Otto Modersohns Fischerhuder Werke aus den Jahren 1926 bis 1932 Wümmewiesen als bevorzugtes Kunstmotiv

Fischerhude. "Im Schlichten das Große und Künstlerische sehen" - der Untertitel der Ausstellung des Otto Modersohn-Museums in Fischerhude fasst es schon treffend zusammen. Nun hat das Museum eine Ausstellung mit Bildern aus den Jahren 1926 bis 1932 zusammengestellt.
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Wümmewiesen als bevorzugtes Kunstmotiv
Von Uwe Dammann

Fischerhude. "Im Schlichten das Große und Künstlerische sehen" - der Untertitel der aktuellen Ausstellung des Otto Modersohn-Museums in Fischerhude fasst es schon treffend zusammen. In den Motiven, die das "schlichte", aber damals so unberührte Fischerhude ihm bot, machte der Maler große Kunst. Nun hat das Museum eine Ausstellung mit Bildern zusammengestellt, die Modersohns Werk aus den Jahren 1926 bis 1932 umfasst.

Die Ausstellung wird am kommenden Sonntag, 12. Dezember, um 11.30 Uhr im Museum eröffnet und ist bis zum 27. März 2011 zu sehen. Die Einführung übernimmt Rainer Noeres von der Museumsleitung. "Mit dieser, alle Räume des Hauses umfassenden Sonderausstellung setzen wir unsere Reihe fort, das Lebenswerk in Abschnitten von jeweils 5 bis 10 Jahren in chronologischer Abfolge zu zeigen", sagt Antje Modersohn. Die Eingrenzung der Werkabschnitte trage dem Entstehungszusammenhang ebenso Rechnung, wie die Darstellungsmöglichkeit in den unterschiedlich zugeschnittenen Räumen. "Diese Ausstellung gestattet dem Besucher einen tieferen Einblick in das Werk des Künstlers. Ein großer Teil der Zeichnungen, Studien und Bilder stammt aus Privat- oder öffentlichem Besitz und wurde noch nie in einer Ausstellung gezeigt", sagt die Enkelin des Künstlers.

Einschneidende Veränderung

Die Jahre 1926 bis 1932 sind für Otto Modersohn und seiner Frau mit einschneidenden Veränderungen verbunden. Wie schon 1925, reist das Ehepaar auch 1926 und 1927 nach Würzburg, auf das Hofgut ?Neue Welt' zur Malerfreundin Gertraud Rostosky und daran anschließend ins Allgäu nach Unterjoch, Oberjoch, Fischen und Tiefenbach.

"Otto Modersohn, der sich in Franken, namentlich in Wertheim, Iphofen und Sulzfeld so wohl fühlte, dass er sich dort einen zeitweiligen Sommerwohnsitz vorstellen konnte, findet im Allgäu keine Bindung, weder menschlich noch künstlerisch. Die Bergwelt erschließt sich ihm nicht in der Weise, wie zuvor die sanfte fränkische Mainlandschaft", beschreiben Rainer Noeres und Antje Modersohn diese Jahre. Aber auch menschlich bleibt ihm die etwas derb-rustikale Wesensart der Bergbewohner zunächst fremd.

Anders geht es seiner Frau Louise Modersohn-Breling, mit der er seit 1909 in dritter Ehe verheiratet ist. Sie fühlt sich dort schnell heimisch, sucht Kontakt zu den Menschen und unternimmt mit ihnen ausgedehnte Bergwanderungen. 1883 in München als zweite Tochter des Malers am Hofe Ludwigs II., Heinrich Breling (1849-1914) geboren, zieht es sie zurück nach Bayern. Die wachsende Verehrung für die früh verstorbene zweite Ehefrau Otto Modersohns, Paula Modersohn-Becker, wirft immer größere Schatten auf Louise Modersohns Leben. Ihre Rolle als dritte Frau, als Stiefmutter, zweifache Mutter und Künstlerin, der man öffentlich vorwirft, sie wolle am Ruhm ihrer Vorgängerin partizipieren, ist außerordentlich problematisch. "Es verwundert nicht, dass sie zunehmend nach Möglichkeiten sucht, dem komplizierten familiären Umfeld zu entfliehen", heißt es in der Vorankündigung zur Ausstellung.

So dehnt sie Louise Modersohn-Breling ab 1927 die gemeinsame Studienreise ins Allgäu immer mehr aus und lässt ihren Mann allein nach Fischerhude zurück reisen, bevor sie sich, Wochen später, zur Heimkehr entschließt. Das Allgäu wird für sie immer stärker zu einem wichtigen Ort und Bezugspunkt, an dem sie sich frei und eigenständig fühlen und künstlerisch arbeiten kann. Louise Modersohn träumt von einem Haus im Süden Deutschlands. Sie würde gerne an den Bodensee ziehen oder auch ins Allgäu und bedrängt ihren Mann inständig, ihr in diesem Wunsch zu folgen. Doch Otto Modersohn will und wird dem nicht nachgeben.

In Fischerhude besonders kreativ

Statt dessen ist er in Fischerhude in diesen Jahren äußerst kreativ. Seine Malerei zeigt in den Jahren 1926 bis 1928 nuancierte stilistische Wandlungen. Er erprobt verschiedene Malgründe, experimentiert mit saugenden und nicht saugenden Malträgern, Tempera- und Ölfarbe, mit dünnem und pastösem Farbauftrag. Transparente, licht gehaltene Bildräume wechseln mit gedeckten, ganz verdichteten. Seine bevorzugten Motive bleiben die überschwemmten Wümmewiesen mit der Spiegelung des hohen Himmels, das Wümmeufer mit seinen urtypischen Entenhäusern, Stegen und Schleusen, die Surheide mit ihrem Gehölz und die Moorlandschaft mit den diagonal gesetzten Gräben, Moorkaten und Birkenstämmen. Hinzu kommen Wiederholungen seiner großen Moorbilder, die er zumeist im Auftrag des Kunsthandels malte. Seiner Frau berichtet Otto Modersohn ins Allgäu - wo sie sich seit 1928 auf die Suche nach einer eigenen Bleibe für ihre Familie gemacht hatte - von seinen Aufträgen, Verkäufen,

Ausstellungsbeteiligungen und Besuchen seiner Kunsthändler, die ihn vor einem Wohnortwechsel warnen. Er beschwört seine Frau eindringlich, nach Fischerhude zurückzukehren, weil er befürchtet, dass ein Umzug in den Süden die finanzielle Existenz der Familie ernstlich gefährden könne. 1930 gibt Otto Modersohn aber dem Drängen seiner Frau doch noch nach und erwirbt ein altes Bauernhaus bei Hindelang im Allgäu, wo er bis 1935 die Frühjahrs- und Sommermonate verbringen und malen wird.

Das Museum, In der Bredenau 95, in Fischerhude ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am 24.,25. und 31. Dezember ist die Kunstschau für Besucher geschlossen. Der Eintritt kostet vier Euro.

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