Wetter: Regen, 11 bis 14 °C
Kirchengemeinde Lilienthal
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Umbau an der Klosterkirche steht bevor

Lutz Rode 21.09.2019 0 Kommentare

So soll es aussehen, wenn alles fertig ist. Den Anbau der Klosterkirche hat Architekt Marcus Knigge bewust dezent gehalten, damit die Klosterkirche weiterhin voll zur Geltung kommen kann.
So soll es aussehen, wenn alles fertig ist. Den Anbau der Klosterkirche hat Architekt Marcus Knigge bewust dezent gehalten, damit die Klosterkirche weiterhin voll zur Geltung kommen kann. (Marcus Knigge)

Lilienthal. Seit mehr als hundert Jahren steht es an der Klosterkirche in Lilienthal: Das Denkmal für die Gefallenen des Krieges von 1870/71. Jetzt sind seine Tage am angestammten Platz gezählt. Der Sandstein-Obelisk wird in den Amtsgarten umgesetzt. Nächste Woche schon soll der neue Sockel gegossen werden. Der Umzug gehört zu den Vorarbeiten für das Großprojekt, das die Lilienthaler Kirchengemeinde angeschoben hat. Für 1,5 Millionen Euro will sie ein neues Gemeindezentrum errichten. Der jetzige Anbau der Klosterkirche wird erweitert und rückt gute fünf Meter näher an die Klosterstraße heran. Dafür muss Platz her. Betroffen ist nicht nur das Denkmal, sondern auch eine Eiche und eine Platane links vom Eingang sollen weichen. Für November sind die Fällarbeiten vorgesehen.

Gut fünf Jahre hat die Kirchengemeinde ihre Neu- und Umbaupläne geschmiedet, mit dem Ziel, dem Gemeindeleben an zentraler Stelle mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Das Kirchenbüro, das sich jetzt im alten Pfarrhaus in Trupe befindet, soll einziehen und zwei neue Gruppenräume sollen auch entstehen - Platz für Konfirmandenunterricht, Chorproben und Treffen anderer kirchlicher Gruppen. Raum wird es auch für die Arbeit mit Kindern und Familien geben, die die Kirchengemeinde verstärken will. Rund hundert Quadratmeter werden es am Ende sein, die zu den jetzigen Räumen dazukommen.

Stellten die Pläne vor: Pastor Volkmar Kamp, Pastor Wildrik Piper, Kirchenvorstandsvorsitzender Martin Heinlein, Architekt Marcus Knigge, Bürgermeister Kristian Tangermann und Fachbereichsleiter Stephen Riemenschneider (von links).
Stellten die Pläne vor: Pastor Volkmar Kamp, Pastor Wildrik Piper, Kirchenvorstandsvorsitzender Martin Heinlein, Architekt Marcus Knigge, Bürgermeister Kristian Tangermann und Fachbereichsleiter Stephen Riemenschneider (von links). (Lutz Rode)

Der bestehende Anbau bleibt äußerlich weitgehend erhalten, vor allem an dem Erscheinungsbild des heutigen Gemeindesaals mit seinem markanten gefalteten Dach wird sich nichts ändern. Die Konstruktion ist so besonders und einzigartig, dass sie unbedingt erhalten bleiben sollte. Innen wird sich das Bild allerdings verändern: So wird die ohnehin nicht mehr benötigte Bühne im Saal abgerissen. Der Eingangsbereich zum neuen Gemeindezentrum soll großzügiger werden, und künftig wird alles komplett barrierefrei sein. Zudem werden dem Altbau ringsherum komplett neue Fenster spendiert. Für die beiden gefällten Bäume soll an anderer Stelle auf Kirchengrund ein Ersatz gepflanzt werden. 

Architekt Marcus Knigge hat bei seinen Plänen Zurückhaltung walten lassen: Der Anbau soll sich dezent an den vorhandenen Bau anschließen, selbst der Klinker soll dem ähnlich sein, der schon in den 60er-Jahren verbaut wurde. „Die Klosterkirche soll ihre Wirkung behalten. Sie ist das eigentliche Gebäude an dieser Stelle. Deshalb bekommt der Anbau eine ruhige und klar gegliederte Fassade“, sagte der Bremer Architekt, der schon diverse Kirchenbauten entworfen hat, bei der Vorstellung der Pläne in der Klosterkirche. Offen und hell soll alles werden.

Auftakt im Oktober

In der Kirchengemeinde Lilienthal ist man froh, dass es Mitte Oktober losgehen soll mit den ersten Bauarbeiten. Für den Vorsitzenden des Kirchenvorstands, Martin Heinlein, geht es vor allem darum, der evangelischen Kirchengemeinde mit ihren etwa 7500 Mitgliedern durch den Um- und Neubau „mehr Zentralität und mehr Sichtbarkeit“ zu verschaffen. Andernorts haben die Lilienthaler Fläche abgebaut, so wie es die Landeskirche angemahnt hatte. So wurde das Jugendheim an der Trupermoorer Landstraße aufgegeben und das Grundstück verkauft. Der Erlös kommt nun dem Neubau zugute. „Ohne den Verkauf hätten wir uns die Erweiterung nie leisten können“, sagt Heinlein. Aktuell sei in der Kirchengemeinde eine Art „Aufbruchstimmung“ zu verspüren.

