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Klosterkirche Lilienthal lädt das Ensemble La Ninfea zur musikalischen „Teatime“ ein / Zuhörer sind von der Kammermusik des Barockzeitalters begeistert
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Cembalosoli und Blockflötenklänge

27.10.2013 0 Kommentare

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Das Ensemble La Ninfea eroberte mit einem umfangreichen Repertoire an Musikinstrumenten und Musikstücken die Herzen der Zuhörer. Sie präsentierten ein Programm selten gehörter Liedern im Stile der Kammermusik des Barock.

Nach einer persönlichen Teezeit um 17 Uhr hatte man am letzten Sonntag die Möglichkeit, einer musikalischen „Teatime“ in der Klosterkirche Lilienthal zu lauschen. Das Ensemble La Ninfea war dort mit Musik von „Händel und Kollegen / Rivalen“ zu Gast und präsentierte ein Programm mit zum Teil selten gehörter, dafür aber umso hörenswerterer Kammermusik des Barock.

„Händel und Kollegen / Rivalen“

La Ninfea (Die Seerose) sind Musiker um die Blockflötistin Barbara Heindlmeier, den Gambisten und Blockflötisten Christian Heim, sowie den Lautenisten Simon Linné. In dieser Besetzung hatte das junge Ensemble bereits im April dieses Jahres ein Konzert mit dem Programm „La flute douce“ in der Klosterkirche veranstaltet und seinerzeit einen glänzenden Eindruck hinterlassen. So war das Publikum in der sehr gut besetzten Klosterkirche positiv eingestimmt auf das, was die drei Musiker – dieses Mal verstärkt durch die Gambistin Marthe Perl und Alina Rotaru am Cembalo – an musikalischem Genuss bieten würden.

Der Untertitel des Konzerts: “Händel und Kollegen / Rivalen“ mag im ersten Moment in dieser Gegenüberstellung überraschen. Spätestens jedoch beim Namen Johann Christoph Pepusch weiß man, was konkret gemeint ist. Wie auch Georg Friedrich Händel, war der in Berlin geborene Komponist Pepusch in London tätig. Bekannt ist er uns heute vor allem durch seine Beggar´s Opera.

Diese 1728 in London uraufgeführte „Bettler Oper“ war nicht nur eine allgemeine Gesellschaftssatire, vielmehr karikierte sie in besonderer Weise die von Georg Friedrich Händel zur Blüte gebrachte italienische Oper. Ob die Baggar´s Opera für den Niedergang der Händelschen Oper in London maßgeblich verantwortlich war, lässt sich heute nicht mit Bestimmtheit sagen.Auf jeden Fall ärgerte sich Händel über Johann Christoph Pepuschs Komposition maßlos.

Im Konzert erklang Pepuschs Triosonate a-moll. In diesem sehr tänzerisch angelegten Werk, das es in seinem kompositorischen Anspruch durchaus mit vergleichbaren Werken von Händel aufnehmen kann, kontrastieren zwei klangschöne Adagios mit jeweils nachfolgenden virtuosen Allegrosätzen. Wenn auch die Flöte klanglich durchaus im Vordergrund stand, konnten alle Musiker mit einer Ensembleleistung auf höchstem Niveau glänzen.

Begonnen hatte das Konzert mit einer Sonate für zwei Blockflöten und Basso continuo von William Williams. Über diesen Komponisten und Geiger, der nur 25 Jahre alt wurde, weiß man nicht viel. Bekannt sind heute seine sechs Triosonaten, zu denen auch die im Konzert dargeboten ein F-Dur „In Imitation of Birds“ gehört. Händel, der erst 1710 nach London kam, wird seinem bereits 1701 gestorbenen Zeitgenossen wohl kaum begegnet sein.

Vielleicht kannte er aber diese ausgesprochen unterhaltsame Sonate, die von Barbara Heindlmeier und Christian Heim mit selbstverständlicher Virtuosität klangvoll dargeboten wurde. Im wunderbar weichen Ton der Flöten kam das durch den Komponisten imitierte Vogelgezwitscher ansprechend zur Geltung. Welch ein wundervolles Instrument die so oft unterschätze Blockflöte sein kann, wurde in diesem Konzert mehr als deutlich.

