Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Warum man seinen Personalausweis in die Mikrowelle stecken sollte / Lückenlose Überwachung im Internet
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Der durchsichtige Bassumer

sascha rühl 15.09.2011 0 Kommentare

Angereist waren die Informatiker Dennis Weber und Peter Leppelt von der Firma Praemandatum aus Hannover. Bereits am Vormittag hatten Lehrer, deren Reaktionen Bände gesprochen hatten, einer fünfstündigen Fassung des Vortrages beigewohnt. Nur wenige der knapp 50 Eltern konnten bei Beginn des zweistündigen Seminars sagen, was Bluetooth ist und wie sehr ihr tägliches Leben mit Technik durchsetzt ist. "Unsere Technik kommuniziert miteinander ohne unser Wissen", erklärte Peter Leppelt. Drei Parteien würden mit allen Mitteln um unsere Daten kämpfen: Sei es der Staat zur Kontrolle der Bürger, die Wirtschaft, um uns und unser Kaufverhalten überwachen zu können oder Kriminelle, die mit der Wirtschaft interagieren. "In zwei Dritteln der Fälle gehört Ihr Windows-Computer jemand anderem, Sie dürfen ihn lediglich nutzen", warnte Leppelt.

Die Kontrolle über 10000 Computer als sogenanntes Botnet würde heutzutage lediglich 300 Dollar kosten. Mit solchen Botnets ließen sich dann Spams verschicken oder öffentliche Server angreifen, um diese lahm zu legen - alles ohne das Wissen des PC-Besitzers. "Die Überwachung unseres Surf-Verhaltens ist lückenlos", betont der Fachmann. E-Maildienste wie GMX, Web.de oder Instant Messager wie ICQ würden die gesendeten und empfangenen Nachrichten nach Schlagwörtern durchsuchen, um die eingeblendete Werbung zu personalisieren.

Allwissenheit ist das Ziel von Google

Ein großes Problem sei Google. Wer sämtliche angebotenen Dienste nutze, würde dem Suchmaschinenanbieter liefern, wo er wann ist, was er einkauft, welche Hobbys er hat und mit wem er befreundet ist. "Die Überwachung ist lückenlos. Google-Mitarbeiter sind verpflichtet, alle Dienste zu nutzen. Mittlerweile kann der Konzern aus den gesammelten Daten relativ genau errechnen, wann ein Angestellter kündigen wird", behauptet Peter Leppelt. Auch die etwa 500 existierenden sozialen Netzwerke würden die Anwender durchleuchten und fleißig Daten sammeln. Mit der Kamera in Smartphones könnte man auf der Straße fremde Menschen fotografieren und bekäme Sekunden später seine Profile in sozialen Netzwerken gezeigt.

Zur Hälfte des Vortrages waren die Eltern peinlich darüber berührt, was fremde Menschen alles über sie wissen würden und wie sehr Handlungen im Internet oder im normalen Leben überwacht sind. "Die Post weiß, wer bei Beate Uhse bestellt, sie liefert ja die Pakete", warnt Dennis Weber. Solche Datensätze würden als Dialogmarketing verkauft werden. "In George Orwells Buch 1984 musste jeder ein Gerät zuhause haben, das ihn hört, sieht und mit ihm sprechen kann, heute stellen sich die Leute so etwas freiwillig ins Haus und bezahlen dafür", sagt Weber in Hinblick auf einen elektronischen Hasen aus Japan mit Wireless Lan.

Besorgt sind die beiden Experten über sogenannte RFID-Technik, die Funksignale aussendet und den Barcode beim Einkaufen ersetzen soll. "Diese Technik ist im neuen Personalausweis enthalten und im Reisepass. So können alle Daten gelesen werden, ohne das Dokument zu sehen", warnen die Informatiker von Preamandatum. In Zukunft sei es möglich überall spezielle Scanner aufzustellen, die speichern, wenn ein Ausweis in der Nähe ist und wem er gehört. Die Beschreibung "lückenlose Überwachung" fiel öfter an diesem Abend. Die Lösung: "Einfach den Personalausweis bei geringer Wattzahl zwei Sekunden in die Mikrowelle, das ist nicht verboten und funktioniert", empfiehlt Peter Leppelt. Die Gäste notierten sich kurzerhand das "Rezept". Mit RFID-Staub auf Bargeld könne das anonyme Zahlen endgültig der Vergangenheit angehören.

Die besorgten Eltern waren sichtlich aus der Fassung gebracht und wollten wissen, was man tun könne, um sich zu schützen. "Jeder kann etwas tun, das Unangenehme: Man muss es selbst tun. Man sollte beim Surfen bedenken, dass alles, was man dem Internet anvertraut, auf ewig erhalten bleibt." Auch ein Wechsel von Windows oder Mac zu Linux sei empfehlenswert. Die Experten geben kostenlos Auskünfte unter www.praemandatum.de.


Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sport aus der Region
Sport aus der Region
WESER-KURIER Kundenservice
Anzeige

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:29
@Wesersteel ...

Rettungsdienste nur noch per/im Panzer ?

Oder Vorhandene mit Rammschutz ausrüsten ?
Bremen-Fan am 22.10.2019 13:25
Was ist "mangelnde soziale Kompetenzen"? Oder wollte @daa2011 einfach ein Schlagwort benutzen, um Bremer Eltern schlecht zu reden, die ihre Kinder in ...
Veranstaltungen in der Region