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Raserei am Großen Moordamm
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Vom Wirtschaftsweg zur Pendlerstrecke

Petra Scheller 08.10.2019 0 Kommentare

Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger, landwirtschaftlicher Verkehr treffen sich auf einer Fahrbahn – die Straße am Großen Moordamm ist ein Nadelöhr zwischen zwei Naturschutzgebieten. Der Wirtschaftsweg hat sich zur Pendlerstrecke entwickelt. Anwohner
Autofahrer, Radfahrer, Fußgänger, landwirtschaftlicher Verkehr treffen sich auf einer Fahrbahn – die Straße am Großen Moordamm ist ein Nadelöhr zwischen zwei Naturschutzgebieten. Der Wirtschaftsweg hat sich zur Pendlerstrecke entwickelt. Anwohner schlagen Alarm. (Christian Kosak)

Borgfeld. Schon vor Beginn der Bauarbeiten an der Borgfelder Flutbrücke beklagen Anwohner den Schleichverkehr in Wohnstraßen am Rande der Wümme-Niederung. Auf dem Großen Moordamm gilt vom Hexenberg bis zum Ortseingang in Borgfeld durchgehend Tempo 30. Dass sich die wenigsten Autofahrer an dieses Gebot halten, ist seit Langem bekannt. Mehrfach wurde die Verbindungsstraße zwischen Seebergen, Fischerhude und Borgfeld nur für Anlieger freigegeben. Allerdings zulasten der umliegenden Straßen in Timmersloh und Butendiek.

Nun fordert eine junge Familie, die von Hamburg nach Bremen aufs Land gezogen ist, die Borgfelder Ortspolitik erneut zum Handeln auf. Gemeinsam mit Nachbarn, Naturschutzverbänden und Jägern will Familie Rose erreichen, dass sich am Großen Moordamm etwas ändert. Schwellen, Verkehrsinseln und Geschwindigkeitsmessungen sollen Raser in die Schranken weisen. Auch eine Klage über die Deutsche Umwelthilfe (DUH) zieht die junge Familie in Erwägung.

Die Idylle täuscht

„Morgens um 4 Uhr rasen Autos teilweise mit über 80 Stundenkilometern über den Großen Moordamm“, sagt Familienvater Martin Rose aufgebracht. Um 7.30 Uhr gingen dann die Kinder zur Schule. „Dann sind die Autos im Schnitt nur noch mit 50/60 Kilometern in der Stunde unterwegs. Nicht auszudenken, wenn da was passiert.“

Die Pendlerstrecke zwischen Bremen und Niedersachsen war „ursprünglich ein Wirtschaftsweg, aber nie für den großen Verkehr gedacht“, erklärt Borgfelds Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe den Sachverhalt. Gleich nach der Beschwerde Roses im Ortsbeirat habe das Ortsamt eine Geschwindigkeitsmesstafel am Großen Moordamm aufgebaut. Im Zeitraum vom 18. bis zum 25. September wurden dort Messungen durchgeführt. „Über 70 Stundenkilometer fährt da keiner“, zieht Bramsiepe Bilanz. „Wobei eine solche Geschwindigkeit in einer 30er-Zone ja die Abnahme des Führerscheins bedeuten würde“, fügt er hinzu. „Die Geschwindigkeiten, die wir dort gemessen haben, sind keine Bagatelle“, unterstreicht der Ortsamtsleiter.

Martin Rose und andere Anwohner fordern deshalb, dass die Straße, an der sie wohnen, in Zukunft verkehrsberuhigt wird. Er habe sich mit dem Anliegen bereits an das Bremer Amt für Straßen und Verkehr gewandt, an die Polizeidienststelle in Horn, an verschiedene Naturschutzverbände, die Gemeinschaft der Jäger und an seine Nachbarn, erklärt Rose. „Überall ist das Problem bekannt. Aber niemand ist imstande, eine Lösung einzuleiten.“

Das solle sich demnächst ändern. Rose will Anwohner und Ortspolitik mit ins Boot holen und eine Initiative gründen. „Es ist gar nicht klar, wer für so etwas die Verantwortung trägt. Da rasen mehrere 1000 Autos jeden Tag mitten durch ein Naturschutzgebiet, das als EU-Habitat ausgewiesen ist und keinen kümmert das“, beklagt Rose. „Da muss eine Senatorin doch mal auf den Tisch hauen.“

Rose fühlt sich von den Behörden „hin- und hergeschoben“. Beim Amt für Straßen und Verkehr hieß es, die Maßnahmen seien erschöpft. Man habe immerhin Holzpflöcke in die Seitenstreifen gesetzt, um die Grundstücke zu schützen. Rose reicht das nicht. Er fordert Schwellen, oder Verkehrsausbuchtungen, damit Raser vom Gas gehen.