Auf einer alten Ansicht, die vor 1900 entstanden sein muss, ist der alte Friedhof samt Mauer noch zu sehen. Auch das Kriegerdenkmal befand sich  dort, wo es bis heute steht.
Auf einer alten Ansicht, die vor 1900 entstanden sein muss, ist der alte Friedhof samt Mauer noch zu sehen. Auch das Kriegerdenkmal befand sich  dort, wo es bis heute steht. (HEIMATVEREIN LILIENTHAL)

Bevor es mit den eigentlichen Bauarbeiten losgehen kann, muss erst einmal kräftig entrümpelt werden. Möbel, Bücher, Kisten und sonstiges Inventar werden bis zum 15. Oktober zusammengepackt und zwischengelagert. Was nicht mehr gebraucht wird, kommt weg. Danach haben die Handwerker freie Bahn.

Archäologen kommen

Im Sommer 2020 soll der Bau fertig sein. Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, hängt auch davon ab, was bei den archäologischen Untersuchungen herauskommt, die der Denkmalschutz für den künftigen Baugrund vorgeschrieben hat. Ein Archäologen-Team wird die Tiefbauarbeiten begleiten und Alarm schlagen, wenn dort ein historischer Fund ans Tageslicht kommt. Ganz unwahrscheinlich ist das nicht, schließlich befand sich vor der Klosterkirche einst ein Friedhof. 1860 wurde er aufgehoben, die letzte Beisetzung erfolgte laut Heimatverein im Jahr 1870. Damals gab es 105 gleichgroße Familiengräber zwischen der Kirche und der Klosterstraße, eingefasst war der Friedhof von einer Mauer, die um 1900 abgerissen wurde.

Um das Kriegerdenkmal wird sich künftig ausschließlich die politische Gemeinde kümmern. Bisher waren die Zuständigkeiten unklar, niemand konnte sagen, ob der Obelisk nun der Kirche oder der politischen Gemeinde gehört. Die Kosten für den Umzug und die Reinigung des Steins teilen sich beide Seiten. Der neue Standort ist laut Bürgermeister Kristian Tangermann so gewählt worden, dass weiterhin der Kriegstoten gedacht werden kann, aber auch die Nutzung des Amtsgartens für Veranstaltungen weiter gewährleistet ist. Eine Fläche am Hecken-Labyrinth ist als Standort ausgeguckt. Zum Volkstrauertag am 17. November soll der Stein bereits am neuen Platz stehen, so dass der traditionellen Kranzniederlegung nichts im Wege stehen dürfte.

Der Umbau an der Kirche bedeutet allerdings auch, dass das übliche Programm bis zum kommenden Jahr nur eingeschränkt laufen kann. Ein Café samt Basar zum Weihnachtsmarkt wird es in diesem Jahr nicht geben, und auch der große Bücherflohmarkt muss ausfallen. Andere Aktivitäten werden in die Klosterkirche verlegt. „Wir werden ein bisschen improvisieren“, kündigt Heinlein an.

Nicht nur vor der Klosterkirche wird gebuddelt, sondern auch dahinter im Amtsgarten: Denn die Kirchengemeinde muss die Regenwasserentwässerung komplett ändern. Wie sich bei Kontrollen herausstellte, wurde der Niederschlag bisher in den Regenwasserkanal der Klosterstraße geleitet - was verboten ist. Jeder Eigentümer ist verpflichtet, das Regenwasser auf dem eigenen Grundstück versickern zu lassen. Die Lösung: Im Amtsgarten wird eine Versickerungsanlage gebaut, die später unter der Grasnabe verschwinden soll.

Apropos Versickerung: Bei den Untersuchungen, bei denen Nebel durch die Rohre geschickt wurde, stellte sich auch heraus, dass das Regenwasser vom Rathaus ebenfalls jahrzehntelang unerlaubt ins Straßenentwässerungssystem abgeleitet wurde. Auch dieser eher peinliche Mangel soll im kommenden Jahr behoben werden. Die Gemeinde hat dafür Geld im Haushalt bereit gestellt.


Meine Wümme-Region
Ihr Portal für die Wümme-Region

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Wümme-Region. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Region.

Ein Artikel von
Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 14 °C / 11 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 90 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
peteris am 20.10.2019 10:00
Premier Johnson ist "persönlich dagegen"
Brexit-Verschiebung: EU-Ratschef Tusk erreichen drei Briefe

Drei Briefe? Haben die ...
elfotografo am 20.10.2019 09:56
Was bezeichnet es denn, wenn der Kultursenator auf eine ihm gestellte Frage antwortet?