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Mutmaßliche Fälschungen auf Ebay entdeckt
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Unechte Heini-Linkshänder-Bilder im Umlauf?

Petra Scheller 13.01.2018 0 Kommentare

Screenshot Heini Linkshänder ebay
Dies ist ein Screenshot einer Ebay-Seite vom 12. Januar. Es geht um das Angebot eines Bildes von Heini Linkshänder. Experten gehen davon aus, dass es sich bei dem Bild um eine Fälschung handelt. (Fesser, André und Screenshot: André Fesser, Screenshot: André Fesser)

Alle paar Monate gibt Claudia Santiago Areal den Namen ihres Vaters bei Google ein. Dabei hat die Tochter des 2012 verstorbenen Worpsweder Künstlers Heini Linkshänder vor Weihnachten einen erschreckenden Fund gemacht. Auf der Online-Auktions-Plattform Ebay wurden gleich mehrere Arbeiten, die angeblich Werke ihres Vaters sein sollen, unter der Rubrik „Antiquitäten und Kunst“ zum Verkauf angeboten. „Arbeiten, die ich meinem Vater nicht zuordnen konnte“, sagt die in München lebende Innenarchitektin und Produktdesignerin im Gespräch mit der WÜMME-ZEITUNG. Sie informierte sogleich ihre Brüder, darunter den in Worpswede lebenden Fotokünstler Jürgen Strasser. Auch Strasser begegnet den angebotenen Arbeiten mit Misstrauen.

„Heini Linkshänder, 1938-2012, bekannter Worpsweder Maler und Grafiker“, sind die inzwischen abgelaufenen Versteigerungen überschrieben, die sich jedoch immer noch über die Plattform abrufen lassen. Neben einer ausführlichen Kurzbiografie des 1938 in Laufen an der Salzach geborenen Künstlers verweisen die Verkäufer durch das Nennen von Ausstellungsorten – darunter bekannte Worpsweder Galerien und Museen – auf Linkshänders Renommee. Unter allen relevanten Fakten zu den angeblichen Linkshänder-Werken befindet sich ein Vermerk: „Keine Garantie, keine Rückgabe! Nach EU-Recht!“

Tochter steigert mit

Gleich mehrere Indizien sprechen dagegen, dass es sich bei den Kleinformaten in Öl um echte Heini-Linkshänder-Arbeiten handele, sagt die Erbengemeinschaft. Spontan nahm Claudia Santiago Areal vor Weihnachten an einer der Auktionen über Ebay teil und bekam mit einem Gebot von 48,54 Euro den Zuschlag für einen vermeintlichen Linkshänder. „Gerade noch in letzter Sekunde konnte ich das Bild ersteigern“, sagt die Tochter des Künstlers. „All diese Bilder sind nach unserem ersten Eindruck und nach Prüfung der Signatur via Bildschirm zumindest keine Originale.“ Santiago Areal glaubt nicht unbedingt, dass die Verkäufer der Ebay-Auktion vorsätzlich gehandelt haben, möchte der Sache jedoch nachgehen.

„Als das Paket am 23. Dezember via Bote bei mir zu Hause in München ankam, roch es auffällig nach Ölfarbe“, sagt sie. Die Signatur auf dem Ölbild machte sie sofort stutzig. „Mein Vater hat seine Ölbilder niemals vorne signiert.“ Auch fehle auf den versteigerten Bildern das Entstehungsjahr – mit dem Linkshänder seine Werke für gewöhnlich kennzeichnete. „Für mich ist es ausgeschlossen, dass das Bild von meinem Vater sein könnte.“ Claudia Santiago Areal stellt fest, dass die Ölfarbe nicht ganz ausgetrocknet ist. Sie nimmt die Arbeit und zieht die Leinwand von der Pappe. „Die Leinwand zeigt keinerlei Spuren und Hinweise auf Farbflecken. Das ist sehr ungewöhnlich, denn mein Vater arbeitete mit einer Hand. Seine Materialien waren stets vollgekleckst mit Farben.“

Den Verdacht, dass es sich bei den Werken um Fälschungen handeln könnte, hegt auch die Worpsweder Kunstexpertin Susanna Böhme-Netzel, Geschäftsführerin der Worpsweder Kunsthalle Netzel, im Philine-Vogeler-Haus an der Bergstraße. Die Expertin unterstützt die Familie Heini Linkshänders darin, mit ihrem Fund an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Familie Heinrich Strassers, alias Heini Linkshänder, hatte einige Wochen überlegt, wie in dem Fall vorzugehen sei.

