Bauarbeiten am Bahnübergang Zug um Zug

Der Bahnübergang an der Harpstedter Straße wird derzeit erneuert. Aber das ist nur ein aktuelles Projekt der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn in der Region. Weitere sollen folgen.
05.07.2018, 15:25
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Zug um Zug
Von Eike Wienbarg

Stuhr-Groß Mackenstedt. Die Sonne knallt auf den Bahnübergang über die Harpstedter Straße in Groß Mackenstedt. Schon am Vormittag ist es ziemlich warm. Bernhard Fischer, Harm Plasier, Eckhard Cremer und Heinz Erdwins lassen sich davon nicht abhalten. Die Bauarbeiter verlegen gerade sogenanntes Fugenband. Die Rolle aus Teer soll später die Kanten der neuen Betonplatten des Gleisbetts und der Asphalteinfassung verbinden. "Das verdichtet die Fugen, damit kein Wasser reinkommt", berichtet Fischer. Er und seine Kollegen sind seit Montag damit beschäftigt, im Auftrag der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE) den Bahnübergang zu erneuern. Seitdem ist die Straße zwischen den beiden Einmündungen Zur Malsch gesperrt. Die Erneuerung ist eines von vielen aktuellen Projekten der DHE hier in der Region.

Die Arbeiten an dem Bahnübergang waren nötig geworden, da es dort unter anderem zu einem Schienenbruch gekommen ist, berichtet Wolfgang Flessing, bei der DHE zuständig für die Bereiche Güterverkehr und Personal. "Mitten in der Schiene war ein Riss von ungefähr einem bis anderthalb Zentimetern", sagt er. Die Schienen, die vorher direkt im Asphalt lagen, wurden nun im Laufe der Woche durch acht sogenannte Gleistragplatten auf 31 Metern ersetzt.

Die Betonplatten, in den die Schienen eingelassen sind, sind rund 2,6 Meter lang und vier Tonnen schwer, berichtet Wolfgang Flessing weiter. "Es ist einfach eine andere Form des Bahnübergangs", erklärt er. Am Rand der Platten wurden zusätzlich Drainagen installiert, damit das Wasser vom Bahnübergang besser ablaufen kann. "Das ist auch im Winter von Vorteil, sonst haben wir die Spurrillen voller Eis", sagt Flessing.

Außerdem waren die Holzschwellen im Bereich links und rechts des Bahnübergangs abgängig, berichtet der DHE-Mitarbeiter weiter. Der "biologische Verfall" sei fortgeschritten, der Zusammenhalt zwischen Schwelle und Schiene war nicht mehr gegeben. Die Holzbalken wurden ausgetauscht und die alten werden jetzt entsorgt. "Das ist Sondermüll", sagt Flessing. So sind die Balken durch die Nähe zur Bahn und zur Straße kontaminiert. "Das haben wir vorher analysiert", berichtet er aus der Zusammenarbeit mit einer Firma aus Bremen.

Die Arbeiten an dem Bahnübergang dienen vor allem der Sicherheit der Bahnstrecke, erklärt Flessing. So ist die DHE angehalten, die gesamten Anlagen einmal im Jahr zu kontrollieren. Aber auch das Personal der Züge würde Auffälligkeiten melden. Im Bezug auf den Schienenbruch scheint das auch kein Wunder. "Das knallt schon ganz schön, wenn man darüber fährt", weiß Flessing zu berichten.

Für die Arbeiten im Groß Mackenstedt mussten sowohl die Straße als auch die Schiene komplett gesperrt werden. Für den Betrieb auf der Strecke sei das aber nicht das große Problem, so Flessing. Das Hauptgeschäft der DHE laufe in Delmenhorst, wo Kühlwagen für einen großen Lebensmittelhändler zwischen der Zentrale und dem Lager pendeln. Zusätzlich verkehren Züge mit Holz oder Düngemittel über die Gleise in Richtung Harpstedt. Und auch die Museumseisenbahn Jan Harpstedt ist auf der Linie unterwegs, berichtet Flessing. "Nächste Woche wäre es mit den Arbeiten aber schwierig geworden", erzählt er. Dann fahre ein ganzer Zug mit rund 3000 Tonnen in Richtung Harpstedt.

Der Bahnübergang über die Harpstedter Straße ist aber nicht das einzige Projekt der DHE in diesem Jahr. Am Harpstedter Bahnhof ist es die Sanierung von vier Gleisen und zwei Weichen. Hinzu kommen zwei Bahnübergänge an Waldwegen zwischen Stelle und Delmenhorst, berichtet Flessing. Im Spätsommer und Herbst stehen dann noch vier weitere Großprojekte an. Dann sollen vier Bahnübergänge mit Lichtzeichenanlagen und Halbschranken anstatt nur mit Blinklichtern ausgestattet werden. Dabei handele es sich um die Übergänge Am Stadion, Nordenhamer Straße und Asternstraße in Delmenhorst sowie um den Übergang Zur Malsch in Groß Mackenstedt, so Flessing. Auch hier drehe es sich alles um die Sicherheit der Bahnübergänge.

An der Harpstedter Straße stecken die Bauarbeiten aber in den letzten Zügen. Es sei alles nach Plan verlaufen, sagt Wolfgang Flessing über das Projekt, das nach dem Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetz (SGFFG) zu 50 Prozent vom Bund und zu 40 Prozent vom Land Niedersachsen gefördert wurde. Die Bauarbeiter müssen nur noch die neuen Gleistragplatten mit Asphalt einfassen und die Gleise "anstopfen", also an den Bahnübergang angleichen, wie er berichtet.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+