Über 50 Prozent der Eltern suchen Betreuung / Lilienthal will bis August noch 26 Plätze schaffen Zu wenig Krippen für die Kleinen

Es wird knapp, das weiß Andreas Cordes, Fachbereichsleiter für Bürgerdienste im Lilienthaler Rathaus. Ab August haben Eltern von Kleinkindern Anspruch auf einen Krippenplatz oder eine Tagesmutter. Experten schätzen, dass bundesweit circa 35 Prozent aller Väter und Mütter Betreuungsplätze für ihre Ein- bis Dreijährigen suchen. In Lilienthal ist die Nachfrage größer. "Wir liegen bei gut 50 Prozent", schätzt Cordes. Bis August sollen noch schnell 26 Plätze geschaffen werden. VON MICHAEL WILKELilienthal.
01.06.2013, 05:00
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Von Michael Wilke

Es wird knapp, das weiß Andreas Cordes, Fachbereichsleiter für Bürgerdienste im Lilienthaler Rathaus. Ab August haben Eltern von Kleinkindern Anspruch auf einen Krippenplatz oder eine Tagesmutter. Experten schätzen, dass bundesweit circa 35 Prozent aller Väter und Mütter Betreuungsplätze für ihre Ein- bis Dreijährigen suchen. In Lilienthal ist die Nachfrage größer. "Wir liegen bei gut 50 Prozent", schätzt Cordes. Bis August sollen noch schnell 26 Plätze geschaffen werden. VON MICHAEL WILKELilienthal.

Vor viereinhalb Jahren hat der Bundestag das Kinderförderungsgesetz verabschiedet. Ab August haben alle Eltern das Recht, ihre ein bis drei Jahre alten Kinder in eine Krippe zu schicken oder sie von einer Tagesmutter betreuen zu lassen. Erfüllen müssen den Rechtsanspruch die Kommunen, und das ist nicht leicht. Verlässliche Zahlen haben sie erst ein halbes Jahr vorher, im Januar und Februar, wenn die Anmeldefrist endet. Doch auch danach sind Veränderungen möglich. "Die Zahlen ändern sich ständig durch Zu- und Wegzüge", weiß Andreas Cordes, der zuständige Fachbereichsleiter im Lilienthaler Rathaus.

Momentan gibt es in Lilienthal 82 Krippenplätze für Kleinkinder. Dazu kommen die Tagesmütter. Sie bieten nach Cordes’ Worten mehr als 20 Plätze für bis zu dreijährige Jungen und Mädchen an. Das muss nicht so bleiben. Im Kreisgebiet klagen etliche Tagesmütter nach Recherchen der Redaktion über eine zu geringe Vergütung, über baurechtliche Auflagen und komplizierte Versicherungsfragen. Fakt ist: Noch reichen die Krippen- und Tagespflegeplätze in Lilienthal nicht. Bis August muss die Gemeinde das Angebot erweitern.

Der Neubau des Kindergartens Wümmekieker wird auch eine Krippe mit 15 Plätzen bieten. Doch darauf können Cordes und seine Mitarbeiter nicht bauen. Der neue Wümmekieker wird erst 2014 fertig.

Je zehn Krippenplätze sollen im evangelischen Kindergarten am Konventshof und in der Kindertagesstätte in Wührden geschaffen werden. "Wir müssen da noch was umbauen", erklärt Cordes der Redaktion . Bei laufendem Betrieb ist das schlecht möglich. Also sollen die Bauarbeiter in den Sommerferien anrücken, auf den letzten Drücker sozusagen. Eine dritte zusätzliche Krippengruppe sollte im Heidberger Spielkreis oder im Kindergarten Seebergen eingerichtet werden. Das war am Dienstagabend im Sozialausschuss des Lilienthaler Gemeinderats Thema. Auch in Seebergen müsste gebaut werden. Die Kleinen brauchen mehr Platz als Kindergartenkinder. Krippenräume sind so zu planen, dass pro Kind drei Quadratmeter zur Verfügung stehen. Das fordert die Durchführungsverordnung zum Kindertagesstättengesetz. In den Gruppenräumen für Kindergartenkinder reichen zwei Quadratmeter pro Kind.

Der Knackpunkt sind nicht so sehr die Baukosten, denn die fallen nur einmal an. Schwerwiegender sind die Folgekosten, die den Gemeindehaushalt Jahr für Jahr belasten: Personal- und Sachkosten, Wasser, Strom und Heizung, Telefon und Material. Zwar erstattet das Land den Gemeinden 52 Prozent der Personalkosten. Dazu kommen Einnahmen durch die Gebühren, die die Eltern zahlen. Doch die decken nur einen geringen Teil der Kosten. "40 bis 45 Prozent der Gesamtkosten bleiben bei den Kommunen hängen", sagt Cordes.

Eine Krippengruppe in Seebergen würde die hoch verschuldete Gemeinde Lilienthal 38000 Euro pro Jahr kosten, wie Cordes den Politikern im Sozialausschuss vorrechnete. In Heidberg wäre eine Krippengruppe womöglich auch ohne großen Umbau einzurichten. Doch dann müsste der Spielkreis raus. Raus in den Wald? Die Eltern haben einen Outdoor- oder Waldkindergarten vorgeschlagen. Die Gemeindeverwaltung hat auch das durchgerechnet und ist auf jährliche Folgekosten von 55000 Euro gekommen. Die Gemeinde hätte eine Schutzhütte oder einen Bauwagen anschaffen und zwei Erzieherinnen einstellen müssen.

Der Fachbereichsleiter schlug den Politikern eine andere Lösung vor. Das Gesetz erlaubt es, bis zu drei Kleinkinder in eine bestehende Kindergartengruppe zu integrieren. Also sollen sowohl in Heidberg als auch in Seebergen im August drei Krippenkinder aufgenommen werden. Das geht ohne Mehrkosten und stieß auf das Wohlwollen der Ausschussmitglieder.

Ob das Krippenangebot am Ende reichen wird, weiß Andreas Cordes heute noch nicht. Die Gemeinde sucht den Kontakt zu allen Eltern, die ihre Kinder für eine Krippe angemeldet haben. Notfalls müsse über kurzfristige Lösungen nachgedacht werden, sagt Cordes. Dann helfen sich die Nachbargemeinden auch gegenseitig. Lilienthal habe schon mal Grasberger Kinder aufgenommen. Das geht aber nur, so lange in der anderen Gemeinde Plätze frei sind.

Zu wenig Krippen für die Kleinen

Über 50 Prozent der Eltern suchen Betreuung / Lilienthal will bis August noch 26 Plätze schaffen

Zitat:

"40 bis 45 Prozent der

Gesamtkosten bleiben bei den Kommunen hängen."

Fachbereichsleiter Andreas Cordes

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