Zwischen Urlaubsende und Schulstart

Die Corona-Lage in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen steigt die Zahl der Corona-Infektionen wieder. Eine Testpflicht für Reiserückkehrer soll helfen, einen weiteren Anstieg zu verhindern und den Schulstart nicht zu gefährden.
20.08.2020, 07:30
Lesedauer: 3 Min
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Von dpa
Die Corona-Lage in Niedersachsen

Reiserückkehrer, vorwiegend aus Spanien, stehen mit Mundschutz vor dem Corona-Testzentrum am Flughafen Stuttgart (Baden-Württemberg).

Christoph Schmidt

Kurz vor dem Ferienende richtet sich in der Corona-Pandemie der Blick verstärkt auf Reiserückkehrer. Angesichts steigender Infektionszahlen auch in Niedersachsen stellt sich die Frage, ob Testpflicht und Quarantänemaßnahmen funktionieren. Ein Überblick zur Lage kurz vor dem Schulstart in der kommenden Woche.

Wie entwickeln sich die Ansteckungen und gibt es Hotspots im Land?

Die Zahl der bestätigten Infektionen in Niedersachsen stieg bis Mittwoch auf 15.681. Das sind 157 mehr als Tag zuvor, wie die Landesregierung mitteilte. Binnen einer Woche kamen 541 Fälle hinzu. Die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen war im Landkreis Vechta mit 22,4 am höchsten. Es folgte die Stadt Salzgitter mit 19,2 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Landesweit lag diese sogenannte Inzidenz bei 6,8.

Wo haben sich infizierte Niedersachsen angesteckt?

Mit 727 Fällen haben sich die meisten Infizierten in Deutschland angesteckt. Das sei das Ergebnis einer Nachverfolgung der Gesundheitsämter in den vergangenen fünf Wochen, hieß es aus dem Gesundheitsministerium. An zweiter Stelle standen dabei 95 Infektionen bei Rückkehrern aus dem Kosovo. Es folgten Kroatien (79) und mit größerem Abstand die Türkei (41). Das Ministerium verweist darauf, dass es sich um die wahrscheinlichen Infektionsorte handele, da diese nur vom Aufenthaltsort im Infektionszeitraum abgeleitet werden könnten.

Da Salzgitter beispielsweise am Dienstag 11 von 13 neuen Infektionen bei Rückkehrern aus der Türkei und Kroatien verzeichnete, appellierte die Stadt erneut an die Reisenden. Sie sollten sich nach der Rückkehr aus Risikogebieten beim Gesundheitsamt melden und mindestens bis zum Vorliegen eines negativen Testergebnisses in Selbstisolation begeben.

Wie funktioniert die Testpflicht?

Da sich in Deutschland niemand für eine Reise abmelden muss, ist eine genaue Übersicht und Kontrolle bei der Rückkehr gar nicht möglich. Aus dem Gesundheitsministerium in Hannover gab es aber schon mehrmals den Hinweis, dass es sich um eine Straftat handele, wenn der Testpflicht nicht nachgekommen werde.

Diese gilt seit dem 8. August für alle Urlauber, die aus Ländern mit vielen Infizierten zurückkommen. Wer kein negatives Test-Ergebnis von kurz vor der Abreise dabei hat, muss sich nach der Ankunft in Deutschland testen lassen. Dies ist bis zu drei Tage nach der Einreise kostenlos möglich, wie die Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) festlegt.

Aus Sicht von Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) gibt es in Niedersachsen eine sehr klare Strategie des konsequenten und anlassbezogene Testens. Für die FDP ist eher das Gegenteil der Fall: „Es gibt keine strategische und landesweit einheitliche Kontrolle der Quarantäne und die Landesregierung unternimmt nicht einmal das Einfachste, um die Zahl der Risiko-Heimkehrer im Blick zu behalten oder gar die Einhaltung der Quarantäne zu kontrollieren“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jörg Bode.

Wo wird in Niedersachsen überhaupt getestet?

In Niedersachsen betreibt die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) neben dem Testzentrum am Flughafen Hannover landesweit neun weitere Testzentren. Dort erfahren die Getesteten auch, wie sie über das Ergebnis informiert werden. Das ist laut KVN in der Regel innerhalb von 24 Stunden verfügbar. Sollte der Test positiv sein, wird dies auch dem zuständigen Gesundheitsamt gemeldet und der Patient erhält Infos, wie er sich zu verhalten hat. Da ein negatives Testergebnis immer nur eine Momentaufnahme angesehen wird, ist laut Bundesgesundheitsministerium eine Wiederholungstestung sinnvoll.

Neben den Testzentren gibt es auch weiterhin die Möglichkeit, Tests bei den niedergelassenen Hausärzten durchführen zu lassen.

Was bedeuten steigende Infektionszahlen für den Schulstart?

Nach den Sommerferien soll der Unterricht am kommenden Donnerstag (27. August) wieder beginnen. Das Kultusministerium geht weiter von einem „eingeschränkten Regelbetrieb“ aus. Es wird in voller Klassenstärke unterrichtet; es gilt kein Mindestabstand, dafür gibt es feste Lerngruppen; für Hygiene muss gesorgt sein.

Mit Blick auf eine Maskenpflicht im Unterricht zeigte sich Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) weiter skeptisch. Er begründete dies mit der oftmals nötigen Mimik und der großen Herausforderung bei sommerlichen Temperaturen fünf, sechs oder mehr Stunden mit Maske in einem Klassenraum zu sitzen und sich dabei auf den Unterricht zu konzentrieren.

Der Philologenverband Niedersachsen und die oppositionellen Grünen im Landtag sehen nur eine mangelnde Vorbereitung auf den Schulstart nächste Woche.

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