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Freibad profitiert seit Saisonbeginn von Sudweyher Anlage
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Fernwärme aus Biogas heizt das Badewasser

Gaby Wolf 07.07.2010 0 Kommentare

Schwimmmeister Hubert Dollinger hat die Abnahmestation in Form eines Plattenwärmetauschers für den Blick ins Innere ausn
Schwimmmeister Hubert Dollinger hat die Abnahmestation in Form eines Plattenwärmetauschers für den Blick ins Innere ausn (UDO MEISSNER)

Weyhe. Wärme gibt es derzeit genug. Eigentlich kann man ihr in diesen Tagen kaum entkommen. Es sei denn, man wählt das Untertauchen. Zum Beispiel im Weyher Freibad. Aber auch dort soll - trotz aller gewünschten Abkühlung - das Wasser in den Schwimmbecken nicht unter 22 Grad Celsius haben. Damit das gewährleistet ist, auch wenn die Sonne mal nicht so den 'Ofen angeworfen' hat wie jetzt, wird geheizt. Seit dieser Saison aber nicht mehr nur per Gasheizung. Neuerdings läuft der Betrieb mit Fernwärme von der swb-Biogasanlage in Sudweyhe.

Das Herzstück dafür ist die sogenannte Übergabestation in Form eines Wärmetauschers - ein geschlossener Kasten mit Schaumstoffisolierung im Filterhaus des Freibades. 'Sieht gar nicht so spektakulär aus und nimmt auch genau den gleichen Platz ein wie der Gasbrenner vorher', sagt Schwimmmeister Hubert Dollinger. Doch wie das so ist mit technischen Dingen - das Entscheidende läuft im Innern ab. So auch beim Wärmetauscher, bei dem es sich - ganz exakt - um einen Plattentauscher handelt.

Doch mal ganz von Anfang an: Der Wärmetauscher im Freibad ist über eine 1500 Meter lange Wärmeleitung mit der Sudweyher Biogasanlage verbunden. Die wiederum wird mit Mais-Silage, Grasschnitt und Putenmist gefüttert. Die darin vorhandenen Bakterien sorgen für den biologischen Abbau der Stoffe. Durch die Gärung entsteht Methangas. Dieses wird aufgefangen und in einen Verbrennungsmotor geleitet. Dabei entsteht Elektrizität, die als Strom ins öffentliche Netz eingespeist wird - und Wärme, die für den Betrieb der Anlage nicht weiter benötigt wird.

Wie berichtet, nutzte die Gemeinde Weyhe die Gelegenheit und schloss mit der swb einen Vertrag über die Nutzung dieser Wärme ab. 'Darin ist ein Preis festgelegt, der sich an der Entwicklung der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise orientiert, zu einem Teil auch am Gaspreis', erläutert Weyhes Erster Gemeinderat Andreas Bovenschulte. Dabei sei jedoch garantiert, dass der Preis, den die Gemeinde zahle, auf jeden Fall unter dem Gaspreis liege. 'Wir erhoffen uns dadurch eine Ersparnis von mehreren tausend Euro pro Jahr.'

Ein Fühler gibt Signal

Die Wärme wird nun seit Kurzem per Wasser durch die Vorlaufleitung Richtung Freibad gespült. '80 Grad hat das Wasser, wenn es hier ankommt', erläutert Dollinger. Eindeutig zu heiß zum Baden. Deshalb muss es heruntergekühlt werden. Das geschieht im Wärmetauscher, dem durch eine weitere Leitung Freibad-Wasser zugeführt wird. Durch viele dünne Plattenbündel im Innern des Tauschers umspült sich beides, ohne sich zu durchmischen - bis das eine abgekühlt und das andere aufgewärmt ist. Rücklauf-Leitungen machen den Wasserkreislauf komplett.

Zum Einsatz kommt die 'Wasserheizung' im Freibad allerdings nur, wenn die Wassertemperatur unter 22 Grad Celsius sinkt. 'Dann gibt ein Fühler Signal, und die Ventile öffnen sich automatisch', erläutert Dollinger. So seien bereits den ganzen Monat Mai hindurch die Becken im Freibad beheizt worden. Zurzeit allerdings heißt es Schotten dicht. Die fleißig strahlende Sommersonne erwärmt das Badewasser ganz umsonst und ohne weitere technische Hilfsmittel locker auf 24 bis 25 Grad Celsius.

'Es wird auch wieder andere Wetterzeiten geben - technisch gesehen, läuft es jedenfalls', sagt Andreas Bovenschulte. 'Aber wir brauchen die Fernwärme auch, um das Duschwasser und das Becken für das Babyschwimmen aufzuheizen, das eine noch etwas höhere Temperatur benötigt.' Auch das Lehrschwimmbecken in der kleinen Halle des Bades inklusive Umkleiden benötigt Wärme-Hilfe. Das jedoch läuft über jene Fernwärme, die von der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Kirchweyhe aus in einem zweiten Wärmetauscher im Filterhaus des Freibades ankommt.

Auch die Schule bezieht Fernwärme von der Biogasanlage - und das natürlich und gerade auch in Winterzeiten, wenn wiederum der Freibad-Betrieb pausiert und die Fernwärme für den Bereich dort abgedrehtist. Noch aber werde das Ganze an der KGS erst eingeregelt. 'Unser Hausmeister schätzt, dass sich der Betrieb wohl in drei Monaten eingespielt hat', berichtet Schulleiterin Karin Busch. Aber das dürfte angesichts der aktuellen Temperaturen und ferienleeren

Klassenzimmer erst einmal nicht weiter stören. 'Überhaupt sind wir unheimlich gut abgesichert, was das Heizen anbelangt', fügt die Direktorin hinzu. So verfüge die Schule über gleich zwei Heizkessel. 'Einer ist zur Sicherheit, falls mal was ausfällt.'

Beim Thema Ausfall fällt Karin Busch prompt eine kleine Anekdote aus der Zeit vor der Biogas-Wärme ein. 'Es ist schon ein paar Jahre her, da war im Freibad mal die Heizung ausgefallen und das ausgerechnet in einem richtig kalten Sommer', erzählt sie. 'Da musste die Heizung der KGS für das Freibad mitheizen - für das Schwimmbecken hat es noch gereicht, für das Duschwasser dann aber nicht mehr.'


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
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