Gastkommentar über Überdüngung Zurück zur Flächenbindung in der Landwirtschaft

Ein angemessenes Mittel zur dauerhaften Reduzierung der Tierbestände auf ein verträgliches Maß ist die Rückkehr zur Flächenbindung, meint unsere Gastautorin Amira Mohamed Ali.
26.08.2019, 20:01
Lesedauer: 2 Min
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Von Amira Mohamed Ali

Zu viel Nitrat im Grundwasser ist eine Gesundheitsgefahr. Aus diesem Grund gibt es den EU-Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter. Leider hält Deutschland diese Vereinbarung seit Jahren nicht ein. Das ist nicht nur gefährlich für die Bevölkerung, es drohen nun auch Strafzahlungen von bis zu 850.000 Euro am Tag. Am 25. Juli setzte die EU-Kommission deshalb der deutschen Bundesregierung eine letzte Frist von zwei Monaten, um die Überdüngung in den Griff zu bekommen.

Aber die neuen Vorschläge aus dem Landwirtschafts- und Umweltministerium werden das Nitratproblem nicht lösen, weil sie nicht an die Ursachen herangehen. Die Überdüngung der Felder entsteht, weil mehr Gülle aufgebracht wird als die Pflanzen aufnehmen können. Das überschüssige Nitrat sickert ins Grundwasser. Um die Überdüngung einzudämmen, muss weniger Gülle ausgebracht werden.

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Die Ausweisung von Risikogebieten auf dem Papier und längere Sperrzeiten für das Ausbringen von Dünger führen nicht dazu, dass die Nutztiere weniger Gülle produzieren. Landwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) und Umweltministerin Schulze (SPD) bekämpfen also lediglich das Symptom der Überdüngung, trauen sich aber nicht an die Ursache, die industrielle Massentierhaltung heran.

Ein Blick auf die Nitratkarte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen zeigt, dass die Nitratbelastung in den Landkreisen mit der größten Tierdichte am höchsten ist: Cloppenburg, Vechta, Emsland, Grafschaft Bentheim, Oldenburg und Ammerland.

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Ein angemessenes Mittel zur dauerhaften Reduzierung der Tierbestände auf ein verträgliches Maß ist die Rückkehr zur Flächenbindung. Das bedeutet, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb genug Flächen nachweisen kann, um seine Tiere zu ernähren. Die Gülle der Tiere wird im Sinne der Kreislaufwirtschaft dann ebenfalls ausschließlich auf diesen Flächen ausgebracht. So entstehen keine Nährstoffüberschüsse.

Dieses Wirtschaftsprinzip ist keine Utopie. Für Bio-Betriebe ist es verpflichtend, und wird auch von zahlreichen kleinen und mittelgroßen konventionellen Betrieben freiwillig umgesetzt. Nach der Jahrtausendwende wurde die Flächenbindung unter Landwirtschaftsminister Seehofer abgeschafft. Spätestens die drohende Klage der EU-Kommission sollte Klöckner zu denken geben. Es steht nicht nur eine Menge Steuergeld auf dem Spiel, sondern vor allem die Wasserqualität und damit die Gesundheit der Menschen. Gegen die Flächenbindung sprechen die wirtschaftlichen Interessen der Agrarindustrie und damit leider auch der politische Wille der Bundesregierung.

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Zur Person

Unsere Gastautorin ist seit 2017 Bundestagsabgeordnete und in der Fraktion Die Linke Sprecherin für Verbraucher- und Tierschutz. Sie wurde in Hamburg geboren und lebt in Oldenburg.

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