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Theater am Deich
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Wenn der Krimi zur Komödie wird

Sabine von der Decken 17.03.2019 0 Kommentare

Im letzten Akt nehmen Handlung und Humor noch mal richtig Fahrt auf. Auf der Bühne agieren Angela Marks, Ugur Alkan, Edwin Tholen und Ivica Ilievski (von links).
Im letzten Akt nehmen Handlung und Humor noch mal richtig Fahrt auf. Auf der Bühne agieren Angela Marks, Ugur Alkan, Edwin Tholen und Ivica Ilievski (von links). (von der Decken)

Borgfeld. Schauspieler spielen Schauspieler, die Schauspieler spielen. Am Freitag hatte mit „Theater, Theater!“ die Komödie von Tom Müller und Sabine Misiorny im „Theater am Deich“ Premiere. Das neue Stück des Hanseaten-Klubs Bremen war nicht nur eine intellektuelle Herausforderung für diejenigen, die auf der Bühne standen, sondern auch für die Zuschauer. Denn der Titel war Programm, da auf gleich drei Ebenen das Thema Theater eine Rolle spielte und die Zuschauer Bestandteil des Gesamtkunstwerks waren. Bis auf den letzten Platz war die Premierenveranstaltung ausverkauft.

„Die Generalprobe lief schlecht“, stellten Heike Weppler-Vollbrecht und Hilke Müller während der Pause des knapp zweistündigen Dreiakters zufrieden fest. Denn gerade weil die letzte Probe vor der Premiere so ihre Haken hatte, waren die Regisseurinnen für die Aufführung guten Mutes. Ab Mittag des Premierentags stieg bei den Schauspielern des Hanseaten-Klubs die Aufregung rasant an, fiel aber im Laufe des Stücks immer mehr von ihnen ab. Souveränität und Spielfreude brachen sich Bahn. Das konnten die Regisseurinnen jedoch nicht von sich behaupten. Sie waren bis zur letzten Minute der Aufführung gespannt, ob alles lief. „Denn“, so ihre Erklärung, „wir haben auf den Verlauf keinen Einfluss mehr.“ Aber bis auf ein paar kleine Eingriffe von Souffleuse Kirsten Wohlers lief die Premiere von „Theater,Theater!“ reibungslos und so, wie sie sollte. Mit der Premiere aber höre die Regiearbeit nicht auf, erst mit der Derniere, sagten Heike Weppler-Vollbrecht und Hilke Müller.

Filmmusik von „Miss Marple“

Mit der Filmmusik von Agatha Christies „Miss Marple“ wurde das Publikum noch bei geschlossenem Vorhang auf den Mord vom Lord, der Aufführung eines Krimis an einem drittklassigen Provinztheater, eingestimmt. Bereits das Bühnenbild erhielt einen kräftigen Applaus von den Theaterbesuchern. Auch im Provinztheater lief die Generalprobe schlecht. Hier allerdings wurde nicht nur so manche Lücke bei den Schauspielern offensichtlich, sondern auch die intellektuellen Hürden, die die Dramaturgie des Theaterstücks an die Darsteller stellte.

Lampenfieber spielte bei den Schauspielern, die Schauspieler spielten, eine große Rolle. Das äußerte sich in emotionalen Ausbrüchen von Ivica Ilievski in seiner Rolle als Regisseur Falk Wagner, der sich zu Höherem berufen fühlte. Und bei Schauspieler Julius C. Brenner, der im Krimi die Rolle des Inspektor Carter übernahm, in Borgfeld treffend von Edwin Tholen gespielt wurde, dadurch, dass er seit zwei Tagen „den Inspektor nicht mehr fühlte“. Diese Art von Befindlichkeit brachte Regisseur Falk, der nicht nur seinen Schauspielern die verzwickte, auf mehreren Ebenen spielende Handlung versuchte zu erklären, sondern auch deren Nervenkostüm stabilisieren musste, fast um den Verstand.

Textunsicherheiten, viele Fragezeichen, nicht stimmende Abläufe und Stressanzeichen kennzeichneten das während der Hauptprobe zum Zerreißen gespannte Nervenkostüm des Regisseurs, souverän gespielt von Ivica Ilievski. Ebenso überzeugend war Angela Marks in ihrer Rolle als Schauspielerin Karin van Alst, die die Rolle der Lady Thitherthorough spielte. Das Fass fast zum Überlaufen brachte der den Darstellern unbekannte Ersatzschauspieler, der für einen erkrankten Kollegen einspringen sollte. Fälschlicherweise geriet Ugur Alkan in der Rolle des Zuschauers Stefan Schmidt in die Mühlen des Theaters und machte aus der Generalprobe mit viel Wortwitz und Spontanität Improvisationstheater. Im letzten Akt erlebte das Stück seinen komödiantischen Höhepunkt mit dem Auftritt von Hausmädchen Mary alias Ugur Alkan. Wortwitz und Tempo, das Spiel im Spiel wie auch die schauspielerischen Leistungen waren die Eigenschaften, die das neue Stück des „Theaters am Deich“ am Premierenabend zum Publikumserfolg werden ließen. Langanhaltender Applaus zeigte die Begeisterung.

Mit einem Hauch von „Miss Marple“, einem bisschen „Und ewig grüßt das Murmeltier“ und jeder Menge Irrungen und Wirrungen zeigte das noch recht „junge“ Ensemble des „Theaters am Deich“ viele Facetten seines schauspielerischen Könnens. Mit Ivica Ilievski und Edwin Tholen standen zwei neue Ensemblemitglieder auf der Bühne. Für Angela Marks war es die zweite große Rolle. Obwohl sie das Stück seit Beginn der Proben im Juli bereits in- und auswendig kannten, mussten die beiden Regisseurinnen Heike Weppler-Vollbrecht und Hilke Müller während der Proben immer noch wieder herzhaft lachen. Die Krimikomödie war ihre zweite Regiearbeit. Richtige Rituale haben sie noch nicht entwickelt, aber ein unbedingtes Muss war auch diesmal ein Foto von Werner Schmidt, dem schauspielerischen Ziehvater der Regisseurinnen, an der Wand auf der Bühne.

Das Ensemble des „Theaters am Deich“, das immer auf der Suche nach Verstärkung vor und hinter der Bühne ist, führt das Stück “Theater, Theater!“ bis Mai 23 Mal auf.


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...