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Torfstechen nach historischem Vorbild

Undine Mader 14.05.2019 0 Kommentare

Mehr als 100 Jahre alt sind die Holzschienen, die Hans Hermann Meyer (links) und Wilfried Schnakenberg für den Torfstichtag der Dorfgemeinschaft Tüschendorf im Tarmstedter Moor verlegen.
Mehr als 100 Jahre alt sind die Holzschienen, die Hans Hermann Meyer (links) und Wilfried Schnakenberg für den Torfstichtag der Dorfgemeinschaft Tüschendorf im Tarmstedter Moor verlegen. (Undine Mader)

Grasberg. Die Torflore rollt. Hans Hermann Meyer guckt ihr zufrieden nach. Bis kurz vor Ende der rund 25 Meter langen Trasse. Plötzlich springt der Wagen aus den Schienen. „Oh“, echot es zehnfach über die Weide. Enttäuschung pur, aber nur einen kurzen Moment. Energisch packen Meyer und die anderen Männer von der Dorfgemeinschaft Tüschendorf wieder an, sie schleppen über 100 Jahre alte Holzschienen, tauschen einige der sechs Stücke noch einmal um, legen Bretter unter und stabilisieren ihr Konstrukt mit Holzsplinten. Vorbereitungen für Sonntag, 19. Mai, für den Torfstichtag. Ab 11 Uhr lädt die Dorfgemeinschaft zu einer Zeitreise ein. Hinter dem Ebbers-Hof wird im Tarmstedter Moor Torf gestochen, geringelt und verladen, wie es einst die Vorfahren der heutigen Moorbewohner taten.

Gerd Ebbers zückt den Akku-Schrauber. Seine Mitstreiter lachen. Den habe es früher ja wohl nicht gegeben. Jetzt aber hilft er beim Aufbau der Schienen. Die stammen noch von Hermann Haar, der als letzter bis Mitte der 80er-Jahre in Tüschendorf noch Torf abgebaut habe. Bis 1967 stach auch Ebbers. Er weiß viel zu erzählen über den mehr als 3000 Jahre alten Brennstoff, der pro Jahr einen Millimeter gewachsen sei. Noch mehr steht auf seinen Zetteln. Die zieht Ebbers gefaltet aus der Westentasche. Am Sonntag, so stellt er sich das vor, können Kinder vor ihm im Halbkreis auf der Wiese sitzen und der Geschichte des Tüschendorfer Torfabbaus lauschen.

Dicht an der Vergangenheit

Aber nicht nur Torftheorie soll es inmitten der von Birken gesäumten satt grünen Weiden geben, sondern viel nachempfundene Realität aus dem Leben der Menschen, die 1783 dem Ruf des Moorkommissars Jürgen Christian Findorff gefolgt waren und sich im neu gegründeten Tüschendorf eine Heimat schufen. Es war ein hartes Leben auf kargem Land. Bis heute steht dafür der viel zitierte Spruch: „Den Eersten sien Dood, den Tweten sien Nood, den Drüdden sien Brood“.

An diese Menschen erinnern Ebbers, Meyer und die anderen Frauen und Männer der Dorfgemeinschaft nicht nur mit ihrem historischen Torfstichgerät. Sie werden lange Röcke, Schürzen und Schleierhüte oder Holschen und derbe Hosen tragen, so wie es die Tüschendorfer einst hielten beim Torfstich. Auch diese Kostüme sind original Tüschendorf, sie stammen aus dem Theaterfundus von Milda Schnakenberg. Die Holschen von Dieter Helmke blitzen allerdings noch recht hell aus dem Gras. Grinsend meint er: „Die muss ich noch ein bisschen einarbeiten, damit die am Sonntag nicht mehr so neu aussehen.“

Selbst bei der Rollenverteilung hält sich die Torfgruppe der Dorfgemeinschaft am Sonntag an die historische Vorlage. Die Männer stechen den Torf, die Frauen sorgen für das Essen. Im Winter wurde geschlachtet. Nach den letzten Nachtfrösten, wenn der Kuckuck rief, schnitten die Moorbauern zum Beginn der Torfsaison den Schinken an. Graubrot mit Schinken soll es auch am Sonntag beim Torfstichtag geben. Ebbers weiß noch von früher: Draußen im Moor schmeckt das so richtig gut. Dazu reichen die Tüschendorfer Butterkuchen und mit Wasser verdünnten Saft, so wie Moorbauern einst bei der Arbeit speisten.

Die Truppe verlegt mit sichtlichem Spaß die Schienen auf Ebbers`Weide. Jeder von ihnen hat irgendwie Bezug zum Torfstich. Der eine ist der Schwiegersohn von Hermann Haar. Bei ihm lagen die Schienen noch auf dem Grundstück, bei einem anderen wurde bis 1977 auf dem Hof mit Torf geheizt. Wilfried Schnakenberg half als Junge dem Vater im Torf. Er musste die Lore schieben. Heute erinnert er sich: „Wenn man zu wild war, ist sie entgleist, da gab es Ärger.“ Darum gräbt er, wippt auf dem Holz und guckt besonders genau auf die Schienen, damit das Gefährt bei den Vorführungen am Sonntag ohne Entgleisung am Schienenende ankommt.

Heute frage manch junger Tüschendorfer hingegen: „Torf, was ist das?“ Woher sollen sie die alte Tradition auch kennen, weiß Ahlke Meyer. Die Dorfgemeinschaft organisiert darum diesen Tag, „damit sie das wenigstens einmal sehen“. Nicht nur Tüschendorfer sind eingeladen. Jedermann, der erleben will, wie die Moorbauern einstmals gearbeitet haben, kann das in der Tüschendorfer Straße 9f in Grasberg tun.


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Leserkommentare
aguahorst am 20.10.2019 16:55
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Mangaguide.de am 20.10.2019 16:42
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