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Bildhauer Wolf E. Schultz ist auf der Suche nach einem neuen Ausstellungsraum für seine Skulpturen
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Käfighaltung fürs „Freiheitshähnchen“

Ute Winsemann 01.08.2013 0 Kommentare

Hude. Nicht weit vom "Freiheitshähnchen" steht der "Chefkoch" mit gezücktem Messer. An die Federn kann er dem Vogel allerdings nicht. Denn nicht nur die und der ganze Vogel, sondern auch das Messer und der Koch selbst – übrigens ein elchartiges Wesen – sind aus Holz. Dass die beiden doch recht unterschiedlichen Charaktere sich nicht weiter aus dem Weg gehen, liegt unter anderem daran, dass es insgesamt sehr an Platz mangelt. Denn im Skulpturenhaus von Wolf E. Schultz drängeln sich 111 Ergebnisse aus mehr als vier Jahrzehnten bildhauerischen Schaffens in einem ehemaligen Schuppen. Etwas mehr als ein Quadratmeter pro oft recht raumgreifenden Kunstwerk – fast schon Käfighaltung.

Doch es droht noch viel enger zu werden. Nach knapp 20-jähriger Nutzung als Ausstellungsraum soll das Skulpturenhaus abgerissen werden. Die Tochter und der Schwiegersohn von Gastronom Peter Burgdorf haben das Grundstück gekauft, das am Mühlenweg gleich um die Ecke vom Hotelgebäude liegt. Dort wohnen Stephanie Burgdorf-Stein und Timo Stein derzeit noch, nun wollen sie selbst bauen. Den dadurch frei werdenden Bereich will Peter Burgdorf wieder für Hotelzwecke nutzen. Er plant zwei Apartments sowie neue Zimmer mit insgesamt 15 Betten.

Deshalb brauchen die Skulpturen nun eine neue Bleibe. "Es blutet mir das Herz, ich habe diesen Ort sehr gemocht", sagt der 73-jährige Künstler. Er hatte das Skulpturenhaus Anfang der Neunzigerjahre selbst hergerichtet. "Es war der hässlichste Schuppen in ganz Hude", blickt er zurück. Schultz begradigte nicht nur den schiefen Boden, besserte die Wände aus und verpasste ihnen einen neuen Anstrich, sondern er ersetzte vor allem die ziemlich schäbige Holzfront durch eine gläserne Fassade. Die ließ mehr Licht herein und erlaubte außerdem den Blick nach drinnen, auch ohne, dass jemand da war.

Denn reguläre Öffnungszeiten gab es nie. Dafür stand aber auf einem Schild, wie der im Ort wohnende Künstler zu erreichen war. Wenn es sich irgendwie einrichten ließ, kam er vorbei und zeigte Kunstinteressierten die Sammlung. Schulklassen seien ebenso gekommen wie Touristen, berichtet er, sogar Gäste aus England, Frankreich, Russland und selbst aus Afrika wollten seine Kunst sehen.

"Die lebt davon, wenn man die Leute durchführt", findet Schultz. Zumal, wenn er selbst es tut. Denn "meine Skulpturen sind alles Tagebuchseiten, alle meine Gefühle schreibe ich nicht in Texten nieder, sondern in Formen". Dementsprechend viel kann er zu jedem einzelnen Stück erzählen. Etwa, dass der "Chefkoch" mit den übergroßen Küchenutensilien als "Auflehnung gegen all diese Kochshows" entstanden sei. Oder dass dem "Freiheitshähnchen" in einer Phase seiner Existenz auch schon mal zuviel Freiheit zuteil geworden ist: Ein Käufer habe den Vogel unter freiem Himmel aufgestellt. Das sei dem Holz nicht bekommen, es sei verspakt. Als Schultz das mitbekam, gab er dem Besitzer das Geld zurück und holte die Skulptur wieder unter seine Fittiche.

Die Episode macht zugleich deutlich, warum es nicht so einfach ist, einen Ersatz für das Skulpturenhaus zu finden. Zwar hat Schultz durchaus auch Werke geschaffen, die nicht nur draußen stehen können, sondern es sogar sollen – etwa auf dem Skulpturenufer am Huder Bach oder auch im Hasbruch. Aber die am Mühlenweg versammelten brauchen eben doch ein Dach überm Kopf.

Das hätten sie zwar auch in Schultz’ Atelierhaus am Ladillenweg. Doch wenn man sie alle dort unterbringen wollte, "ist Schluss mit arbeiten". Erstens wäre es viel zu voll, und zweitens wären die fertigen Skulpuren auch nicht gegen den Staub geschützt, der beim Anfertigen neuer Kunstwerke unweigerlich anfällt. Daran, die Kunst weiterhin Interessierten zugänglich zu machen, wäre ebenso wenig zu denken. Die einzelnen Stücke müssten so dicht stehen, dass zwischen ihnen kaum noch ein Durchkommen wäre, vom schon bislang nicht gerade üppigen Abstand, der sie erst richtig zur Geltung kommen lässt, ganz zu schweigen.

Also hofft Schultz auf eine andere Möglichkeit. Die Familie Burgdorf unterstützt ihn nach Kräften. "Wir wollen in Ruhe vernünftig suchen", sagt Peter Burgdorf, der Schultz’ Kunst schätzt und nach eigener Aussage über die Jahre selbst fast ein Dutzend Skulpturen erworben hat. Allerdings ist auch klar, dass mehrere Monate, nachdem der Grundstücksverkauf besiegelt worden ist, die Zeit zu drängen anfängt. Noch steht kein Datum fest, aber "zum Winter hin" solle der Abrissbagger kommen, gibt Burgdorf als Perspektive an.

Schultz schwankt deshalb ein wenig zwischen Resignation und dann doch wieder Zuversicht. "Vielleicht findet sich ja noch jemand", sinniert er, "ein Kunstliebhaber mit einem geeigneten Raum oder eine Firma, die sich damit schmücken will."

Letzte Führungen durch das Skulpturenhaus vermittelt Schultz’ Repräsentant Peter Paul Plambeck. Er fungiert auch als Ansprechpartner, wenn jemand einen Raum zur Verfügung stellen möchte. Kontakt per E-Mail an die Adresse peter.plambeck@wolf-e-schultz.de.


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Leserkommentare
elfotografo am 22.10.2019 18:55
"Es ist doch ein Märchen, dass man mit einer Loge Geschäftskontakte akquiriert oder pflegt, geschweige denn Geschäfte abschließt."

Haben ...
FloM am 22.10.2019 18:51
@gorgon1:
Abgedroschen ist es den x-ten Kommentar mit undifferenzierten Anschuldigungen zu schreiben.

Die Erkenntnis, daß man Teil ...
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