Stadtrat Bassum

Die große Enttäuschung

„Enttäuschung“ war eines der häufigsten Wörter, die in der jüngsten Stadtratssitzung gefallen sind. Die Bassumer Fraktionen sprachen über die Vergabe des Zentralklinikums und waren alles andere als erfreut.
24.06.2020, 16:04
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Die große Enttäuschung
Von Tobias Denne
Die große Enttäuschung

Oh, wie schön ist Borwede: Das Zentralklinikum soll in den Twistringer Ortsteil kommen. Kritik kommt vonseiten der Bassumer Fraktionen.

Braunschädel

Bassum. Symbolisch war der neue Tagesordnungspunkt der jüngsten Bassumer Stadtratssitzung. Denn mit der Entscheidung hatten die Fraktionen im Prinzip (auch wenn es Kreistagsmitglieder unter ihnen gibt) nichts zu tun. Dennoch wurde über das Zentralkrankenhaus gesprochen – und die Vergabe an Borwede. Das war bereits am Montag in Bruchhausen-Vilsen beschlossen worden (wir berichteten), die Bassumer Fraktionen nutzten ihrerseits die eigene Ratssitzung, um ihr Unverständnis zum Ausdruck zu bringen.

Es fielen Worte wie „Fiasko“, „Enttäuschung“, „schallende Ohrfeige“. Harte Worte, die zeigen: Die Bassumer Politiker haben sich bessere Chancen bei der Standortvergabe ausgerechnet. Dass man nicht einmal unter den ersten drei Plätzen gelandet ist, kam für das eine oder andere Ratsmitglied überraschend. Auch die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro (rund 50) in das bestehende Krankenhaus an der Marie-Hackfeld-Straße geflossen waren, sorgte für Kopfschütteln. „Es wird eine künftige Ruine hübsch gemacht“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Christoph Lanzendörfer. Denn auch jetzt seien die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen. Seine Fraktion hatte bereits gegen eine zentrale Lösung votiert, „in Bremen ist alles dezentral aufgebaut, damit die Menschen versorgt sind“, nannte er als Beispiel. Dass es nun ein Krankenhaus am „Rande“, wie er sagte, gebaut wird, sei nicht nachzuvollziehen. Er sprach von einer 200-Millionen-Euro-Ruine. Vor allem, da noch nicht entschieden sei, ob der Kreis Diepholz das Fördergeld überhaupt erhalte. „Der Landkreis will das Geld nicht ausgeben“, sagte Lanzendörfer.

Dass das Krankenhaus nicht in diesem Jahr (oder im nächsten) in Borwede steht, ist klar. „Es wird noch Jahre dauern, bis das Zentralklinikum kommt. Bis dahin müssen wir die Versorgung sicherstellen“, brach Cathleen Schorling von der CDU eine Lanze für das Projekt.

Selbstredend sei sie enttäuscht über die Entscheidung. „Wir haben drei Krankenhäuser im Landkreis und tagtäglich wird die Arbeit derer erschwert“, blickte sie zudem ein paar Jahre in die Zukunft, wenn (wie sie sagte) 30 Prozent der Ärzte und des Pflegepersonals „in den wohlverdienten Ruhestand gehen“. Und schon jetzt sei es schwer, medizinischen Nachwuchs auf dem Land zu bekommen. „Wir wollen für den Landkreis eine Krankenhausversorgung schaffen, und wir haben durch das große Krankenhaus die Chance auf eine Geburtsstation“, sagte Schorling. Diese wird von vielen Bewohnern gewünscht, werde aber nicht in einem kleineren Krankenhaus eröffnet. Doch wie geht es weiter mit dem Krankenhaus in der Lindenstadt? Das kann zu diesem Zeitpunkt noch niemand wirklich sagen. „Wir haben keine Ahnung von einer Nachnutzung. Vielleicht eine Lagerhalle?“, schlug Hermuth Straßburg (Bürger-Block) zynisch vor. Er und seine Fraktion monierten, dass die Entscheidung nichts mit Bürgerbeteiligung zu tun hatte, sondern „schnell durchgeführt“ wurde. Durch den Standort Borwede würden die Nordkreiskommunen ausgeschlossen.

„Wunden lecken und nach vorne blicken“, schlug Rainer Hartmann von den Grünen vor. Zwar sei er, wie alle anderen, enttäuscht über die Vergabe nach Twistringen, aber: „Die Entscheidung ist gefallen.“

Nun bringt es nichts, sich darüber zu echauffieren. „Wir haben das Ergebnis, wir können nicht zufrieden sein, und für Bassum ist das ein Fiasko“, sagte er. Vor allem da die sozialen und ökologischen Aspekte zu kurz gekommen seien. „Wir sollten aber unsere Energie darauf verwenden, was unsere Perspektive ist“, betonte er und riet, sich frühzeitig damit zu beschäftigten. Denn: „Wir haben noch Zeit.“

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