Moyn-Moyn-Festival in Oyten

Hoffen auf ein „Übermoyn“

Durch die coronabedingte Absage des Moyn-Moyn-Festivals in Oyten steht der Veranstalter vor finanziellen Problemen. Zudem sorgt die Standortproblematik für weitere Sorgenfalten. Die Zukunft ist ungewiss.
09.09.2020, 12:55
Lesedauer: 3 Min
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Hoffen auf ein „Übermoyn“
Von Marius Merle
Hoffen auf ein „Übermoyn“

Im vergangenen Jahr kamen rund 3500 Besucher aus ganz Deutschland und auch dem Ausland nach Oyten zum Moyn-Moyn-Festival.

Björn Hake

Dreimal hat das Moyn-Moyn-Festival bisher stattgefunden und Tausende Menschen für eine Auszeit vom Alltag auf das Backsberg-Gelände in Oyten gelockt. Eigentlich war für Ende August die vierte Auflage geplant gewesen, doch natürlich war die Ausrichtung einer Veranstaltung dieser Größenordnung in Zeiten der Corona-Pandemie nicht möglich – was die veranstaltende Abro Team GmbH nun vor große Probleme stellt. Und so ist es unklar, ob das Festival überhaupt eine Zukunft hat.

Da wäre zum einen der finanzielle Aspekt. In einem im Internet veröffentlichten Video erklären Mitglieder des Organisationsteams, wie ernst die Lage ist: „Das Wasser steht uns bis zum Hals“, „Wir haben alles beantragt, was so geht, aber es reicht vorne und hinten nicht“ oder „Unsere finanziellen Mittel neigen sich dem Ende entgegen“, sind nur einige der Äußerungen, die das verdeutlichen. Seit der Premiere 2017 habe das Moyn Moyn bisher noch keine Gewinne abgeworfen. Durch andere Projekte der Abro Team GmbH – etwa der Traumzauber-Wintermarkt in Hannover oder die bundesweite Ketoga-Veranstaltungsreihe – sei das Festival in Oyten querfinanziert worden. Natürlich können auch diese Veranstaltungen in diesem Jahr nicht wie geplant stattfinden. So sei es unklar, heißt es im Video, ob alle Projekte überleben – was aber wiederum notwendig wäre. Denn: „Wenn ein Projekt kippt, kann das ganze Schiff sinken.“ Besonders bitter für das Veranstaltungsteam ist es, dass das Moyn-Moyn-Festival in diesem Jahr erstmals hätte schwarze Zahlen schreiben können.

Baurechtliches Verbot

Doch nicht nur die Finanzen bereiten dem Festivalveranstalter Sorgen. Denn auch wenn es die Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen nicht geben würde, wäre es nicht sicher gewesen, ob das Moyn-Moyn-Festival 2020 über die Bühne hätte gehen können. Denn der Landkreis Verden hatte alle Veranstaltungen auf der großen Fläche zwischen Sagehorn und Fischerhude aus baurechtlichen Gründen zunächst einmal verboten. Die Abro Team GmbH kündigte daraufhin eine Klage vor Gericht an. Da die Veranstaltung für dieses Jahr coronabedingt ohnehin abgesagt werden musste, verlor dieses Anliegen aber etwas an Brisanz.

Um die baurechtlichen Grundlagen für Großveranstaltungen auf dem Backsberg – dazu zählt etwa auch das Treffen des Lanz Bulldog Clubs – zu schaffen, müsste die Gemeinde Oyten den dort gültigen Flächennutzungs- und Bebauungsplan ändern. Wie Axel Junge von der Verwaltung erklärt, habe es auch bereits Gespräche über die Rahmenbedingungen gegeben. In absehbarer Zeit solle sich dann die Politik mit dem Thema beschäftigen und darüber befinden, ob die notwendigen Verfahren eingeleitet werden sollen.

Treffen mit Politikern

Um bereits im Vorfeld mit den Entscheidungsträgern ins Gespräch zu kommen, haben sich kürzlich Mitglieder des Veranstaltungsteams mit zahlreichen Vertretern des Gemeinderates Oyten, Bürgermeisterin Sandra Röse und einigen politischen Vertretern des Fleckens Ottersberg auf dem Backsberg getroffen. „Wir haben allen Teilnehmern unsere Kulturarbeit, unsere Firma und auch nochmal die Philosophie hinter dem Moyn-Moyn-Festival tiefergehend erläutert“, erzählt Daniel Kragh von der Abro Team GmbH. Es sei eine sehr gute und offene Stimmung gewesen und alle Beteiligten hätten nun ein besseres Verständnis füreinander. „Das Feedback zu unserer Kulturarbeit und dem Festival war überwiegend sehr positiv“, zeigt sich Kragh zufrieden.

Da nicht alle Mitglieder des Oytener Gemeinderates vor Ort waren, sei es geplant, noch einmal eine Präsentation vor dem gesamten Gremium zu halten. „Wir hoffen weiterhin auf einen konstruktiven Dialog und mehr gegenseitiges Verständnis und sind positiv gestimmt, dass es nächstes Jahr auf dem Backsberg weitergeht“, zeigt sich Kragh vorsichtig optimistisch. Der Veranstalter selbst spricht nach der diesjährigen Absage von der Hoffnung auf ein „Übermoyn“. Ideen, wie sich das Festival weiterentwickeln kann, gibt es in jedem Fall genug. „Wir wollen die Region noch mehr mit einbeziehen“, sagt Kragh. So ist etwa eine feste Kooperation mit der Hochschule für Künste in Ottersberg vorgesehen und zusätzliche regionale Zulieferer sollen mit eingebunden werden.

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