Landkreis Verden Zahl der Bewerbungen nimmt deutlich ab

Landkreis Verden. Rund 50 Schüler aus dem Landkreis bekommen derzeit beim Berufeschnuppern in den Projektwochen"Bau auf MINT" Einblicke in verschiedene Ausbildungsberufe.
06.07.2013, 05:00
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Zahl der Bewerbungen nimmt deutlich ab
Von Marius Merle

Landkreis Verden. Rund 50 Schüler aus dem Landkreis bekommen derzeit beim Berufeschnuppern in den Projektwochen"Bau auf MINT" Einblicke in verschiedene Ausbildungsberufe. Eine Aktion, von der sich auch die Betriebe Eigenwerbung versprechen, denn einige haben noch immer offene Ausbildungsstellen zu besetzen.

Für zahlreiche Kinder und Jugendliche im Landkreis ist derzeit die erholsamste Zeit des Jahres. Sechs Wochen Sommerferien bieten die Möglichkeit, von der Schule und den Sorgen über die berufliche Zukunft abzuschalten. Rund 50 Schüler aber nutzen die freie Zeit, um sich eben genau mit dieser Thematik näher auseinanderzusetzen. Sie schnuppern derzeit in den Projektwochen "Bau auf MINT" in unterschiedliche Ausbildungsberufe hinein. "Ich weiß noch nicht, was ich später machen will, daher nutze ich die Chance, um mir in dieser Woche die Betriebe anzuschauen", sagt der 15-jährige Noah Zilz aus Achim. Der ebenfalls 15-jährige Tim Kämpfer aus Oyten nimmt jedoch nicht ganz freiwillig an der Aktion teil. "Meine Mutter hat mir die Teilnahme empfohlen, ich selber wollte erst nicht", gibt er zu, fügt aber an, dass die Projektwoche ganz interessant sei.

Dass es häufig die Eltern der Schüler seien, die den Impuls für die Anmeldung geben, berichtet auch Stefanie Focke von der Fachkräfteoffensive Landkreis Verden. Diese bietet die Aktion in Kooperation mit zahlreichen Unternehmen aus der Region nun bereits zum dritten Mal an.

Bei "Bau auf MINT" können Schüler ab der neunten Klasse zwei Wochen lang Berufsfelder in den Fachgebieten Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, kurz MINT genannt, kennenlernen. Das Programm ist in mehrere Blöcke gegliedert, so dass sich die Jugendlichen beim Berufeschnuppern je nach Interesse auf eine Fachrichtung spezialisieren können. Neben dem Sammeln praktischer Erfahrungen und Informationen zu den Ausbildungsberufen, werden den Schülern auch Workshops zu Team-Building-Maßnahmen, Einstellungstests oder Bewerbungsgesprächen angeboten.

Beachtlich sei, so Focke, dass sich der Großteil der Schüler einzeln angemeldet habe und nicht etwa ganze Freundeskreise. Der Frauenanteil sei aus Sicht der Fachkräfteoffensive leider wieder sehr gering. Trotz eines eigenen Programmblocks für Mädchen, hätten sich für dieses Jahr nur vier angemeldet. "Die MINT-Berufe sind bei Frauen einfach nicht sehr beliebt", erläutert Focke.

Warten auf Bewerbungen

Die teilnehmenden Unternehmen nutzen das Projekt zur Eigenwerbung. "Uns laufen die Fachkräfte weg, und daher brauchen wir dringend Nachwuchs", erklärt Guido Levzow, Ausbilder bei Heckmann Metall- und Maschinenbau. Beim Verdener Betrieb durften die Schüler unter Aufsicht selbst an die schweren Maschinen und erste Versuche im Fräsen, Bohren und Drehen unternehmen. Heckmann wartet immer noch auf Bewerbungen qualifizierter Jugendlicher. Im vergangenen Jahr sei zum ersten Mal kein Azubi gefunden worden, so dass sich Levzow derzeit nur um Auszubildende im zweiten und dritten Lehrjahr kümmert. Immerhin drohe Heckmann dieses Schicksal nicht erneut. Zum 1. August beginnt, ganz untypisch für die Branche, eine junge Frau ihre Ausbildung zur Feinwerkmechanikerin.

Ganz so angespannt sei die Ausbildungslage bei Buss Fertiggerichte in Ottersberg noch nicht. "Auch wir merken, dass es schwerer wird, aber dieses Jahr konnten wir unsere freien Ausbildungsstellen noch alle besetzten", sagt Jana Hantke von der Personalabteilung. Auch bei Zeppelin Power Systems nehme die Menge an Bewerbungen merklich ab, die zwei Ausbildungsplätze konnten aber bisher dennoch immer qualitativ zufriedenstellend besetzt werden, wie Carola Schmitz von der Personalabteilung des Achimer Unternehmens berichtet. Dennoch sei es für beide Betriebe wichtig, ein Projekt wie "Bau auf MINT" zu nutzen, um den Beruf vorzustellen. Anders als bei Heckmann konnten die Schüler bei Buss und Zeppelin nicht selber an die Maschinen. Sie bekamen neben einem ausführlichen Produktionsrundgang die möglichen Ausbildungsberufe des Nahrungsmittelunternehmens und des Baumaschinenherstellers in der Theorie vorgestellt.

Dass zahlreiche Unternehmen im Landkreis besonders in diesem Jahr noch nach Auszubildenden suchen, beweisen die Zahlen. Nach Angaben der Agentur für Arbeit haben sich für 294 Ausbildungsstellen im Landkreis Verden keine Bewerber gefunden. Das entspricht einem Anstieg um 7,7 Prozent im Vergleich zu 2012. Von den unbesetzten Ausbildungsstellen gehören 77 den MINT-Berufsbereichen an. Rund 37 Prozent der seit Beginn diesen Jahres angebotenen Ausbildungsstellen in MINT-Berufen sind nach den Zahlen der Agentur für Arbeit somit noch verfügbar.

Für Kurzentschlossene gibt es in der zweiten Projektwoche von "Bau auf MINT" ab Montag noch wenige Restplätze zu vergeben. Interessierte Schüler können sich auf der Internetseite www.landkreis-verden.de das Anmeldeformular runterladen und dann ausgefüllt an die E-Mail-Adresse stefanie-focke@landkreis-verden.de senden oder sich Montag morgens früh unter der Telefonnummer 04231/15465 melden.

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