„Schwellen oder Hochpflasterungen bauen wir schon seit Jahren nicht mehr neu. Diese haben sich als echter Zankapfel herausgestellt“, erklärt dazu der Sprecher des Bremer Amtes für Straßen- und Verkehr, Martin Stellmann auf Nachfrage. „Nicht selten beklagen Anlieger dadurch ausgelöste Erschütterungen in ihren Häusern sowie Lärm- und Abgasbelastungen durch Brems- und Beschleunigungsvorgänge“, heißt es weiter.

Alternativ hat Rose bei der Polizei angeregt, regelmäßig Geschwindigkeitsmessungen vorzunehmen. „Damit ließe sich ein Vermögen verdienen“, mutmaßt er. Doch der Bremer Polizei fehlten über 400 Leute, habe man ihm auf der Wache gesagt. „Die waren alle sehr nett und verständnisvoll, aber eine Hilfe ist von dort wohl nicht zu erwarten“, vermutet Rose nach einem persönlichen Gespräch. „Geschwindigkeitsmessungen dienen primär der Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr. Das gilt für stationäre Messgeräte, aber auch für mobile Geschwindigkeitskontrollen. Da der Polizei keine Verkehrsunfälle in der Straße mit der Ursache Geschwindigkeit oder sonstige erhebliche Verkehrsgefährdungen bekannt sind, kann nach derzeitiger Erkenntnislage keine stationäre Geschwindigkeitsüberwachungsanlage an der Örtlichkeit errichtet werden“, erklärt Polizeisprecherin Jana Schmidt auf Nachfrage. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten seien Geschwindigkeitsmessungen dort auch nur sehr eingeschränkt möglich, heißt es.

Schon seit vielen Jahren ist die Route über den Großen Moordamm bekannt als schnelle Verbindung vom Umland in die Stadt und umgekehrt. Die Nutzer kommen sowohl aus Lilienthal, Grasberg sowie den Landkreisen Verden und Rotenburg.

Im Jahr 2012 wurden dort zuletzt Geschwindigkeitsmessungen vom Borgfelder Ortsamt durchgeführt. Die Daten wurden damals über einen Zeitraum von einer Woche mit einem eigenen Messgerät erhoben. Bei den Messungen stellte sich heraus, dass mehr als 11 000 Autofahrer deutlich zu schnell unterwegs waren. Der Anteil derer, die mit mehr als 45 Stundenkilometern gemessen wurden, lag damals bei über 61 Prozent. Die Spitzenwerte auf der schmalen und von Begrenzungspfählen gesäumten Straße lagen bei mehr als 90 Kilometern pro Stunde. Eine Quote von insgesamt rund 88 Prozent von Verstößen belegte damals, dass das Tempolimit in den meisten Fällen ignoriert wurde.

Am Großen Moordamm wird vor Beginn des Flutbrückenbaus verstärkt über Verkehrsmaßnahmen diskutiert. Ortsbeirat Jürgen Klaes (Grüne) bringt den Wunsch nach einem ausgewiesenen Fahrradweg ins Spiel. Für Rose zählt auch der Umweltaspekt. „Im Herbst fahren die Autos an Tausenden von Wildgänsen vorbei. Die fühlen sich natürlich gestört.“ Sollten sie bei den Behörden nicht weiterkommen, überlegen Roses und ihre Nachbarn auch über die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Klage einzureichen. Doch zunächst setze man auf die Ortspolitik, sagt Rose. Er hoffe, dass es noch vor dem Neubau der Flutbrücke zu einer einvernehmlichen Lösung kommt.


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Leserkommentare
cklammer am 23.10.2019 09:05
Na, wir wissen ja, wie das geht: etwas gleichartiges wird ja am Weserstadion schon beim jedem Heimspiel von Werder umgesetzt.

Da wird ...
oharena am 23.10.2019 09:04
wen soll man jetzt mehr "lieben" - die Polizei, de Anschläge verhindert hat - oder die "lieben" Terroristen, die keine Anschläge verübt haben?