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Grundschule in Moorende
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Freie Schule stellt Insolvenzantrag

Klaus Göckeritz 03.05.2013 0 Kommentare

Vor drei Jahren startete in Moorende ein alternatives Schulmodell. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens steht die Einr
Vor drei Jahren startete in Moorende ein alternatives Schulmodell. Nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens steht die Einrichtung vor einer ungewissen Zukunft. (Henning Hasselberg)

Lilienthal·Grasberg. Vor drei Jahren ist die Freie Schule Moorende mit großen Ambitionen in Betrieb gegangen. Im vergangenen Sommer geriet die Einrichtung erstmals in eine finanzielle Schieflage. Jetzt haben die Verantwortlichen die Reißleine gezogen und beim zuständigen Amtsgericht einen vorläufigen Insolvenzantrag gestellt. Die Zukunft der alternativen Schule ist ungewiss, auch der für diesen Sommer geplante Umzug von Moorende nach Rautendorf steht in Frage.

Die Freie Schule Moorende ist eine private Grundschule, in der Kinder in kleinen Lerngruppen jahrgangsübergreifend und nach reformpädagogischen Grundsätzen unterrichtet werden. Die Schule ist Mitglied im Bundesverband der freien Alternativschulen und gehört der reformpädagogischen Freinet-Kooperation an. Zum Konzept gehören das Miteinander, die Teamarbeit und die Freude an der eigenen Leistung. Die Schule wird von einem Verein getragen, sie finanziert sich aus Schulgeldern, Elternbeiträgen und Spenden.

Von einem wirtschaftlichen Betrieb ist die alternative Schule derzeit aber weit entfernt. Mehr noch – die Entwicklung hat zu massiven finanziellen Engpässen geführt. Derzeit werden in Moorende elf Jungen und Mädchen unterrichtet. Das reicht bei weitem nicht, um die Kosten für Lehrergehälter und für den laufenden Betrieb zu decken. Nachdem auch die Hausbank ihre Kredite gekündigt hatte, zog der Vorstand des Trägervereins die Reißleine und reichte beim Amtsgericht Verden einen Insolvenzantrag ein.

Das Gericht hat Jennifer Metzler zur Insolvenzverwalterin ernannt. Die Bremer Rechtsanwältin weist auf massive finanzielle Probleme hin. So seien nicht nur die Gehälter der vier Lehrkräfte ausgeblieben, dazu seien Rückstände beim Vermieter, bei Lieferanten und Energieversorgern aufgelaufen. Nach dem Rückzug der Bank sei der Gang zum Insolvenzgericht unvermeidlich gewesen. Die Juristin ist weiter dabei, sich einen Überblick zu verschaffen. Sicher sei, dass die Gehälter der Beschäftigten für die Monate April, Mai und Juni durch das Insolvenzgeld gesichert sind. Dies würde für die betroffenen Eltern und Kinder gleichzeitig bedeuten, dass der Schulbetrieb in Moorende bis zum Ende des Schuljahres sichergestellt ist.

Über die weitere Perspektive konnte die Insolvenzverwalterin keine Auskunft geben. Die Existenz der Schule hänge entscheidend von tragfähigen Konzepten und mithin von ausreichenden Schülerzahlen ab. Ob sich etwas entwickele, müsse die nahe Zukunft zeigen, so die Juristin auf Nachfrage.

Ungewiss ist deshalb auch der geplante Umzug der Einrichtung nach Rautendorf (wir berichteten). Der Trägerverein hat dort kürzlich in einer abendlichen Infoveranstaltung um Interessenten geworben und dabei wenig Erfolg gehabt. "Die Nachfrage war sehr überschaubar", berichtet Mareen Bergemann. Nach heutigem Stand würden sechs Kinder an den Standort wechseln, der im Sommer von der Gemeinde Grasberg aufgegeben wird. Um weiter zu machen, müssten es nach Auskunft der zweiten Vorsitzenden aber mindestens zwölf Kinder sein.

Grasberg wartet ab

Ob der geplante Umzug nach Rautendorf mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestorben ist und sich die Gemeinde für die Nachnutzung des Gebäudes neu orientieren muss, ist für Fachbereichsleiter Heiko Hartwig noch nicht beschlossene Sache. Fakt sei, dass die Gemeinde Grasberg als Schuleigentümerin und die Freie Schule Moorende noch keinen Vertrag über die Nutzung des Gebäudes unterschrieben hätten, so der Verwaltungsmann aus dem Grasberger Rathaus. Fakt sei aber auch, dass die Moorender mehrfach ihr Interesse bekräftigt hätten. Wie die Betroffenen mit der neuen Situation umgehen wollen, müsse der Trägerverein der Schule entscheiden.

Ob die Schule überhaupt eine Zukunft hat, kann Mareen Bergemann nicht beantworten. Die zweite Vorsitzende weist auf eine mögliche Kooperation mit einer Freien Schule aus Verden hin. Gespräche hätten stattgefunden, ob es dazu kommt, sei aber völlig offen. Vermutlich werde das Modell aber an der räumlichen Distanz scheitern. Nachgedacht habe die Freie Schule auch über eine Investorenlösung. Die Moorender Einrichtung werde in diesem Sommer ihre dreijährige und kostenintensive Einführungsphase beenden und könne danach finanzielle Hilfen bei der Schulbehörde einwerben. Dies und die grundsätzliche Betriebsgenehmigung der Landesbehörde könnte für Investoren interessant sein, meint die Vorstandsfrau.

Auf eine Lösung hoffen vermutlich auch viele Unterstützer der Freien Schule. Wie Mareen Bergemann bestätigt, würden bei einer Pleite der Schule rund 50 Bürgen mit ihren Einlagen geradestehen müssen.


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Leserkommentare
FloM am 22.10.2019 18:24
Werte Online-Redaktion.
Falls das mein gesperrter Kommentar um 17:18 war, wäre ich über eine kurze Erläuterung Ihrerseits erfreut. ...
weser am 22.10.2019 18:17
Jedes Jahr neue Geschenke für die Rentner und baldigen Rentner, bezahlen sollen alles die aktuellen Erwerbstätigengenerationen und die ...
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