Das alte London

Im England des 18. Jahrhunderts war die Blockflöte äußerst gesellschaftsfähig, und jeder Gentleman, der etwas auf sich hielt, hatte sein Instrument dabei, um bei Gelegenheit eine Kostprobe seiner Fähigkeiten abgeben zu können.

Dem Italiener Giovanni Battista Bononcini war Händel auch vor seiner Londoner Zeit schon mehrfach begegnet. Einerseits waren beide Komponisten Kollegen, doch andererseits war Bononcini Händels größter Rivalein London, und seine Werke wurden zu damaliger Zeit den Kompositionen Händels als zumindest ebenbürtig angesehen.

Das Divertimento in a-moll verlangt den Interpreten gleichermaßen Virtuosität wie musikalische Gestaltungsfähigkeit ab, wobei dieses auch hier wieder für alle beteiligten Instrumente gilt. Im Wechsel mit virtuosen Cembalosoli erklingt kontrastierend der samtene Klang der Tenorblockflöte oder an anderer Stelle eine gezupfte Gambenbegleitung.

Bononcini war ein viel-bewunderter Meister auf dem Cello. Dazu passt es, dass seine Virtuosität durch Marthe Perl und Christian Heim in der Komposition Duetto da Camera auf zwei Diskantgamben ihren Ausdruck gefunden hat, wenngleich dieses von den Musikern in einem Originalmanuskript in der Französischen Nationalbibliothek entdeckte Werk eigentlich für zwei Singstimmen geschrieben ist.

Es entspricht durchaus damaliger Gepflogenheit, die Singstimmen durch Soloinstrumente zu ersetzen. Unterstützt durch die einfühlsam spielende Continuogruppe gestalteten Marthe Perl und Christian Heim ihren Part mit großer Kantabilität und einer auf Diskantgamben selten gehörten Weichheit des Klangs.

Von Georg Friedrich Händel standen die Sonaten in g-moll und in a-moll auf dem Programm. Insbesondere in der Sonate a-moll tritt das Cembalo aus seiner Rolle als Continuoinstrument heraus und wird der Blockflöte ein gleichberechtigter Partner,war doch Händel seinerseits ein geachteter Cembalovirtuose.

So konnte Alina Rotaru besonders auch in dieser Sonate ihr Können solistisch unter Beweis stellen. Ohne Händels wundervolle Kompositionen gering achten zu wollen, wurde an diesem Abend im unmittelbaren Vergleich deutlich, wie viele musikalische Juwelen auch außerhalb der vielbegangenen Pfade zu finden sind.

Den Abschluss des Programms bildeten Variationen über „La Follia“ in einem Arrangement von Christian Heim. Follia bezeichnet einen ausgelassenen Tanz, und entsprechend war auch das Klangerlebnis. Der im Continuo stets aufmerksam und einfühlsam begleitende Simon Linné wechselte bei diesem Stück von der Thorbe zur Barockgitarre, was erneut eine klangliche Bereicherung mit sich brachte.

Alle fünf Musikerinnen und Musiker gestalteten das Werk mit einer überschäumenden Spielfreude, die unmittelbar auf das heftigen Beifall spendende Publikum übersprang.

Kontrastreiches Zusammenspiel

Das an sich schon gleichermaßen abwechslungsreiche wie auch kurzweilige Konzertprogramm wurde noch dadurch bereichert, dass immer wieder andere Instrumente eingesetzt wurden. So gestaltete das Ensemble La Ninfea einen sehr besonderen Konzertabend, der durch virtuoses und kontrastreiches Zusammenspiel aller Instrumente bei einem äußerst homogenen Ensembleklang geprägt war.

La Ninfea bedankte sich für den Beifall bei dem bereits durch die wunderbar dargebotenen Kompositionen reich beschenkten Publikum mit einem Satz aus Arcangelo Corellis Concerto Grosso Nr. 1 in einer eigenen Bearbeitung.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen und Konzerten in der Klosterkirche Lilienthal gibt es auch im Internet unter der Adresse: www.klosterkirche-lilienthal.de oder unter der E-Mail Adresse: info@klosterkirche-lilienthal.de.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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