Dreijähriges Forschungsprojekt ab 2021

Züge ohne Fahrer: Test in Niedersachsen geplant

In Niedersachsen sollen von 2021 an automatisch fahrende Züge getestet werden. Dabei handelt es sich um ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprogramm, teilt der französische Zughersteller Alstom mit.
27.05.2020, 13:07
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Züge ohne Fahrer: Test in Niedersachsen geplant

Diesen Regionalzug des französischen Herstellers Alstom steuert noch ein Mensch. Ab 2021 will das Unternehmen in Niedersachsen automatisch fahrende Züge testen.

Arne Dedert / dpa

In Niedersachsen sollen von 2021 an automatisch fahrende Züge getestet werden. Wie der französische Zughersteller Alstom am Mittwoch mitteilte, wird das dreijährige Forschungsprojekt gemeinsam mit dem Regionalverband Großraum Braunschweig, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Technischen Universität Berlin organisiert.

„In der Zukunft werden automatisierte Züge den regionalen Bahnbetrieb optimieren, den Energieverbrauch senken und den Fahrkomfort erhöhen“, sagte der Sprecher der Alstom-Geschäftsführung in Deutschland und Österreich, Jörg Nikutta. „Damit wird das hochautomatisierte Fahren einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten und zur Entwicklung eines modernen, attraktiven Bahnsystems beitragen.“

Das Bundeswirtschaftsministerium hat das geplante Projekt mit dem Innovationspreis Reallabore ausgezeichnet und Informationen dazu auf seiner Homepage veröffentlicht. Demnach sollen Regionalzüge mit der Technik für hochautomatisiertes Fahren ausgestattet werden. Später sei ein regulärer Fahrgastbetrieb auf den Bahnstrecken zwischen Wolfsburg und Braunschweig geplant. Ein Lokführer soll dabei im Zug sein und den Betrieb überwachen. Bei Planung und Umsetzung des Forschungsprojekts sollen demnach alle wichtigen Stellen etwa aus Politik, Verwaltung, Bahn, Belegschaft und Gewerkschaften eingebunden werden. Das Eisenbahnbundesamt übernehme im Rahmen der Zulassung die Auswertung. „So sollen wichtige Erkenntnisse gewonnen werden, wie das Regelwerk für den hochautomatisierten und sicheren Fahrbetrieb auf der Schiene in Zukunft aussehen könnte“, heißt es auf der Seite des Bundeswirtschaftsministeriums.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann

Das Projekt setze Maßstäbe für den Nahverkehr von Morgen, betont Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Alstom zufolge werden die Tests mit der Metronom Eisenbahngesellschaft und zwei Coradia Continental-Regionalzügen der Regionalbahnfahrzeuge Großraum Braunschweig GmbH durchgeführt. „Dieser Test wird eine Weltneuheit für regionale Personenzüge sein“, so das Unternehmen Alstom, das Bahntechnik für U-Bahnen, S-Bahnen, Straßenbahnen, Regionalzüge, Lokomotiven und Signaltechnik anbietet.

Die Regionalzüge sollen technisch so ausgestattet werden, dass sie automatisch fahren. Dabei sollen verschiedene Automatisierungsgrade getestet werden. Im regulären Fahrgastbetrieb soll der Zug völlig autonom fahren, allerdings mit einem Begleiter, der im Notfall in den Betrieb eingreifen kann. Beim Rangieren soll ein automatischer Betrieb ohne Personal an Bord getestet werden - mit der Möglichkeit einer Fernsteuerung.

Automatisch fahrende Züge werden in Niedersachsen getestet

Das Logo des Bahntechnik-Herstellers Alstom auf dem Verwaltungsgebäude in Salzgitter.

Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte, das Projekt setze Maßstäbe für den Nahverkehr von Morgen. „Dass wir in Niedersachsen neben dem Testfeld für automatisierte und vernetzte Mobilität auf der Straße nun auch die Erprobung und Weiterentwicklung des automatischen Zugbetriebes vorantreiben können, ist ein entscheidender Schritt für die Zukunft des Personenverkehrs auf der Schiene.“

Professorin Birgit Milius, Leiterin des Fachgebiets Bahnbetrieb und Infrastruktur der TU Berlin, nannte den automatischen Zugbetrieb eine der spannendsten Herausforderungen im Eisenbahnwesen. „Wir haben damit die Möglichkeit, die Betriebsführung der Zukunft zu gestalten und signifikant zu verändern.“ Es sei allerdings noch viel Forschungsarbeit notwendig. (dpa)

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+