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Gericht spricht Angeklagten frei
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Zweifel an Schuldfähigkeit

Angelika Siepmann 17.06.2019 1 Kommentar

Dass der Ritterhuder, der vorm Kadi stand, 2017 einen schweren Raub begangen hatte, stand für das Gericht in Verden außer Frage. Aber schuldfähig war der Täter dennoch nicht.
Dass der Ritterhuder, der vorm Kadi stand, 2017 einen schweren Raub begangen hatte, stand für das Gericht in Verden außer Frage. Aber schuldfähig war der Täter dennoch nicht. (Peter Steffen/DPA)

Verden/Osterholz-Scharmbeck. Vor fast zwei Jahren hat ein heute 25-Jähriger in der Innenstadt von Osterholz-Scharmbeck einen besonders schweren Raub begangen. Davon ist die 3. Große Strafkammer des Landgerichts Verden restlos überzeugt. Dennoch hat sie den Neu-Ritterhuder nun freigesprochen – aus rechtlichen Gründen, zwangsläufig. Denn es ist nicht auszuschließen, dass der Angeklagte sich damals aufgrund starker Alkoholisierung im Zustand der Schuldunfähigkeit befand.

Die Kammer habe nach der Beweisaufnahme keinerlei Zweifel, dass die Tat sich in den frühen Morgenstunden des 25. Juni 2017 so abgespielt habe, wie es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft stehe, sagte Richter Lars Engelke. Die Anklage beruhte auf den Angaben des Betroffenen, und dieser wiederum hat den Ablauf auch jetzt vor Gericht genauso geschildert.

Das Opfer war, wie berichtet, fast eine halbe Stunde lang von dem Angeklagten immer wieder mit Schlägen und Tritten traktiert und mehrfach mit einem Klappmesser attackiert worden. „Ich stech' dich ab“, drohte der Angreifer dem 26-Jährigen sogar, der aber auch noch gut an eine geradezu rührselige Phase des Angeklagten mit „Mitteilungsbedürfnis“ erinnerte. Da seien auch Entschuldigungen gekommen, berichtete der Technologe aus Cuxhaven. Weitere Aggressionen und Gewalttätigkeiten ließen indes nicht lange auf sich warten. Schließlich händigte ihm das Opfer das Portemonnaie mit etwas mehr als zehn Euro, Mobiltelefon und Jacke aus.

Der Angeklagte machte sich vom Acker. Und es sollte Monate dauern, bis man ihn als mutmaßlichen Täter dingfest machen konnte. Dabei half letztlich auch das Phantombild, das schon zu einem frühen Zeitpunkt angefertigt worden war und laut Engelke eine „frappierende Ähnlichkeit“ mit dem Angeklagten aufwies. Der aber blieb wie in seinen polizeilichen Vernehmungen wie auch im Prozess bei seiner Behauptung, mit der Sache überhaupt nichts zu tun haben. Am Ende kam es darauf auch gar nicht mehr an. Denn die Umstände mussten darauf schließen lassen, dass der Angeklagte zur Tatzeit derart unter Alkoholeinfluss stand, dass er als schuldunfähig zu gelten hat. Die Beobachtungen des Opferzeugen deckten sich mit Aussagen von Polizisten, die den schwankenden Angeklagten vorher schon gesichtet hatten. Hilflos soll er allerdings nicht gewirkt haben; ein Einschreiten hielten die Ordnungshüter nicht für erforderlich.

Das Gericht berief sich auf die psychiatrische Sachverständige, die von einer „erheblichen Alkoholintoxikation“ zur Tatzeit ausging. Zu dieser Ansicht war auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft gelangt. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt oder in der Psychiatrie lägen aber auch nicht vor. 


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Leserkommentare
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