Apotheker Carsten Dähnhardt fährt einziges Elektroauto in Lemwerder / Für Privatgebrauch nur bedingt geeignet

Zum Tanken an die Steckdose

Total normal sieht er aus, der weiße Kastenwagen, der seit einigen Wochen seinen Stellplatz neben der Neuen Apotheke in Lemwerder gefunden hat. Doch das ist er mitnichten. Denn der Lieferwagen ist das einzige in der Gemeinde Lemwerder angemeldete Elektroauto. [VORSPANN]
29.05.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Barbara Wenke
Zum Tanken an die Steckdose

Hinter dem in die Motorhaube eingearbeiteten Tankdeckel verbirgt sich statt eines Tankstutzens eine Steckdose. Carsten Dähnhardt demonstriert, wie Energie zugeführt wird.

Wenke

Total normal sieht er aus, der weiße Kastenwagen, der seit einigen Wochen seinen Stellplatz neben der Neuen Apotheke in Lemwerder gefunden hat. Doch das ist er mitnichten. Denn der Lieferwagen ist das einzige in der Gemeinde Lemwerder angemeldete Elektroauto. [VORSPANN]

Lemwerder. Apotheker Dr. Carsten Dähnhardt kommt aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, wenn er von seinem neuen Lieferwagen spricht. "Das Fahrzeug passt genau in unser Profil", betont der Apotheker. Hatte sich die Apotheke vor einiger Zeit doch eine Photovoltaikanlage aufs Dach setzen lassen. Und da es mittlerweile kostengünstiger ist, den selbst produzierten Strom selber zu nutzen, als ihn ins öffentliche Netz einzuspeisen, hat sich Apotheker Dähnhardt für ein Auto entschieden, das er einzig mit Energie aus der Steckdose betreiben kann.

Ganz so einfach wie gedacht gestaltete sich der Autokauf aber nicht. "Wir waren enttäuscht, dass kein deutscher Hersteller zu finden war", resümiert Dähnhardt. So griff er auf ein Kangoo-Modell der Marke Renault zurück. Von deutschen Herstellern hätte der Lemwerderaner nur Hybridfahrzeuge bekommen können, also Fahrzeuge, die von kombinierten Verbrennungs- und Elektromotoren angetrieben werden.

Um Kundenbestellungen auszuliefern, macht sich nun jeden Abend eine Mitarbeiterin mit dem Elektroauto auf den Weg – und musste sich dabei erst einmal an das neue Fahrgefühl gewöhnen. "Der Wagen fährt nahezu geräuschlos", schildert Dähnhardt. Jeder neue Fahrer habe sich zunächst gewundert, warum der Motor scheinbar nicht anspringt – dabei lief er bereits. Nur eben völlig geräuschlos. Etwas lauter wird es erst beim Fahren, wenn Windgeräusche und Abrollgeräusche der Reifen hinzukommen.

Für Dähnhardts Zwecke ist der Wagen ideal. Seine Boten legen bei ihrer abendlichen Tour circa 40 Kilometer zurück. "Wenn wir einen Radius bis Oldenburg hätten, würde es eng werden, wenn der mal nicht durchgeladen ist", räumt Dähnhardt ein. "Wir können im Idealfall 120 Kilometer fahren." Für den privaten Gebrauch sieht Dähnhardt das Elektroauto deshalb als völlig ungeeignet an – außer es würde als absolutes Zweitmobil nur für Einkaufstouren im Ort vorgehalten.

"Wenn sie damit in den Urlaub fahren wollen, fällt so ein Auto aus", urteilt Dähnhardt. "Es besteht ein krasses Missverhältnis zwischen Lade- und Fahrzeit." Eine Stunde Autobahn fahren bei sechsstündiger Ladezeit sei wohl für niemanden hinnehmbar, sagt er und grinst. Ein zweiter nicht zu vernachlässigender Nachteil wird dafür sorgen, dass reine Elektroautos auf deutschen Straßen vorerst Zukunftsmusik bleiben: Der Preis. Laut Carsten Dähnhardt kostete sein Modell doppelt so viel wie ein normales Auto. Die Spritkosten, die sich für die Neue Apotheke bislang auf rund 200 Euro im Monat summiert haben, spart Dähnhardt jetzt zwar ein. Dafür zahlt er eine monatliche Mietgebühr in Höhe von 70 Euro für die Starkstromsteckdose.

Tagsüber, wenn die Sonne scheint, pausiert der weiße Kastenwagen nun auf der südlichen Seite des Apothekengebäudes, über ein Kabel mit der dort installierten 400-Volt-Schnellladebox verbunden. Innerhalb von sechs Stunden macht sie den Lieferwagen wieder fit, sollte dieser bis zum letzten Volt leergefahren sein. Doch auch wenn die Starkstromleitung, wie in den vergangenen Tagen passiert, ausfällt, braucht der Apotheker nicht auf seinen Lieferwagen zu verzichten. Per Notladekabel kann der Pkw an jede haushaltsübliche 220-Volt-Steckdose angeschlossen werden.

Dann dauert der Ladevorgang allerdings rund zwölf Stunden. Nichtsdestotrotz schwärmt Carsten Dähnhardt von seiner Neuerwerbung. Die Fahreigenschaften hätten ihn überzeugt. "Vom Drehmoment und vom Anzug her ist der gut", lobt Dähnhardt. 140 Stundenkilometer bringt der Wagen wenn gewünscht auf die Fahrbahn. Dabei schalte das Automatikgetriebe stufenlos, so dass man die Beschleunigung kaum merke.

Laut Kommunaler Datenverarbeitung Oldenburg (KDO) besitzt Apotheker Dähnhardt das einzige Elektroauto Lemwerders. Es gebe zwar noch ein zweites Elektrofahrzeug in der südlichsten Wesermarschgemeinde, aber das ist kein Pkw, heißt es aus dem Kreishaus in Brake.

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