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Betreuungsknick
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Von der Kita ins Betreuungsloch

Irene Niehaus 06.02.2018 1 Kommentar

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Lilienthaler Mütter sorgen sich um die Betreuung ihrer Kinder (von links): Christiane Durke, Meike Artmann und Insa Meyerholz. (Irene Niehaus)

Lilienthal. Bennet ist sechs Jahre alt. Noch geht er in den Kindergarten, ab den Sommerferien besucht er die Grundschule, wahrscheinlich die Schroeterschule. Doch seiner Mutter Christiane Durke bereitet das Kopfzerbrechen. Denn die alleinerziehende 39-Jährige weiß nicht, wie es mit der Betreuung ihres Sohnes in Zukunft genau weitergehen soll. Sie hat im Vertrieb und Marketing eines Bremer Software-Unternehmens wieder so richtig Fuß gefasst. Zwar war es für sie nicht gerade einfach gewesen, ihren Sohn nach der einjährigen Elternzeit in einer Lilienthaler Kita unterzubringen. Doch irgendwie hatte es dann doch noch geklappt. Christiane Durke arbeitet 30 Stunden wöchentlich. Nun befürchtet sie, dass der Plan nicht länger aufgeht. Denn jetzt kommt ein tückischer Knick: Mit dem Übergang vom Kindergarten in die Schule sind die Betreuungszeiten kürzer als zuvor.

Auch Edda wird im Sommer in die Schule wechseln und davor graut es ihrer Mutter Insa Meyerholz. Denn an der Schroeterschule ist um 12.45 Uhr Schluss. Zu kurz für die Lehrerin, und auch Christiane Durke kann das nicht mit ihrem Job vereinbaren. Sie arbeitet bis 15 Uhr und fährt noch eine halbe Stunde. Im Moment kein Problem, denn ihr Sohn Bennet kann bis 16 Uhr im Kindergarten bleiben.

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Im Kindergarten klappt es noch mit der Betreuung. Doch wenn die Kinder von (von links) Christiane Durke, Meike Artmann und Insa Meyerholz in die Schule kommen, haben die drei berufstätigen Mütter ein Problem. (Irene Niehaus)

Meist baden es die Mütter aus

Immer mehr Eltern geht es in Lilienthal so, dass mit dem Schuleintritt die mühsam aufgebaute Organisation der Betreuung in sich zusammenbricht. Wer Familie und Beruf unter einen Hut bringen muss, für den ist die Kinderbetreuung das A und O – und zwar nicht nur bis zur Einschulung. Mit diesem Termin hat sich für viele Eltern die private Joboffensive erledigt. Meist baden die Mütter es aus, sie kürzen die Arbeitszeiten oder kündigen.

Für eine bessere Vereinbarkeit von Familien- und Berufsleben setzt sich Christiane Durke ein. Sie gehört zu den Familienthalern, einem Zusammenschluss von engagierten Lilienthaler Eltern, die sich für eine familienfreundliche Politik in Lilienthal starkmachen. Sie fanden sich ursprünglich mal als „Saure Muttis“ in Facebook zusammen, um ihrem Ärger darüber Luft zu machen, dass sich die Suche nach Kita- und Hortplätzen in der Wümme-Gemeinde so schwierig gestaltet. Ihr Ziel ist eine optimale Betreuungssituation für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Eine ihrer Mitstreiterinnen ist Meike Artmann. Die 35-jährige Lilienthalerin arbeitet als IT-Systemtechnikerin in Oldenburg und sitzt für die Grünen im Gemeinderat. Sie hat eine sechsjährige Tochter, die demnächst eingeschult wird, und kennt die Ängste der Mütter und Väter: „Mittlerweile haben sich etwa 20 Eltern an die Familienthaler gewandt mit der Sorge, dass ihre Kinder in der Grundschule nicht ausreichend betreut sind.“ Auch sie sieht die Schroeterschule als „großen Sorgenfall“ in Lilienthal, selbst das Betreuungsangebot des Schulvereins vom Schulende bis 14 Uhr sei hoffnungslos überlaufen. „Aktuell werden Eltern für eine Betreuung ab Sommer 2018 abgelehnt mit der Begründung, dass alle Plätze vergeben sind und sich die Eltern um eine Hort-Lösung oder Ähnliches bemühen sollten. Doch auch für die Hort-Betreuung sind die Anmeldefristen mittlerweile verstrichen“, bedauert die 35-Jährige, den Eltern fehle nun Planungssicherheit. Momentan gibt es zwei Hortgruppen in Lilienthal. 20 Schulkinder werden nachmittags im Trupermoorer Kinderkahn neben der Grundschule Trupermoor betreut, 20 Jungen und Mädchen sind in der Kindertagesstätte Schoofmoor der Lebenshilfe untergebracht. Die Plätze in der Schoofmoor-Kita sind bei vielen Eltern begehrt, weil sie näher am Zentrum liegen als die Kita in Trupermoor. Die Not ist groß, der Handlungsdruck da. Längst liegt ein Antrag für weitere Hortplätze vor. Die Familienthaler wollen alle Kräfte mobilisieren, um die mangelnde Versorgung zu mildern. Sie wollen mit anderen Eltern in der Einwohnerfragestunde des nächsten Bildungsausschusses Flagge zeigen: Der tagt am Donnerstag, 8. Februar, ab 18 Uhr im Ratssaal des Rathauses Lilienthal.

Auch mit einem Positionspapier wollen die Familienthaler Einfluss auf die Betreuungssituation nehmen. Darin geht es nicht nur um die Forderung nach mehr Hortplätzen. Unter anderem sollen alle Grundschulstandorte in Lilienthal ein gleiches außerschulisches Betreuungsangebot aufweisen, mit Ganztagsschule zu gleichen Zeiten, mit gleichen Rahmenbedingungen und einem Hort, heißt es. Die Hortplätze sollen nicht mehr wie bisher in Kitas, sondern an den Grundschulen eingerichtet werden. Damit wäre es künftig unnötig, die Kinder per Sammeltaxi oder Ähnlichem zu den Hort-Standorten zu bringen. Die Eltern verlangen auch eine flexiblere Hortbetreuung, buchbar auch nur für einzelne Tage in der Woche.

Weiter sehen sie Handlungsbedarf bei der Betreuung in den Schulferien und der Anpassung der Gebührensatzung. Auch qualitativ müsse die außerschulische Betreuung ausgebaut werden, pädagogische Fach- und Lehrkräfte sollen das Ganztagsschulangebot sowie die Hortbetreuung ausfüllen, sind sich die Eltern sicher und wünschen sich auch Bewegungs- und Kreativangebote, eine umfassende Hausaufgabenbetreuung sowie  Raum und Zeit für kindliches Freispiel und ein gesundes, vielfältiges Mittagessen in angenehmer Atmosphäre. Auch müssten die Kinder individuell gefördert werden, was eine enge Kooperation zwischen Ganztagsschule  und Hortangebot voraussetze. Zudem hoffen die Familienthaler auf eine größere Vielfalt im Hortangebot und bauen auf eine Förderung von Elterninitiativen und Sport- und Kulturvereinen, die außerschulischen Betreuungsangebote.


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Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...