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Einblicke in die Pusta-Stube im Blockland
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Typisch Konny Staffeldt

Petra Scheller 21.04.2019 0 Kommentare

Konny an der Bar, Konny im Garten, Konny im Backstageraum. Die Dokumentation „Typisch!“ erzählt die Geschichte der Pusta-Stube sowie die von Kornelia Staffeldt und ihren berühmten Eltern, dem Artisten-Ehepaar Hergott. Gedreht wird auch Ostermontag.
Konny an der Bar, Konny im Garten, Konny im Backstageraum. Die Dokumentation „Typisch!“ erzählt die Geschichte der Pusta-Stube sowie die von Kornelia Staffeldt und ihren berühmten Eltern, dem Artisten-Ehepaar Hergott. Gedreht wird auch Ostermontag. (von Lachner)

Blockland. Ziemlich weit draußen, weit weg von allen Szenekneipen, liegt die „Pusta-Stube“ direkt am Blocklander Wümme-Deich. Das gelb geklinkerte Flachdachhaus von Kornelia Staffeldt ist Kult. Regelmäßig kommen Reporter, Blogger und Fernsehteams vorbei, um sich von hier aus auf die Spuren von Therese und Janos Hergott zu begeben – den Eltern von „Konny“ Staffeldt. Als Seven Hungarias traten sie einst mit dem ungarischen Staatszirkus weltweit auf. Das Glamour-Paar traf Sänger Frank Sinatra in New York, Revolutionär Hồ Chí Minh in Vietnam und Revolutionsheld Che Guevara auf Kuba, bevor es in den Westen floh.

Direkt am Wümme-Ufer eröffneten die Hergotts 1973 eine Kneipe für Bauern, Künstler und Polit-Prominenz: die Pusta-Stube. Ganz ungezwungen zwischen Kühen und Reetdachhäusern. Der politische Aktivist Rudi Dutschke traf hier in den 70er-Jahren auf Außenminister Genscher. Die deutsch-amerikanischen Zauberkünstler und Dompteure Siegfried und Roy gehörten zu den illustren Gästen, genauso wie Peter Frankenfeld und Trotzkist Ernest Mandel. Heute kehrt immer noch regelmäßig der Schauspieler Moritz Bleibtreu bei Kornelia Staffeldt ein. „Das liegt wohl an seinen ungarischen Wurzeln“, vermutet die studierte Architektin, die sich Anfang der 2000er-Jahre bewusst für ein Leben an Tresen und Gulasch-Topf entschieden hat. Ihre Geschichte und die ihrer berühmten Eltern rührt das Fernsehpublikum seit vielen Jahren. Konny Staffeldt freut das sehr. „Hier haben sich schon immer Bauern in Gummistiefeln und Wirtschaftsbosse in Nadelstreifen getroffen“, sagt sie in die Kamera. „Die Kneipe hält die Geschichte meiner Eltern lebendig – das ist schön!“ Die gebürtige Londonerin hat ihre Kindheit im Wohnwagen verbracht. An der Wümme ist sie schließlich sesshaft geworden.

So erzählt sie es einem Team des NDR, das bei ihr dreht. „Typisch“ heißt das Sendeformat, das Menschen aus der Region vorstellt. „Konny“, wie sie alle nennen, ist inzwischen Profi. Super-acht-Filme liegen parat, genauso wie Fotoalben und die passenden Geschichten. Zu jedem Zirkusplakat und zu allen Fotos an den bunt dekorierten Wänden gibt es eine Anekdote. Das Artisten-Leben ihrer Eltern „zwischen Glamour und Gulasch-Topf“ ist ein Publikumsmagnet. „Das kommt bei den Leuten an“, sagen die Fernsehleute.

Legendäres Gulasch

Staffeldt steht im Garten vor einer Gießkanneninstallation. Die Trapez-Stange ist ein Erbstück ihrer Eltern. „Konny, bist du ein bisschen wehmütig, wenn du an deinen Vater denkst?“, fragt Redakteurin Jennifer Gunia. Kameramann Jens Enno Born trägt schweres Gerät auf der Schulter. „Sortiere mal die Gießkannen“, schlägt er vor. Kornelia Staffeldt zieht an den Artefakten und lacht. Ihr Vater war ihr bester Freund, sagt sie, „ich war so ein Papakind“. „Kannst du die Frage noch mal stellen, Jennifer“, fragt der Kameramann die Redakteurin, „ich hab mich verdreht!“

Vier Tage lang will das TV-Team in den kommenden Wochen im Blockland arbeiten, bis das Material für einen halbstündigen Beitrag im Kasten ist. Konzerte, die regelmäßig in der Kneipe stattfinden, werden mitgeschnitten, Kühe in der Umgebung gefilmt, die Wümme gezeigt und die Geschichte der prominenten Zirkusartisten erzählt. Natürlich spielt das legendäre Gulasch in der Pusta-Stube eine Hauptrolle. Ostermontag will Redakteurin Jennifer Gunia unbedingt noch mal drehen, weil sie hofft, dann auf Fahrradtouristen zu treffen. „Die Beiträge leben von der Spontanität des Moments“, sagt sie. Und dann kommt tatsächlich ein Stand-up-Paddler vorbei, schmeißt sich in seinen hautengen Neoprenanzug und fragt, ob er von Staffeldts Grundstück aus aufs Wasser gehen kann. „Ideal!“, ruft Kameramann Born. Film ab.

„Und jetzt?“, fragt die Gastgeberin. Die Super-Acht-Filme. Tontechniker Jens Arend versucht, das Material zu sichten. „Geht nicht“, sagt er und holt einen zweiten Laptop aus dem Auto. Damit geht's auch nicht. „Wird schon“, tröstet die Redakteurin. Stille. „So schönes Wetter und keiner kommt vorbei“, wundert sich Staffeldt. „Das ist der Fernseheffekt“, sagt Redakteurin Gunia. Dann folgt ein kurzes Brainstorming: Konny an der Bar, Konny im Garten, Konny im Backstageraum – „das drehen wir morgen, wenn die Band kommt“, schlägt Gunia vor.

„Anne, mach mal ein paar Erinnerungsfotos mit dem Handy“, ruft Staffeldt der Kellnerin zu. Anne Wübbena studiert an der Bremer Universität Kulturwissenschaften. Für sie ist der Dreh „mega interessant“.

„Billy Smart's Christmas Circus“ steht in Großbuchstaben auf einem Plakat an der Kneipenwand. Über der Ankündigung für die Queens Hall ist ein Trapez zu sehen. Das Erinnerungsstück dazu steht im Garten – die Installation mit den bunten Gießkannen. Staffeldt schmunzelt. Sie liebt die alten Geschichten. Eigentlich hat sie Architektur studiert und als Kosmetikerin gearbeitet und wollte die Kneipe nie übernehmen. Doch nach dem Tod ihres Vaters musste sie sich entscheiden. Ihre Wahl fiel auf die Pusta-Stube und das Leben am Deich. Inzwischen ist sie damit berühmt geworden.

Die Dokumentation „Typisch!“ erzählt ihre Geschichte. Ausgestrahlt wird die Sendung am Donnerstag, 16. Mai, in der Zeit von 18.15 bis 18.45 Uhr im NDR. Drehort ist das Oberblockland 5.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...