Mobbing-Fachtagung im Achimer Kasch Zum Opfer kann jeder werden

Achim. Es ist egal, ob man rote Haare hat oder blonde, ob man Pickel oder Segelohren hat, oder ob man ein guter oder schlechter Schüler ist. Zum Mobbing-Opfer kann jeder in der Klasse werden. Das meint jedenfalls Silke Rupprecht von der Universität Lüneburg, die im Achimer Kasch gestern eine Studie zum Thema Mobbing vorstellte. Grundlage der Studie sind 1859 Schülerfragebögen, die an insgesamt 30 Schulen in Niedersachsen verteilt und ausgewertet wurden.
02.02.2010, 18:31
Lesedauer: 2 Min
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Zum Opfer kann jeder werden
Von Uwe Dammann

Achim. Es ist egal, ob man rote Haare hat oder blonde, ob man Pickel oder Segelohren hat, oder ob man ein guter oder schlechter Schüler ist. Zum Mobbing-Opfer kann jeder in der Klasse werden. Das meint jedenfalls Silke Rupprecht von der Universität Lüneburg, die im Achimer Kasch gestern eine Studie zum Thema Mobbing vorstellte. Grundlage der Studie sind 1859 Schülerfragebögen, die an insgesamt 30 Schulen in Niedersachsen verteilt und ausgewertet wurden.

Die Diplom-Sozialpädagogin war aber nur eine Expertin auf der Fachtagung 'Strategien gegen Mobbing unter Jugendlichen', die am Dienstag im Kasch stattfand. Den ganzen Tag über diskutierten rund 70 Teilnehmer, darunter Lehrer, Sozialpädagogen, aber auch Eltern und Schüler, mit Fachleuten das brisante Thema.

Eingeladen hatte die lokale Arbeitsgruppe Achim, ein Gremium des Fachdienstes Jugend und Soziale Dienste im Landkreis Verden. Sie fördert und initiiert Projekte für Kinder und Jugendliche und wollte mit dem Treffen über Mobbing aufklären und gleichzeitig aufzeigen, wie darauf reagiert werden kann, so Anja Klee in ihrer Begrüßung.

Welche Brisanz und soziale Sprengkraft im Mobbing steckt, zeigte gleich zum Auftakt der Aufritt des Schauspielkollektivs Lüneburg. Die Gruppe führte das interaktive Klassenzimmerstück 'Erste Stunde' vor. 'Erste Stunde' thematisiert Mobbing und körperliche Gewalt, setzt sich aber direkt mit der Struktur der Klasse auseinander, vor der gerade gespielt wird und ihrem Gewaltpotenzial. Provokant und direkt greift der Klassenzimmer-Monolog, hervorragend interpretiert von Schauspieler Andreas Püst, mitten in die Klassensituation ein. Jürgen Rickert (Andreas Püst) kommt neu in die Klasse. Diese Situation musste er schon häufig über sich ergehen lassen. Man steht vorne und alle glotzen einen an. Bisher war er immer der Loser. Der Letzte auf der Bank, das Opfer. Aber Jürgen reicht es, immer einstecken zu müssen. Heute will er den Spieß umdrehen. Er provoziert die Schüler, spricht sie direkt an. 'Okay, bringen wir's hinter uns. Ich gebe euch fünf Minuten?Fünf Minuten, in denen könnt ihr mit mir

machen, was ihr wollt.' Anschließend diskutierte die dreiköpfige Schauspielgruppe mit dem Plenum und berichtete, dass viele Schüler direkt auf das Stück reagierten, sich selbst oft als Mobbing-Opfer outeten.

Sozialpädagogin Silke Rupprecht berichtete anschließend aus der empirischen Untersuchung der Universität Lüneburg. 'To mop' kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Pöbeln. Doch bei einer reinen Pöbelei belassen es die Schüler untereinander nicht. Die Auswirkungen des Mobbings sind deutlich massiver. Sie reichen über verbale Attacken bis hin zu körperlichen Angriffen und dem neu verbreiteten 'Cyberbulling' - dem Mobben mittels Medien, bevorzugt im Internet.

57 Prozent der befragten Jungen aus der Studie haben bereits 'Mobbing-Erfahrung' und 46 Prozent der Mädchen. Die Altersklasse, wo ein Mitschüler am ehesten zum ausgegrenzten Opfer von Klassenkameraden werden kann, liegt in den Jahrgangsstufen der 13- bis 15-Jährigen.

Psychosomatische Erkrankungen, Schulangst und Leistungsabfall seien die Folge. 'Aber es hat sich auch gezeigt, dass die Täter relativ schnell wieder von ihren Opfern ablassen, wenn sie keinen Rückhalt in der Klasse haben und viele sich auf die Seite des Opfers stellen', sagt Rupprecht. Das sei aber leider eher selten.

Die informative Fachtagung im Kasch ging am Nachmittag mit der Arbeit in Kleingruppen weiter.

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