Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Geburtstag des Seniorenbeirats Tarmstedt
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Ziemlich alt und wieder ganz jung

Johannes Kessels 17.03.2019 0 Kommentare

Vorsitzende Christa Ruschmeyer spricht in der Feierstunde zum 30-jährigen Bestehen des Seniorenbeirats der Samtgemeide Tarmstedt.
Vorsitzende Christa Ruschmeyer spricht in der Feierstunde zum 30-jährigen Bestehen des Seniorenbeirats der Samtgemeide Tarmstedt. (Maximilian von Lachner)

Tarmstedt. „Wat mookt ji dor denn – Koffie drinken un Koken eten?“ Diese Frage hört Helmut Sündermann, der Vorsitzende des Kreis-Seniorenrats Rotenburg, häufig, wie er jetzt seinen Kolleginnen und Kollegen des Seniorenbeirats der Samtgemeinde Tarmstedt verriet. Und er hört sie normalerweise nicht gern. Diesmal kam sie der Wirklichkeit aber sehr nahe, denn der Tarmstedter Seniorenbeirat feierte im Ratssaal mit knapp 40 Gästen und Mitgliedern seinen 30. Geburtstag. Natürlich gab es Kaffee und Kuchen – aber auch Sahnetorte.

Im Frühjahr 1989, die Berliner Mauer stand noch, aber die DDR war bereits im Implodieren begriffen, wurde auf Initiative von Marga Sievert der Seniorenbeirat für die Samtgemeinde gegründet, blickte der stellvertretende Samtgemeindebürgermeister Rolf Struckmeyer zurück. Vorsitzende wurde Frieda Römer, und das blieb sie 19 Jahre lang, bis sie 87 Jahre alt war. „Die Dokumentation ist sehr spärlich, obwohl der Beirat sehr aktiv war“, sagte Rolf Struckmeyer. In den letzten Jahren von Frieda Römers Regentschaft bestand der Beirat aber fast nur noch aus ihr selbst; laut den Unterlagen, die der Samtgemeindeverwaltung zugänglich sind, fand nach 1989 keine Vorstandswahl mehr statt. „Aber Frieda Römer hat bis zum Schluss den Besuchsdienst gemacht“, erklärt die heutige Vorsitzende Christa Ruschmeyer; die Geschenke für die 80. und 85. und höheren Geburtstage bezahlte, wie auch heute noch, die Samtgemeinde.

Beirat als soziale Heimat

Als Frieda Römer 2008 aus Altersgründen ihr Amt aufgab, wurde der Seniorenbeirat auf eine andere Art weitergeführt. Nach einer gut besuchten ersten Versammlung kamen im November 14 Senioren im Tarmstedter Hof zusammen, um einen neuen Seniorenbeirat zu wählen. Der bestand aus allen acht Personen, die zur Mitarbeit bereit waren. Heute hat der Beirat zehn Mitglieder, und man wolle in naher Zukunft die Satzung überarbeiten, wobei eventuell auch das Wahlverfahren geändert werde, sagte Christa Ruschmeyer. Zusammen mit den heutigen Gästen stelle der Seniorenbeirat die soziale Heimat dar.

Viele Leute glaubten, in Seniorenbeiräten werde vor allem Kaffee getrunken und Kuchen gegessen, sagte Helmut Sündermann, der Vorsitzende des Kreis-Seniorenrats. Aber es gebe viele andere Aufgaben; das Motto des Deutschen Seniorentags 2018 in Dortmund habe gelautet: „Brücken bauen“ – zwischen Jung und Alt, Altem und Neuem, Dorf und Stadt, Alteingesessenen und Zuwanderern. Es sei leider schwierig, ehemalige „Gastarbeiter“ zur Mitarbeit zu bewegen.

Die Bremer Schauspielerin und Autorin Karin Winckelmann führte die Teilnehmer der Geburtstagsfeier in eine Zeit, die viele von ihnen als kleine Kinder erlebt haben. Sie hat, teils aus Familienüberlieferungen wie den Erzählungen ihrer Eltern und einer 98-jährigen Tante, teils aus zeitgenössischen Zeitungen, die Geschichte einer Bremer Kaufmannsfamilie verfasst als episodenhaften Roman. Vater Hans Leonhardt, wie er im Buch heißt, geboren 1903, war Baumwollgroßhändler, und 1944 wurde sein Betrieb ausgebombt. Auf Empfehlung der Handelskammer hatten viele Bremer Handelshäuser ihre Ware aufs Land ausgelagert, so auch Hans Leonhardt. Aber die Rückholung gestaltete sich schwierig, nicht nur, weil zwischen den fiktiven Orten südlich von Bremen und der Stadt die Grenze zwischen britischer und amerikanischer Zone verlief. „Welke Wore? Ik weet gor nich – de is nich meer dor.“ Dabei hat Hans in Altwede auf den ersten Blick den Stoff von Frau Wohlers‘ Kleid wiedererkannt. Der zweite Besuch, diesmal in Begleitung der Polizei, verlief erfolgreicher.

Aber nicht immer hatten Hans und Emmy Leonhardt Glück mit der Polizei. Ihr Hausmädchen stammte von einem Hof in Martfeld, und da lag der Verdacht auf Begünstigung bei Schwarzschlachtung ja nahe – „da hab‘ ich auch mal was von gehört“, meinte eine Zuhörerin verschmitzt. Der Miesling von Gendarm lässt nicht nur alle Vorräte wegschleppen, sondern auch Hans Leonhardt verhaften. Aber seine Frau spannt einen Richter ein, der ein Bekannter ihres Schwagers ist. „Am nächsten Tag war mein Vater wieder frei“, sagte Karin Winckelmann nach der Lesung, „und die Vorräte haben wir auch zurückgekriegt.“

Noch mehr vom Leben in der Bremer Nachkriegszeit war zu hören, von der ersten Fete im gutbürgerlichen Bremer Haus in der Georg-Gröning-Straße in Schwachhausen und vom Frühjahrsputz, bei dem alle Möbel hinausgestellt wurden. Die Kinder spielten sowieso den ganzen Tag auf der Straße. „Und das fanden wir sogar schön“, sagt Karin Winckelmann. Da konnte man zum Beispiel ein Portemonnaie an einem Zwirnsfaden auf den Bürgersteig legen und sich hinter einem Zaun verstecken. Kommt da einer? „Nee, nur einer mit’m abben Bein.“ Der Kriegsversehrte, dem ein Bein fehlt, wird natürlich kein Opfer dieses Scherzes, der übrigens zeigt, dass Kinder- und Jugendmoden schon damals weltumspannend waren: Genauso, nur mit Paket statt Portemonnaie, haben schon Kalle Blomquist, Anders und Eva-Lotta im ersten Band der Krimireihe von Astrid Lindgren die dummen Erwachsenen geärgert. 


Meine Wümme-Region
Ihr Portal für die Wümme-Region

Herzlich willkommen in Ihrem Portal für die Wümme-Region. In diesem Portal informieren wir Sie über wichtige Nachrichten und Veranstaltungen aus Ihrer Region.

Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Die Sportmeldungen aus der Region
Veranstaltung für Ihre Region
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Traueranzeigen
WESER-KURIER Kundenservice
Leserkommentare
alterwaller am 22.10.2019 10:39
Da sollen also die, die sich Privatschule nicht leisten können die Schulen der "FDP-Klientel" pampern ? Passt zu Bremen und der Partei.
Neal am 22.10.2019 10:36
Parken und fahren wie es dem/der Fahrer/in gerade in den Sinn kommt, ist ja nicht nur zum Freimarkt ein Problem.
Wir brauchen a) eine besser ...