Einerseits will sie die Verkäufer nicht unter Generalverdacht stellen. Andererseits möchte sie nicht, dass falsche Bilder in Umlauf gebracht – und zu Dumpingpreisen verscherbelt werden. „Seit dem 8. Oktober sind gleich 19 Bilder, die mit dem Namen Heini Linkshänder signiert wurden, versteigert worden. Über die Suchmaschine ließ sich noch eine Versteigerung vom 12. September und eine vom 20. August 2017 finden“, erklärt Claudia Santiago Areal im Gespräch mit der Redaktion.

Die Erbin bat die Verkäufer noch vor Weihnachten per E-Mail darum, ihr zu verraten, wie sie an das von ihr ersteigerte Bild gekommen seien. So richtig fassen kann sie die Geschichte bis heute nicht. Ratlosigkeit macht sich breit. Auch darüber, wie es jetzt weiter gehen soll.

Die Rechnung begleicht Claudia Santiago Areal nicht anonym per Pay-Pal, sondern auf ein Konto bei einer Bremer Bank. „Dahinter steckt eine echte Person, von der ich aber annehme, dass sie nicht unbedingt vorsätzlich gehandelt hat“, sagt Santiago Areal.

Nach Recherchen der WÜMME-ZEITUNG leben die Verkäufer hier in der Region. Die Arbeiten hätten sie bei einer Haushaltsauflösung in Worpswede vor drei oder vier Jahren erstanden. Es habe sich um einen Privatverkauf bei der Auflösung eines großen Hofes gehandelt. An die Namen der damaligen Verkäufer könnten sie sich nicht erinnern, sagen die Verkäufer im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie seien keine Linkshänder-Kenner, hätten die Bilder damals gekauft und wollten sie nun einfach nicht mehr besitzen. So sei es zur Versteigerung gekommen. Ob die Bilder echt seien oder nicht, könnten sie schlicht nicht beurteilen.

Im Widerspruch dazu schreiben die Verkäufer allerdings am 23. Dezember an Claudia Santiago Areal in einer E-Mail, dass die Bilder aus dem Nachlass eines Freundes Heini Linkshänders, namens „Rolf“, stammen würden. Die Erben haben daraufhin das Adressbuch ihres Vaters durchsucht, sind aber bislang nicht fündig geworden.

Jürgen Strasser bittet die Verkäufer am 29. Dezember via E-Mail, den Verkauf der angeblichen Linkshänder-Arbeiten zu unterlassen und unterbreitet seinen Verdacht auf Fälschung. Die Erbengemeinschaft stellt fest, dass diese Verkäufer insgesamt über 100 Arbeiten diverser Worpsweder Künstler auf der Auktionsplattform im Netz anbieten.

So weit, so gut? Die Erbengemeinschaft überlegt jetzt, wie sie in der Angelegenheit weiter vorgehen wird. „Uns ärgert es natürlich, dass zum 80. Geburtstag unseres Vaters Bilder zu Spottpreisen verramscht werden“, sagt Claudia Santiago Areal unverblümt. Denn sowohl in der Hamburger Galerie Herold als auch in der Worpsweder Kunsthalle wird es Retrospektiven zu Heini Linkshänder in den kommenden Monaten geben. Echte Linkshänder seien mitunter mehrere tausend Euro Wert; die vermeintlichen Linkshänder auf Ebay hingegen wurden für weniger als einhundert Euro verkauft. „Das ist alles sehr bitter“, sagt Santiago Areal und hofft, dass sich der Fall mit Hilfe anderer Käuferinnen und Käufer aufklären lassen wird.


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...