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Wilstedts Bekenntnis zum Plattdeutschen
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Sechs Mal Wils an den Ortseingängen

Johannes Heeg 17.09.2019 0 Kommentare

Wilstedt heißt op platt Wils: Die Gemeindearbeiter Wilhelm Dammeier und Jochen Becker (rechts) haben am Dienstag sechs neue Ortsschilder montiert.
Wilstedt heißt op platt Wils: Die Gemeindearbeiter Wilhelm Dammeier und Jochen Becker (rechts) haben am Dienstag sechs neue Ortsschilder montiert. (Johannes Heeg)

Wilstedt. Als erste Kommune der Samtgemeinde Tarmstedt hat Wilstedt jetzt plattdeutsche Ortsschilder an ihren sechs Ortseingängen montiert. Auf den gelben Tafeln ist seit Dienstag unter dem hochdeutschen Ortsnamen Wilstedt in etwas kleinerer Schrift das niederdeutsche Pendant Wils zu lesen. 900 Euro lässt sich die Gemeinde die zusätzlichen vier Buchstaben kosten.

Der Gemeinderatsbeschluss geht zurück auf einen Antrag der KGS-Lehrerinnen Heike Hiestermann und Katja Langwich. Niederdeutsch sei „ein wichtiges identitätsstiftendes Kulturgut und typisch für unsere Nordländer“, hatten sie Anfang April in einem Brief an die Samtgemeinde geschrieben, „inzwischen auch offiziell anerkannt als Sprache und in Niedersachsen geschützt durch die Charta der Regional- oder Minderheitensprachen.“ Sie setzten sich seit längerem besonders an der KGS Tarmstedt für die Region und ihre Sprache ein, indem sie bei ihren Schülerinnen und Schülern regionale Besonderheiten thematisierten und besonders die plattdeutsche Sprache pflegten. „Letztlich wurde die Sprache vor mehr als 40 Jahren durch die Schule verdrängt, und wir sehen es als Aufgabe von Schule an, sich für den Erhalt unserer Regionalsprache heute in besonderer Weise zu engagieren“, heißt es in dem Schreiben.

Lebendige und gewollte Sprache

Sie würden es begrüßen, wenn die Gemeinden sichtbar machten, dass diese Sprache lebendig und gewollt sei und selbstverständlich zu den zugehörigen Gemeinden gehöre. Eine geeignete Möglichkeit, dies zu vermitteln, wären zweisprachige Ortsschilder. Konkret würde das bedeuten, dass unter dem Namen Tarmstedt zusätzlich Tarms stehen würde. Genau so wird es bald kommen, denn im Nachtragshaushalt, den der Tarmstedter Gemeinderat kürzlich beschlossen hat, sind 600 Euro für vier neue Ortstafeln vorgesehen, die den plattdeutschen Zusatz Tarms tragen.

Offen für zweisprachige Ortsschilder zeigte sich auch der Hepstedter Gemeinderat. Die Hepstedter müssen allerdings auch nur drei der gelben Ortstafeln austauschen, auf denen künftig auch der niederdeutsche Name „Heps“ stehen wird. Zumindest ist das der Vorschlag, der derzeit noch vom Institut für niederdeutsche Sprache in Bremen geprüft wird. Auf dessen Homepage heißt es: „Die Wahl sowie die Schreibweise eines plattdeutschen Namens müssen begründet und nachvollziehbar sein.“ In Hepstedt sind sie zuversichtlich, dass die Fachleute mit Heps einverstanden sind, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Heidi Stelljes. Die Gemeinde rechne mit Anschaffungskosten von insgesamt 420 Euro, was dem Rat als vertretbar erschien. Noch günstiger könnte es werden, wenn ein Vorschlag von Heidi Stelljes umgesetzt wird: Sie regte an, zwei der alten Ortsschilder zu versteigern, während das dritte im Dorfgemeinschaftshaus aufgehängt werden solle.

In Breddorf ist die Sache noch in der Schwebe. Wenn es zu bezahlen sei, werde die Gemeinde Breddorf zweisprachige Ortseingangsschilder anschaffen, so Bürgermeister Günther Ringen. Allerdings gehöre zur Gemeinde Breddorf nicht nur das Dorf Hanstedt, sondern auch noch die kleinen Bauernschaften Ehebrock und Breddorfermoor. Deshalb benötige man 14 neue Schilder, und ein Schild koste 140 Euro. Breddorf heiße auf Plattdeutsch „Breddörp“, Hanstedt heiße „Hans“, erklärt Ringen. „Für Ehebrock müssten wir wohl ,Eibröck‘ schreiben.“ Schwierig würde es mit Breddorfermoor. Nach Möglichkeit sollten die plattdeutschen Ortsnamen mit Klebebuchstaben auf die alten Ortsschilder geklebt werden, hieß es im Juni im Gemeinderat.

In Bülstedt wollen sie die Ortsschilder um das plattdeutsche „Büls“ ergänzen, im Ortsteil Steinfeld kommt auf ebenfalls drei Schildern ein „Steenfeld“ dazu, hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen. 1000 Euro wurden dafür bereitgestellt.

Eine plattdeutsche Entsprechung von Vorwerk, Buchholz und Dipshorn auf den Ortsschildern der Gemeinde Vorwerk wird es hingegen nicht geben. Der Gemeinderat wolle nicht 3000 Euro für die Anschaffung von zwölf bis 16 neuen Schildern ausgeben, so Bürgermeister Thomas Müller, daher sei der Antrag ohne große Diskussion einstimmig abgelehnt worden. Auch die Westertimker Ortsschilder bleiben hochdeutsch. „Bei uns würde wohl nur das letzte e wegfallen“, so Bürgermeisterin Karin Gieschen, „dafür ist uns das zu teuer.“ Sie betont jedoch, dass im Gemeinderat und auch im Dorf „viel Plattdeutsch gesprochen wird“.

Die Gemeinde Kirchtimke hat plattdeutsche Schilder „vorläufig abgelehnt“, so Bürgermeister Frank Tibke. Sollten neue Schilder angeschafft werden müssen – insgesamt 15 Stück –, würden diese mit den plattdeutschen Namen „Karktimk“ und „Ostertimk“ versehen. „Wir hoffen auch, dass wir Sponsoren dafür finden“, so Tibke.


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Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
IhrenNamen am 21.10.2019 11:00
Wirrer Kommentar... kurz zusammengefasst, Konventionelle Landwirte sind also " rückwärtsgewand", die Städter "aufgeklärt" glauben zwar das Kühe Lila ...
adagiobarber am 21.10.2019 10:54
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