Novembermarkt der Freien Rudolf-Steiner-Schule Ottersberg zieht magisch an / Viele Musikgruppen machen mit

Zwischen Sternensee und Moosgärtlein

Ottersberg. Tatsächlich begibt man sich, sobald das Foyer und der große Festsaal erreicht sind, in eine andere Welt. In dem großen Saal, der als Turnhalle genauso dient wie als Konzertsaal, betritt man an diesem Novembertag einen Zauberwald. Unter Marktschirmpilzen drängen sich Wichtel zusammen und hocken Einhörner beieinander, um dem Gemurmel und Getuschel zu lauschen. Überall glimmen Lichterketten und leuchtet das Grün frisch gebundener Kränze hervor.
22.11.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ines Prager

Ottersberg. Tatsächlich begibt man sich, sobald das Foyer und der große Festsaal erreicht sind, in eine andere Welt. In dem großen Saal, der als Turnhalle genauso dient wie als Konzertsaal, betritt man an diesem Novembertag einen Zauberwald. Unter Marktschirmpilzen drängen sich Wichtel zusammen und hocken Einhörner beieinander, um dem Gemurmel und Getuschel zu lauschen. Überall glimmen Lichterketten und leuchtet das Grün frisch gebundener Kränze hervor.

Es hat schon etwas von einem Basar, die Menschen schieben sich dichtgedrängt aneinander vorbei, um auch alles, was da angeboten wird, bestaunen zu können. Die Frauen hinter den improvisierten Ladentischen geben bereitwillig Auskunft und so entspinnt sich hier und dort ein Gedankenaustausch. Dann füllt sich wieder die kleine Bühne, dieses Mal mit Bläsern und ihren Instrumenten. Überhaupt gibt es viel Musik. Da ist das Christophorus Bläserensemble, der Flötenchor der 5. Klasse, Bläser des 6. Jahrgangs aus Zeven, der Chor der 13. Klasse. Ein Akkordeonensemble tritt auf, eine Saxophoncombo, das Jugendblasorchester der Musikschule Bremen, "Die Horn Ochsen" aus Ottersberg. Zu jeder vollen Stunde wird so für Ablenkung, auch für die Ohren, gesorgt.

Hilfe für rumänische Schule

Wen das alles hungrig macht, der zieht sich vielleicht in das Wiener Café gleich nebenan zurück. Doch der Novembermarkt bietet traditionsgemäß auch Aktivitäten in den Klassenräumen an, die bei den Kindern hoch im Kurs stehen. Jede Klasse bereitete in ihrem Raum eine Bastelstrecke vor, zum Beispiel zum Anfertigen von Moosgärtlein oder Tonarbeiten. Es gibt einen Handwerkermarkt, einen Sinnespfad und es darf im Sternensee geangelt werden. Leuchtende Kinderaugen gibt's dabei gratis.

Im kleinen Festsaal hat die Rumänienhilfe ihren Stand aufgebaut, ein sehr engagiertes Projekt von zehn Frauen, die seit 1991 ein Anthroposophisches Zentrum in Cluj unterstützen. Die Frauen treffen sich alle zwei Wochen und fertigen Produkte für den Basar an. Mit dem Erlös aus dem Novembermarkt sowie mit Spenden der Bremer Waldorfschulen unterstützen sie die Waldorfschule in Cluj, zum Beispiel bei der Bezahlung der Klassenlehrer. Überhaupt wird an vielen Stellen auf notwendige Hilfe aufmerksam gemacht und zu Beistand oder auch einfach zur Bewusstmachung aufgerufen.

Puppenspiel und Klangreise

Am Schulgarten gibt es einen amnesty-international-Stand und im Amtshof bietet die Gesellschaft für Sozialpsychiatrische Hilfen ASB unter anderem kleine Basteleien an. Die Schüler der 10. Klasse sind mit einer Anti-Atomkraft-Aktion vertreten.

Und doch ist dieser Tag eine Einstimmung auf die Weihnachtszeit. Warme Sachen aus Wolle, Felle und Decken liegen da, Kerzenziehen wird angeboten, Ponyreiten, Kinderschminken. In einer Teestube duften Kräutertees aller Art und draußen, im Nieselregen, rostet die Metall-Ausstellung "Rost im Garten" kontinuierlich vor sich hin. Die Kleinsten dürfen im Amtshof einem Puppenspiel zusehen, die Älteren eine Klangreise erleben. Ein Aussteller zeigt kostbare Instrumente, eine Frau Glasperlen aus eigener Werkstatt.

Diesem opulenten Angebot kann man nicht entkommen, man muss sich treiben lassen, weiter schauen, weiter staunen und sich anstecken lassen von der Begeisterung und dem Lachen der Menschen. Wenn man oben auf der Bühne im großen Festsaal steht und durch die Zinnen der Holzburg hinunter auf den Basar schaut, bekommt man einen Eindruck davon, wie viel Vorbereitung für diesen Markttag nötig war.

Der Novembermarkt ist eine Elterninitiative und sieht seine Bedeutung auch darin, die Waldorfpädagogik einem breiten Publikum vorzustellen. Denn schließlich gehört es zur Vorweihnachtszeit, kreativ und liebevoll mit den eigenen Händen Geschenke für die zu schaffen, die uns am Herzen liegen.

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