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Rautendorf hat Zukunft
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Wettbewerb fördert den Zusammenhalt

Undine Mader 22.05.2019 0 Kommentare

Mit Honig und Wildfleisch präsentiert sich der Rautendorfer Imker und Jäger Erhard Fricke beim Markttag.
Mit Honig und Wildfleisch präsentiert sich der Rautendorfer Imker und Jäger Erhard Fricke beim Markttag. (Maximilian von Lachner)

Grasberg. Um die 800 Menschen leben im Dorf. Sie kennen einander nicht alle, nicht einmal vom Sehen. Rautendorfs Häuser verteilen sich auf lang gestreckten Straßen. Johann Christian Findorff hat es 1762 im Zuge der Moorkolonisation gegründet, 250 Jahre später feierten die Bewohner den Geburtstag ihrer Siedlung. Mit dabei war Anke Lindemann-Köhnken. Sie fühlte damals etwas, das sie Spirit nennt, eine Stimmung von Zusammenhalt. Dieser Geist erfährt nun eine Fortsetzung und Lindemann-Köhnken arbeitet daran mit. „Unser Dorf hat Zukunft“ heißt der Bundeswettbewerb, an dem die Rautendorfer seit September 2018 teilnehmen und mittels fünf Projektgruppen ihr Dorf bis 2022 fit machen wollen für die nächsten Jahrzehnte, und für sofort. Der Markttag am Sonntag, 26. Mai, ist eine erste Etappe unter diesem Dach. Lindemann-Köhnken hat ihn mit vorbereitet.

Als der Schulbetrieb in der Rautendorfer Grundschule 2013 aufgegeben wurde, ging die Sorge, dass dies den Niedergang des Dorfes nach sich ziehen könnte. Das Gegenteil ist geschehen, sind sich Lindemann-Könken und ihre Projektkolleginnen und -kollegen einig. Die zur Kita umgewandelte Schule ist voller Leben, die Rautendorfer feiern wieder ein großes Erntefest und vieles mehr mit Feuerwehr, Dorfgemeinschaft, Dorfjugend, Kita, Jagdgenossenschaft und Heimatverein. Für „Unser Dorf hat Zukunft“ kommen rund 40 Frauen und Männer aus Rautendorfer Vereinen, Institutionen, vereinslose Rautendorfer, Alteingesessene und Neurautendorfer aller Altersgruppen regelmäßig zusammen und überlegen, was ihr Dorf braucht und wie es umsetzbar ist.

Winterfeste Dorfscheune

Dabei gehe es vordergründig nicht um das ausgelobte Preisgeld, betont Projektleiter Fabian Warnken. Vielmehr gelte: „Der Weg ist das Ziel.“ Und der macht sichtlich Spaß. Warnken schwärmt: „Es sind ganz neue Runden entstanden.“ Das Dorf sei wieder näher zusammen gerückt.

An diesem Abend sitzen einige der Zukunftsgestalter in der Dorfscheune. Kalt ist es. Der Winter steckt noch im Gemäuer und der kalte Tag tut sein übriges. Heizung Fehlanzeige. „Im Winter ist diese Scheune nicht nutzbar“, erzählt Stefan Blancken. Nachvollziehbar, dass die Dorfscheune bei der Gruppe „Raumkonzept“ auf Rang eins steht. Die Dorfscheune soll winterfest werden und die Toilettenanlage soll künftig barrierefrei und vom Hauptraum aus zugänglich sein, so Blancken. Derzeit zeichne und berechne eine Architektin die Machbarkeit dieses Umbaus. Die Gemeinde bemühe sich um Fördergelder, wie überhaupt die Gemeindeverwaltung ihre Teilnahme am Dorfwettbewerb unterstütze. Der allgemeine Vertreter der Bürgermeisterin, Stefan Ritthaler, steht als Projektpate im Rautendorfer Wettbewerbs-Organigramm.

Dass die Rautendorfer für eine ganzjährig nutzbare Dorfscheune selber kräftig mit anpacken wollen und müssen, daran lässt Blancken keinen Zweifel: „Das geht nur über Eigenleistung, sonst wird die Summe zu hoch und das Projekt muss gestrichen werden.“ Neben Fördergeldern setzen die Planer auf Spenden von Rautendorfer Firmen und Bewohnern. Denn für sie alle könne eine winterfeste Dorfscheune als Dorfmittelpunkt fungieren.

Um die äußerliche Seite Rautendorfs kümmern sich Frauke Apel und die Mitglieder der Projektgruppe „Freiflächen und Wege“. Ihr Ziel: „Wir wollen Rautendorf naturell attraktiver machen.“ Potenzial sieht Apel einiges bei Bänken, Bushaltestellen, Rad- und Spazierwegen, dem Bolzplatz an der Kita, der reaktiviert werden und gemeinsam mit deren Spielplatz zu einem Begegnungsort für Familien werden könne.

Dem Informationsfluss über Veranstaltungen und alles, was es im Dorf gibt, nimmt sich die kleinste Projektgruppe an. Unter dem Stichwort „Digitalisierung“ sollen eine App für Rautendorf entstehen und ein virtuelles Schwarzes Brett rund um die Nachbarschaftshilfe, so Günther Post-Bender. Zum Programmieren konnten sie einen ehemaligen Rautendorfer in die Projektgruppe holen.

Anke Lindemann-Köhnken stellt die Arbeit der Gruppe „Miteinander“ vor. Kurz vor dem ersten Markttag in Rautendorf resümiert sie über dieses erste Ergebnis: „Leute zu motivieren ist gar nicht so schwer.“ Anfang des Jahres hatte die Gruppe per Fragebogen erkundet, was sich die Einwohner wünschen. Am meisten werde die Dorfkneipe vermisst, nur, da sind sich alle am Tisch einig, diese können sie nicht auf die Beine stellen. Auch der Wunsch nach einem Wochenmarkt überstand den Praxisabgleich nicht, doch die Idee zum Markttag war geboren. So können Rautendorfer ihre regionalen Erzeuger kennenlernen und später direkt bei ihnen einkaufen.

Als Leitbildentwickler und Chronisten des Wettbewerbs versteht sich die Gruppe „Marke Rautendorf“, so Alena Kortz. Wofür Rautendorf steht, wolle die Gruppe erarbeiten und mit einem Newsletter über die Entwicklungen in den Projektgruppen nicht nur deren Mitglieder informieren, sondern alle interessierten Rautendorfer. 2022 endet der Wettbewerb. Projektleiter Warnken betont: „Das heißt aber nicht, dass die Sachen, die wir anstoßen, dann keine Wirkung mehr haben.“

Informationen aus den Projektgruppen und Grillwürste gibt es für alle Interessierten an diesem Freitag, 24. Mai, ab 18.30 Uhr beim Forumstreffen „Unser Dorf hat Zukunft“ in der Dorfscheune, Rautendorfer Straße 21. Weitere Informationen bei Fabian Warnken (0173/8209135) oder per E-Mail f.warnken@gmx.net.

Zur Sache

Markttag in Rautendorf

So schmeckt Rautendorf: Frische Produkte von örtlichen Anbietern wie Eier, Honig, Wildfleisch und Kostproben von Wildgulasch erwartet die Besucher des ersten Rautendorfer Markttages am Sonntag, 26. Mai, von 10 bis 16 Uhr auf dem Dorfplatz vor der Dorfscheune, Rautendorfer Straße 21. Außerdem gibt es einen Flohmarkt, eine Hüpfburg für Kinder, Bratwurst vom Feuerwehr-Grill und leckeren Butterkuchen aus dem Steinbackofen des Heimatvereins.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...