen, einige standen sogar draußen auf dem Gehweg, um durch die geöffneten Fenster mitzubekommen, was sich drinnen tut.

Und das war eine Menge. Zum Auftakt stellte Dea-Vertreter Jan Grobys zunächst klar, dass sein Unternehmen bislang nicht beabsichtige, von seinem Vorhaben abzurücken, in den Landkreisen Osterholz, Verden, Rotenburg und Diepholz nach Erdgas zu suchen. Er trat damit einer Darstellung entgegen, die der Landtagsabgeordnete Axel Miesner (CDU) am Vortrag verbreitete hatte (wir berichteten). Dies sei eine gestreute Falschinformation, so Grobys.

Der Geophysiker zeigte dann in einem Vortrag, was die Dea in der Region beabsichtigt. Demnach will sie im Januar und Februar mit ihren Messfahrzeugen auf acht jeweils bis zu 14 Kilometern langen Messlinien in der Region unterwegs sein und seismische Messungen vornehmen. Der Vorgang sei mit einer Ultraschalluntersuchung beim Arzt vergleichbar. „Nur deutlich lauter und mit tieferen Frequenzen.“

Seinem Unternehmen gehe es darum, abschätzen zu können, ob sich unterhalb eines im Untergrund liegenden Salzstocks Erdgaslagerstätten befinden oder nicht. Grobys bezifferte die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort unten Erdgas befindet, auf etwa 30 Prozent. Von dem Ergebnis der Messungen hänge ab, ob sich das Unternehmen entscheide, in der Region auch tatsächlich nach Erdgas bohren zu wollen, um es zu fördern und nutzbar zu machen.

Die Vertreter auf dem Podium hatten einen schweren Stand (von rechts): Dea-Sprecher Heinz Oberlach, Geophysiker Jan Grobys, Landesamt-Sprecherin Heinke Traeger und ihr Behördenkollege Jens van den Eichen.
Die Vertreter auf dem Podium hatten einen schweren Stand (von rechts): Dea-Sprecher Heinz Oberlach, Geophysiker Jan Grobys, Landesamt-Sprecherin Heinke Traeger und ihr Behördenkollege Jens van den Eichen. (Christian Kosak)

Vielen der Anwesenden gingen diese Überlegungen beinahe zu weit. Sie lehnen die Pläne von vornherein ab, weil sie um ihre Gebäude fürchten, die im Zuge der Messungen mit den tonnenschweren Trucks beschädigt werden könnten. Zwar versicherten die Dea-Vertreter, für etwaige Schäden aufkommen zu wollen. Teilnehmer der Versammlung berichteten aber von schlechten Erfahrungen, die sie im Zuge der Messungen im Landkreis Verden mit der Dea gemacht haben.

Viele Bürger sorgten sich auch um den Schutz von Umwelt und Gesundheit, der im Zuge einer Erdgasförderung beeinträchtigt sein könnte. So steht noch immer die Frage im Raum, ob eine ungewöhnliche Häufung von Krebsfällen im Landkreis Rotenburg mit der Gasförderung zu begründen ist. Heinke Traeger, Sprecherin des für den Bergbau zuständigen Landesamts, betonte, dass man das nicht ausschließen könne. Das Ergebnis einer entsprechenden Untersuchung werde aber erst im kommenden Frühjahr erwartet.

Diese Aussage brachte einige Anwesende auf die Palme. „Wenn jetzt im Raum steht, dass das Ganze krebserregend ist, verstehe ich nicht, dass Sie diese Messungen zulassen“, sagte Henning Detjen, der für die CDU im Grasberger Gemeinderat sitzt. Seiner Meinung nach müsste die Beweislast umgekehrt werden, und das Unternehmen darlegen, dass von seiner Arbeit kein Risiko für die Bevölkerung ausgeht.

LBEG-Sprecherin Traeger machte in diesem Rahmen auch deutlich, dass die Erdgasförderung nach geltendem Recht kaum zu verhindern ist. „Wir haben eine heimische Volkswirtschaft, wir haben Ressourcen und die wollen wir nutzen.“ Wollte man das nicht, müsste man Recht und Gesetz ändern.

Dea-Sprecher Heinz Oberlach betonte, dass zurzeit noch gar nicht klar sein, ob in der Gegend überhaupt nach Erdgas gebohrt werden soll, denn zunächst müsse man ja die Messungen veranstalten. Somit sei auch noch nicht klar, ob und wo ein Bohrplatz gebaut werden sollte. Er sicherte aber zu, die Eindrücke aus der Bürgerversammlung mitzunehmen und im Unternehmen zu diskutieren. „Die Wortmeldungen und Hinweise werden die Menschen, die die Entscheidungen zu treffen haben, auf den Tisch bekommen.“ Er nannte dabei namentlich auch Dea-Verstand Maria Moraeus Hanssen.

Darauf verlassen wollten sich die Bürgerinnen und Bürger im Grasberger Hof aber nicht. Sie zeigten dem Vorhaben abschließend die vielen roten Karten und haben auch die lokale Politik an ihrer Seite. Die Bürgermeister von Grasberg und Lilienthal, Marion Schorfmann und Kristian Tangermann, machten deutlich, dass sie die Dea-Pläne ebenfalls ablehnen. Und der Grasberger Ratsherr Michael Frerks (CDU) rief den Leuten zu, dass er in 15 Jahren nicht so viel Einigkeit erlebt habe. „Die Politik steht komplett hinter den Bürgerinnen und Bürgern.“


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...