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Landkreis Rotenburg
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Zu viel Gülle auf den Feldern

Johannes Heeg 25.04.2019 0 Kommentare

Ein Bauer verteilt Gülle auf dem Acker. Laut Nährstoffbericht müsste die Menge im Kreis Rotenburg reduziert werden.
Ein Bauer verteilt Gülle auf dem Acker. Laut Nährstoffbericht müsste die Menge im Kreis Rotenburg reduziert werden. (Patrick Pleul/dpa)

Landkreis Rotenburg. Im Nährstoffbericht 2018, den Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast jetzt zur Nitratbelastung von landwirtschaftlichen Flächen vorgelegt hat, kommt der Landkreis Rotenburg nicht gut weg. Auf einer Karte des Ministeriums ist das Kreisgebiet rot eingefärbt, weil die erlaubte Höchstmenge an Stickstoff von 170 Kilo pro Hektar überschritten wird. Außer Rotenburg reißen noch sechs weitere Landkreise in Niedersachsen die 170-Kilo-Marke: Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Ammerland, Oldenburg und Vechta.

Allein in diesen sieben Landkreisen wurden 2018 über das erlaubte Maß hinaus insgesamt rund 11 400 Tonnen Stickstoff ausgebracht – das sind 1100 Tonnen mehr als im Jahr zuvor, heißt es im Bericht, den die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erarbeitet hat. Gestiegen sei auch der „Phosphatüberschuss“, also die Menge, die oberhalb des zukünftig geltenden Kontrollwertes von zehn Kilo pro Hektar in den Kreisen Cloppenburg, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg, Rotenburg und Vechta auf den Äckern gelandet ist: Um diese 10 600 Tonnen Phosphat gesetzeskonform loszuwerden, bräuchte es eine Fläche von rund 138 000 Hektar zusätzlich – 24 000 Hektar mehr als im Vorjahr.

Nitrat landet im Grundwasser

Weil mehr Gülle auf die Flächen gebracht wird als die Pflanzen aufnehmen können, landet reichlich Nitrat im Grundwasser. Laut Nährstoffbericht liegen in 21 von 37 Landkreisen in Niedersachsen die mittleren Nitratkonzentrationen im Sickerwasser infolge der hohen Stickstoffüberschüsse bei über 50 Milligramm je Liter. Wollte man die Nitratbelastung im Durchschnitt auf 50 Milligramm begrenzen, müssten insgesamt 56 000 Tonnen Stickstoff im Jahr weniger auf die Äcker kommen – allein 6900 Tonnen im Kreis Rotenburg. Angesichts regional zu hoher Nitrat- und Phosphorbelastungen, die das Grundwasser beeinträchtigen, bestehe „aus der Sicht des Landes in den nächsten Jahren ein außerordentlich hoher Handlungsbedarf“, heißt es im Bericht.

Der Umweltverband BUND beklagt nach der Lektüre des aktuellen Nährstoffberichts „wieder deutliche Versäumnisse beim Schutz der Gewässer vor Stickstoff- und Phosphateinträgen aus der Landwirtschaft“. Der Nährstoffbericht bestätige, dass die Überschüsse an Gülle aus Tierhaltungen und an Gärresten aus Biogasanlagen nicht verringert wurden. Dafür wäre eine Reduktion der Tierbestände – insbesondere in den Massentierhaltungsgürteln zwischen Weser und Ems – erforderlich. „Abzuwarten, bis eine aktuell unzureichende Düngegesetzgebung Früchte trägt, wie es Landwirtschaftsministerin Otte-Kinast und der Landesbauernverband fordern, rettet unser Grundwasser und unsere Flüsse nicht vor weiterer Verschmutzung. Die Landesregierung muss den Umbau der Tierhaltung jetzt angehen“, fordert BUND-Agrarexperte Tilman Uhlenhaut.

Die Landesregierung müsse endlich strengere Regelungen zum Schutz von Grund- und Oberflächengewässer durchsetzen. Stattdessen wiegelten Regierung und Landvolk "die berechtigten Forderungen aus Brüssel, die zu lasche deutsche Düngeverordnung massiv zu verschärfen, seit Jahren ab“, kritisiert Uhlenhaut. Eine Tierhaltung, die auf dem Ausbau nationaler und internationaler Exporte von Gülle und Gärresten basiert, lehne der Umweltverband ab.

Zur Sache

Seit Jahren bekannt

Dass es um das Grundwasser im Landkreis Rotenburg nicht zum Besten steht, ist seit Jahren bekannt. Schon 2014 hat ein Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) im Kreis-Umweltausschuss von einer „flächendeckenden Belastung mit Nitrat“ berichtet. Der Zustand des oberflächennahen Grundwassers in zehn bis 25 Metern Tiefe sei schlecht, der Landkreis Rotenburg habe "ein großes Nitratproblem“. Auch Pflanzenschutzmittel oder deren Rückstände seien gefunden worden. Von 86 Proben seien zwei Drittel belastet gewesen.


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Ein Syrer und sein neues Leben in Rotenburg
Samer Tannous ist Hochschullehrer aus Damaskus, lebt mit seiner Familie seit 2015 in Rotenburg und arbeitet dort als Französischlehrer. In der Wümme-Zeitung schreibt er wöchentlich über seine Erlebnisse.
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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...