Vegesacker geht auf Weltreise

Zwei Jahre mit dem Rad

In Südamerika startet Christof Nordmeier aus Bremen-Nord seine Weltreise. Er fährt bewusst mit dem Rad, um Landschaft und Menschen hautnah zu erleben.
01.03.2019, 18:05
Lesedauer: 3 Min
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Von Daniela Schilling

Vegesack. Die Welt bereisen, fremde Länder entdecken, mit Menschen und deren Kultur in Kontakt kommen. Das sind Erfahrungen, die viele Menschen einmal im Leben machen möchten. Nur wenige erfüllen sich ihren Traum wirklich und die wenigsten gehen dabei so eng auf Tuchfühlung mit Land und Leuten, wie Christof Nordmeier es plant. Der gebürtige Nordbremer und Vegesacker Junge von 2007 ist zu einer besonderen Reise aufgebrochen: einer Weltumrundung per Fahrrad.

Schätzungsweise 15 000 bis 20 000 Kilometer will der 33-Jährige auf seinem Rad zurücklegen. Anderthalb bis zwei Jahre plant er dafür ein. Sein Weg führt ihn von Südamerika nach Brasilien, wo er die Küsten entlang radeln will. Dann geht es nach Peru und Kolumbien, weiter nach Panama, Costa Rica und Mexiko. Von dort aus nach Hawaii, zu den Cookinseln, Neuseeland und Asien. „Wie es von dort aus weiter geht sehe, ich dann. Ich habe nicht alles durchgeplant, da ich flexibel bleiben will“, so Nordmeier.

„Wenn ich irgendwo hinkomme, wo es mir gefällt, möchte ich dort etwas länger bleiben“. Er hat keinen Sponsor, muss die Reise zwar komplett selbst finanzieren, ist aber völlig unabhängig. Arbeit steht trotzdem weit unten auf deine To-do-Liste. Für Kost und Logis gelegentlich mit anzupacken, kann er sich aber schon vorstellen. Um solche Angebote zu finden, nutzt er eine spezielle App. Auch möchte der ehemalige VRV-Leistungssportler an den örtlichen Ruderschulen vorbeifahren und seine Unterstützung anbieten.

Die Frage nach der Motivation für sein Vorhaben bringt der Vegesacker mit einem Satz auf dem Punkt: „Die Welt ist so groß, es gibt so viel zu sehen!“ Auch das Interesse für andere Kulturen nennt er als Antrieb sowie die Irritation darüber, was zurzeit in Deutschland passiere. „Wenn man in Ländern wie Paraguay war, dort täglich an den Slums vorbeigelaufen ist und gesehen hat wie die Menschen leben, weiß man zu schätzen, was wir hier haben“. Für das Erstarken von Parteien wie der Afd und ähnlichen Strömungen hat er kein Verständnis. „Wir klagen auf einem hohen Level, uns geht es so gut.“

„2017 war ich für drei Monate in Südamerika und habe Jugendlichen in Uruguay das Rudern beigebracht. In Paraguay durfte ich außerdem das Nationalteam unterstützen“, berichtet er. Zuvor hatte er einige Zeit in den USA als Ingenieur gearbeitet und lebte lange in Basel. Dann kehrte zurück in seine Heimatstadt. Er blieb zunächst in Deutschland – den Gedanken einer Weltreise immer im Kopf. Als eine berufliche Veränderung anstand, gab seiner inneren Stimme nach. „Jetzt bin ich noch frei und ungebunden, habe keine großen Verpflichtungen“. Mit der Reise möchte er seinen Horizont erweitern und stärker zu sich selbst finden. „Viele Freunde haben sich erkundigt, warum ich den Trip alleine mache. Ich habe sie gefragt, wer das denn bitte mit mir aushalten soll“, erklärt Christof Nordmeier lachend.

Die Entscheidung für das Fahrrad als Fortbewegungsmittel fiel recht schnell. „Das Rad hat die perfekte Geschwindigkeit, um zu reisen. Man ist schneller als zu Fuß, nimmt die Umgebung aber trotzdem bewusst wahr“, so der begeisterte Radfahrer. Nordmeiers Fahrrad ist eine Spezialanfertigung, speziell für diese Tour gebaut, in einer Manufaktur in Vegesack.

„Es hat einen Stahlrahmen, was den Vorteil hat, dass auch ein Autoschrauber auf dem Dorf im Nirgendwo unkompliziert Schäden beheben kann. Alu ist zwar leichter, aber schwierig zu schweißen“, klärt er auf. Auch alle anderen Komponenten wurden danach ausgewählt, wie stabil und zuverlässig sie sind. Selbst die Farbe wurde bewusst gewählt, um nicht übersehen zu werden. „Viele Reparaturen kann ich selbst ausführen. Das habe ich von meinem Vater gelernt“. Dies sei ein weiterer Grund, warum er auf Hightech-Elemente verzichtet hat.

Trotz der 36 Kilo Gepäck, verteilt auf vier Taschen, muss er sich beim Gepäck begrenzen. „Ich habe einen Satz Radfahrerbekleidung dabei und einen Helm. Der ist extrem wichtig. Dazu einmal normale Sachen und eine Regenkombi. Dann noch Kochgeschirr, Badutensilien, Werkzeug, Chlortabletten für sauberes Wasser und Tabletten gegen Malaria“, zählt der Vegesacker auf. Als Kommunikationsmittel sollen Handy und IPad dienen.

Auch Schlafsack, eine Luftmatratze und ein Zelt werden mitreisen. Jedoch will Christof Nordmeier nicht nur unter freiem Himmel schlafen, sondern auch Möglichkeiten wie Couchsurfing oder „Warm Showers“ nutzen, ein Netzwerk, in dem Übernachtungsmöglichkeiten für Radreisende angeboten werden. Zudem hat er in Südamerika ein paar Freunde. Auf Hotel oder Hostels will er nur zur Not zurückgreifen.

Und wie haben Freunde und Familie reagiert? „Das Feedback war durchweg positiv, auch wenn meine Mutter ein paar Tage nicht schlafen konnte“. Sein Vater dagegen war sofort Feuer und Flamme. Von ihm stamme auch ein Satz, den Nordmeier erwidert, wenn man ihn fragt, ob er keine Angst hat überfallen zu werden oder auf andere Art zu Schaden zu kommen: „Man findet überall gut und schlecht“. Trotzdem will er sein Glück nicht herausfordern und Krisenherde wie beispielsweise Venezuela meiden.

Um alle Freunde und andere Interessierte auf dem Laufenden zu halten hat der Vegesacker unter dem Pseudonym „baerlauch_goes_wild“ ein Profil auf Instagram angelegt. Und Angehörige und Freunde erhalten auch per WhatsApp regelmäßig Lebenszeichen. Aktuell aus Montevideo.

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