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Dresscode an Schulen
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Streitobjekt Jogginghose

Irene Niehaus und Laura Stache 20.05.2019 0 Kommentare

Unterschiedlicher Dresscode: Jogginghosen dürfen an der Wümmeschule Ottersberg im Unterricht nicht getragen werden. An den hiesigen Schulen gibt es solche Vorschriften nicht.
Unterschiedlicher Dresscode: Jogginghosen dürfen an der Wümmeschule Ottersberg im Unterricht nicht getragen werden. An den hiesigen Schulen gibt es solche Vorschriften nicht. (Jonas Kako)

Kampf dem Schlabberlook: Eine Schule in Nordrhein-Westfalen hat mit einem Jogginghosen-Verbot für Schüler für Aufsehen gesorgt. Nicht die erste Anordnung dieser Art in Deutschland. Auf „angemessene Kleidung in allen Unterrichten“, wie es Schulleiter Walter Schlöffel-Pitschke nennt, wird zum Beispiel an der Wümmeschule Ottersberg Wert gelegt. Tiefe Ausschnitte seien genauso untersagt wie angezogene Jacken im Klassenzimmer. Speziell im Schwimmunterricht erlaube man für Mädchen keine Bikinis und für Jungen ausschließlich Badehosen, ohne etwa Boxershorts darunter. In diesem Schuljahr habe die Gesamtkonferenz zudem beschlossen: Ab sofort dürfen die Schüler nicht mehr in Jogginghosen erscheinen. Diese würden eine „Kein-Bock-Einstellung“ signalisieren, die beim Lernen in der Schule fehl am Platz sei. Immer wieder greifen Schulleitungen gegen in ihren Augen nicht adäquate Kleidungsstile durch – und zumeist folgt eine öffentliche Debatte über Sinn und Unsinn solcher Maßnahmen. Doch wie sieht es in Lilienthal, Grasberg und Tarmstedt aus? Müssen auch bei den Schülern in der Region gewisse Kleidungsstücke im Schrank bleiben, wenn sie in die Schule gehen?

Rassistische Botschaften nicht erlaubt

Am Gymnasium Lilienthal gibt es keine entsprechenden Vorschriften, berichtet Schulleiter Denis Ugurcu. Die Schule habe sie bislang nicht erlassen müssen, weil es keine Anlässe gegeben habe. „Außerdem leben wir in einer freien Gesellschaft, da kann sich jeder so kleiden, wie er will.“ Den Schülern vorzuschreiben, was sie anziehen, „würden sie auch nicht mitmachen, da kommt die Individualität eines jeden zum Tragen.“ Gleichwohl findet Ugurcu Etikette zu bestimmten Anlässen, etwa zum Abiball, angebracht. Hotpants, bauchfreie T-Shirts oder Minirock – im Schulalltag des Gymnasiums Lilienthal stellt zu knappe Kleidung nach Angaben Ugurcus kein Problem dar. „Sollte es aber doch zu weit gehen, würde eine sensible Kollegin das Gespräch mit der Schülerin suchen.“ T-Shirts mit rassistischen oder gewalttätigen Botschaften seien nicht erlaubt. „In unserem Bildungsauftrag steht ganz klar, dass wir zu einem friedlichen und diskriminierungsfreien Zusammenleben beitragen sollen“, betont Ugurcu. Seine Schule würde eindeutig eingreifen, wenn etwa verfassungswidrige Kennzeichen auf den Textilien prangten.

Auch an der IGS Lilienthal gibt es keine feste Vorschrift in puncto Textilien, ein gepflegtes Erscheinungsbild sei zwar wünschenswert, aber die äußere Hülle „ist nicht alles“, betont Schulleiterin Karina Kögel-Renken. Allerdings werde den Schülern vermittelt, dass sie zu besonderen Anlässen wie etwa einem Bewerbungsgespräch auf das richtige Outfit achten sollten. Generell gebe es in Sachen Kleidung jedoch keine Schwierigkeiten an der Schule, die Jugendlichen tragen Kögel-Renkens Angaben zufolge für gewöhnlich angemessene Kleidung, zu  Abschlussveranstaltungen putzten sie sich schon von sich aus raus. Im Schulalltag  Jogginghosen zu verbannen käme der Lehrerin nicht in den Sinn, zumal ein Designerstück schwerlich von einer Sporthose zu unterscheiden sei. Nicht toleriert werden dagegen T-Shirts mit extremen Botschaften. „Schon zu dessen eigenem Schutz würden wir dann das Gespräch mit dem Schüler suchen“, berichtet Kögel-Renken. Wer die Identifikation mit der IGS zeigen möchte, kann übrigens ein T-Shirt mit dem Logo der Schule erwerben.

An der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Tarmstedt wurden ebenfalls keine Regeln für Textilien aufgestellt. „Das war hier noch kein Thema“, sagt Schulleiterin Sandra Pohl. Vereinzelt würden Schüler in Jogginghose zum Unterricht erscheinen, „aber das ist hier kein grundsätzliches Problem“, so Pohl.  Wichtig sei ihr zu differenzieren, da Jogginghosen die aktuelle Mode widerspiegeln könnten und eine gewisse Freiheit den Schülern gewährt werden müsse. Schlabberlook bei der mündlichen Abiturprüfung findet Sandra Pohl aber unpassend. „Darauf würde ich den Schüler hinterher ansprechen, es geht ja hier um etwas Besonderes, die allgemeine Hochschulreife.“ Kleidungsvorschriften gegen zu viel nackte Haut hat die KGS nicht erlassen. Zu freizügige Kleidung könne jedoch tatsächlich ablenken, findet Sandra Pohl, als Schulleiterin an der KGS habe sie bislang aber nicht eingreifen müssen. Sollte es doch einmal zu weit gehen, hält es Pohl für angebracht, die Schülerin darauf anzusprechen. Eine Kollegin, die an einer anderen Schule unterrichtet, habe für solche Fälle immer ein weißes Blanko-T-Shirt für die Schülerin zur Hand. Kleidungsstücke mit rassistischen oder sexistischen Botschaften haben auch in der KGS nichts zu suchen. „Unsere Schüler wissen aber auch, wo ihre Grenzen sind“, berichtet Pohl. In einem Fall sei sich eine Schülerin gar nicht über die Bedeutung eines Schriftzuges auf ihrer Kleidung bewusst gewesen, das Mädchen sei aus allen Wolken gefallen. Sollte ein Jugendlicher sich weigern, ein entsprechendes T-Shirt mit zweifelhafter Botschaft zu wechseln, würden die Lehrer das Gespräch mit den Eltern suchen, so Pohl. Bei wiederholtem Tragen könnte der Ausschluss vom Unterricht für gewisse Zeit erfolgen, berichtet Pohl. „Wir halten aber wenig von undifferenzierten Sanktionen, die man im Vorfeld verhängt.“


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Leserkommentare
Wesersteel am 23.10.2019 13:23
Jeder der einen handwerklichen "schweren" Beruf erlernt hat,ist in der Regel mit 58 Jahen UND um/über 42 Berufsjahren , gesundheitlich "fix und ...
gorgon1 am 23.10.2019 13:23
Aber das ist im Grunde doch genau was ich meine. Der Handel ist die Macht. Wenn ich im Supermarkt was kaufen will , gelten für mich dessen Preise. ...