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Glenn Hughes in der Music Hall
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Seligkeit in Deep Purple

Lars Fischer 21.10.2018 0 Kommentare

Glenn Hughes ist der erste ehemalige Deep-Purple-Musiker, der in der Worpsweder Music Hall auftrat. Im Hintergrund Schlagzeuger Fernando Escobedo.
Glenn Hughes ist der erste ehemalige Deep-Purple-Musiker, der in der Worpsweder Music Hall auftrat. Im Hintergrund Schlagzeuger Fernando Escobedo. (Christian Kosak)

Worpswede. Es gibt nicht wenige Rockfans, für die der Niedergang Deep Purples eng mit dem Namen Glenn Hughes verbunden ist. Purple galten als die Erfinder des Hardrocks, ihre Lieder waren – und sind bis heute – ikonische Hymnen. Als der Bassist und Sänger 1973 gemeinsam mit David Coverdale zu der Formation stieß, war das nicht nur gleichbedeutend mit dem (vorläufigen) Ende der legendären, sogenannten Mark II-Besetzung, es begann auch eine musikalische Neuausrichtung, der puristische Rockfans nur schwer folgen mochten. 

Hughes bevorzugte funkige Basslinien und einen souligen, manchmal eine Oktave zu hoch angesetzten Gesang. Er brachte die Schwermetaller zum Grooven, und das sei auch so gewollt gewesen, berichtet er am Rande seines ersten Auftritts in der Music Hall. „Ritchie Blackmore, Ian Paice und Jon Lord haben sich mehrere Shows meiner damaligen Band Trapeze angeschaut, bevor sie mich holten“, erinnert sich der 67-Jährige. Drei Studioalben veröffentlichte er bis 1976 mit Deep Purple: zunächst die LP „Burn“ (1974), die noch nahtlos an Meisterwerke wie „Machine head“ oder „In rock“ anknüpfte.

Bereits im selben Jahr kam mit „Stormbringer“, dessen Titelsong auch den ausverkauften Worpsweder Auftritt eröffnet, die zweite Platte heraus, die schon nicht mehr vollends überzeugte. Der musikalisch geniale, menschlich allerdings wohl hochgradig komplizierte Gitarrist Ritchie Blackmore verließ am Ende der folgenden Tour die Gruppe, die mit Tommy Bolin einen Ersatzmann holte, dessen Stil so gar nicht zu dem passte, wofür Deep Purple stand. Schlimmer noch hatte der Amerikaner massive Drogenprobleme und starb 1976 mit gerade einmal 25 Jahren an einer Überdosis. Danach löste sich Deep Purple auf, ehe sich die Gruppe 1984 in der Mark II-Besetzung reformierte. Glenn Hughes war aber fortan nicht mehr dabei, er veröffentlichte zahlreiche Solo-Alben, war an verschiedenen Projekten beteiligt, schloss sich für kurze Zeit Black Sabbath an und gründet mit Joe Bonamassa die inzwischen ebenfalls wieder aktive Band Black Country Communion.

Man kann Hughes also mit Fug und Recht als Rocklegende bezeichnen, und er hätte ohne Frage die Möglichkeit, ein abendfüllendes Programm aus eigenen Werken zusammenzustellen. Aber für seine aktuelle Tournee beschränkt er sich ausschließlich auf das klassische Deep-Purple-Repertoire der Jahre 1973 bis 76. Mit „Smoke on the water“ und der zweiten Zugabe „Highway star“ stehen nur zwei frühere Songs, die die Band auch zu seiner Zeit weiterhin aufführte, auf der Setliste. Und auch diese spielen Hughes und seine drei hervorragenden Begleiter – Søren Anderson (Gitarre), Jesper Bo Hansen (Keyboards) und Schlagzeuger Fernando Escobedo – mehr oder minder in den Arrangements dieser Phase. Dazu gehören immer wieder zitierte Motive in den zahlreichen Soli oder Ausflüge zu Klassikern wie „Georgia on my mind“.

Erinnerungen an Tommy Bolin

Glenn Hughes, der vor allem in den 70er-Jahren exzessiv Kokain und Alkohol konsumierte, beschreibt sich heute als absolut clean – und das ist ihm auch auf der Bühne anzuhören. Seine hohe, manchmal etwas schmerzlich schrill abgemischte Stimme, die seinerzeit den Gegenpart zu Coverdales erdverbundenem Bluesgesang bildete, klingt deutlich besser als auf einigen der zahlreichen Liveaufnahmen aus der damaligen Zeit. Vor allem verzichtet der Engländer heutzutage auf das manchmal kaum erträgliche Geschrei zwischen den Stücken und ist auch in den nun klar akzentuierten Ansagen viel verständlicher. Er strapaziert vielleicht ein wenig zu häufig die Liebesbekundungen an sein Publikum, aber er wirkt wie ein Musiker, der mit sich und seiner Vergangenheit im Reinen ist. Sein Bassspiel ist ohne Frage exzellent und in der komplexen Verbindung von treibenden und verschnörkelten Elementen einzigartig.

Besonders den viel zu jung verstorbenen Tommy Bolin würdigt er sehr liebevoll, und selbst für Ritchie Blackmore („Ich wusste ja, dass er merkwürdig war.“) findet er freundliche Worte. Die ein oder andere Anekdote aus den wilden Rock'n'Roll-Jahren gibt es obendrein, etwa wie die vom legendären „California Jam“-Konzert 1974, als Blackmore zunächst eine Fernsehkamera mit seiner Gitarre zerlegte und anschließend mit Benzin seine Verstärker auf offener Bühne in die Luft jagte. Bei der Dosierung hatte er sich wohl etwas verschätzt, jedenfalls sind Hughes zufolge Schlagzeuger Ian Paice bei der Explosion die Brillengläser gesprungen.

An dem Repertoire hat Hughes auch einen kompositorischen Anteil, und Stücke wie „Sail away“, „Getting tighter“, „You keep on moving“ oder „Might just take your life“ stehen im retrospektiven Blick auf das Purplesche Werk zwar in der zweiten Reihe, offenbaren aber in den zupackenden Versionen des Quartetts durchaus vergessene Qualitäten. Der Abend ist ohne Frage ein rockmusikalischer Anachronismus, aber Nostalgie ist auch ein Faktor, der Rockkonzerte trägt. Und so ist die über 20-minütige Version von „You fool no one“ inklusive ausladendem Keyboard-Intro und Schlagzeug-Solo zusammen mit „Mistreated“ und „Burn“ der Höhepunkt einer Nacht voller Seligkeit in Deep Purple.


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Leserkommentare
alterwaller am 22.10.2019 10:39
Da sollen also die, die sich Privatschule nicht leisten können die Schulen der "FDP-Klientel" pampern ? Passt zu Bremen und der Partei.
Neal am 22.10.2019 10:36
Parken und fahren wie es dem/der Fahrer/in gerade in den Sinn kommt, ist ja nicht nur zum Freimarkt ein Problem.
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