Mitarbeiter sollen übernommen werden

XXXLutz steigt bei Dodenhof ein

XXXLutz wird Partner von Dodenhof an den beiden Standorten in Posthausen und Kaltenkirchen. Im Bereich Wohnen und Einrichten hält die Möbelkette künftig 75 Prozent an zwei neuen Gesellschaften.
17.10.2018, 13:21
Lesedauer: 4 Min
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XXXLutz steigt bei Dodenhof ein
Von Lisa Boekhoff

Das Mode- und Einrichtungshaus Dodenhof bekommt einen Partner. Die Möbelkette XXXLutz schließt sich im Bereich Wohnen und Einrichten mit dem Familienunternehmen aus Niedersachsen zusammen. Das gaben Dodenhof und XXXLutz am Mittwoch in einer Mitteilung bekannt.

Die sogenannten Wohnwelten an den Standorten in Posthausen und in Kaltenkirchen gehen demnach in zwei neue eigenständige Gesellschaften über. Dodenhof hält daran eine Beteiligung von 25 Prozent, XXXLutz 75 Prozent.

Alle etwa 800 Mitarbeiter aus dem Möbelgeschäft sollen übernommen werden. Schon in diesem Jahr soll der Name der Gesellschaften in „XXXLutz Dodenhof“ geändert werden. Zuvor muss allerdings noch das Kartellamt die Kooperation prüfen.

Sache soll kein Intermezzo sein

Über eine mögliche Partnerschaft zwischen den beiden Häusern gab es bereits im Vorfeld Spekulationen. Im Sommer hatte Ralph Dodenhof bekannt gemacht, dass für die beiden Einrichtungshäuser strategische Partner gesucht werden. Die Sache soll kein Intermezzo sein.

XXXLutz und Dodenhof haben sich auf eine „langfristige erfolgreiche Zukunft der neuen Marke“ geeinigt. In Kaltenkirchen bei Hamburg gehört der neuen Gesellschaft auch die Immobilie.

Die Unternehmen versprechen sich vom Zusammenschluss, einem sogenannten Joint Venture, eine höhere Kundenattraktivität mit einem größeren Sortiment und schließlich mehr Frequenz. „Wir sehen uns in der großen Verantwortung für die Standortsicherung und unsere Mitarbeiter und wollen mit unserem starken Partner XXXLutz stationär und digital weiter wachsen“, teilte Ralph Dodenhof im Schreiben mit.

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Grund für die Entscheidung seien auch die großen Herausforderungen im Möbelhandel. Der Markt konsolidiere sich weiter dynamisch.

Deshalb ist XXXLutz mit seinem Einkaufsverbund Giga interessant. Die Gruppe aus ­Österreich betreibt insgesamt 260 Einrichtungshäuser in elf Ländern Europas und hat 22 000 Mitarbeiter. Die Hälfte davon ist in Deutschland beschäftigt. Zu Giga gehören nur die Schwergewichte der Branche.

XXXLutz gehört nach eigenen Angaben zu den weltgrößten Möbelhändlern mit einem Umsatz von mehr als 4,2 Milliarden Euro jährlich. „Dodenhof mit seinen etablierten Einrichtungshäusern in Posthausen und Kaltenkirchen ergänzt unser bestehendes Standortnetz in Deutschland wertvoll“, sagt Geschäftsführer Alois ­Kobler zur Kooperation im Norden.

Zusammenschlüsse kauften teilweise weltweit ein

Bereits jetzt werden 70 Prozent der Möbel über wenige Einkaufskooperationen verkauft, wie Ursula Geismann sagt, die Sprecherin des Verbands der Deutschen Möbelindustrie. Die Zusammenschlüsse kauften teilweise weltweit ein. „Natürlich haben sie dadurch eine besondere Marktmacht.“

Und es gebe immer mehr kräftige Fusionen. Dabei sei die Rendite aufseiten der Hersteller, die der Verband vertritt, und für den Handel nicht gut. „Die großen Handelsketten setzen vorwiegend auf Preise – beziehungsweise Rabatte.

Das ärgert uns aus Industriesicht schon, weil alles über den Preis und nicht mehr über Design, Qualität oder Langlebigkeit verkauft wird.“ Der Preis werde zum einzigen Verkaufsargument.

"Die Luft wird Dünn"

Experte Uwe Krüger vom Institut für Handelsforschung (IFH) in Köln sieht den Markt in Zukunft schrumpfen: „Die Luft wird dünn.“ Der Möbelmarkt mit Kücheneinbaugeräten in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei 26,2 Milliarden Euro. Der zu verteilende ­Kuchen sei damit bereits kleiner geworden. „Da kommt es zu Verdrängungen.“

Die großen Akteure im Handel sorgten für eine weitere Konsolidierung. Das zeige auch der Zusammenschluss von Dodenhof und XXXLutz. „Wir gehen davon aus, dass der Marktanteil des Möbelhandels weiter zurückgehen wird. Die Großen gewinnen immer mehr an Gewicht.“

Außerdem sei das Onlinegeschäft eine Herausforderung für die Branche. Früher habe man gedacht, der Vertrieb von Möbeln funktioniere dort nicht. „Das stimmt nicht. Man kann heute fast alles online verkaufen. Der Markt wächst nur noch dort.“

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Kompetenz im Digitalen wird deshalb wichtig. Dodenhof hat laut Sprecherin Michaela Strube nicht die Größe, um das allein zu stemmen. Im Shop von XXXLutz seien dagegen schon jetzt 60 000 Artikel verfügbar. Doch auch vor Ort soll sich etwas ändern.

Dodenhof sei das größte Shoppingcenter im Norden. In Zukunft soll es aber vermehrt auch eine Erlebniswelt sein. Die Partnerschaft sei eine Stärkung der Standorte, betont Strube. „Es soll hier kein Ausverkauf stattfinden.“

Dodenhof, bestehend aus einer Handels- und Immobiliengesellschaft, befindet sich komplett im Besitz der Familie Dodenhof und wird in vierter Generation geführt. Neben dem Möbelgeschäft gibt es weitere sogenannte Erlebniswelten für Mode, Sport, Technik und Kulinarisches.

Im Bereich Technik setzt Dodenhof bereits auf eine Kooperation mit Expert, um von der Einkaufsgemeinschaft und vom Onlineauftritt des Partners zu profitieren. Seit Kurzem heißt die Erlebniswelt „Expert Dodenhof“.

In Posthausen im Landkreis Verden beträgt die Verkaufsfläche allein 120 000 Quadratmeter und liegt damit nur 30 000 Quadratmeter unter der Fläche der Bremer Innenstadt. Die Wohnwelten entsprechen bisher einem Drittel davon. Zudem sind kleinere Flächen an ­externe Mieter vergeben.

Zu XXXLutz gehört zudem Mömax mit 37 Häusern in Deutschland. In Bremen sollte in Habenhausen im ehemaligen Max-Bahr-Baumarkt schon lange ein Standort entstehen. Doch die Pläne geraten ins Stocken. Grund dafür ist auch eine Klage von Anwohnern.

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