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Botulismus in Niedersachsen
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Landwirte stecken sich bei Rindern an

Silke Looden 15.10.2010 0 Kommentare

Experten warnen davor, Botulismus länger zu verharmlosen
Experten warnen davor, Botulismus länger zu verharmlosen (Christian Butt)

Hannover. Eine neue Rinderkrankheit breitet sich auf den Höfen aus: Botulismus. Hunderte Kühe im Norden, Tausende in Deutschland sind nach Einschätzung von Experten schon erbärmlich daran verendet. Als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, greift die Vergiftung offenbar auch auf den Menschen über. Professor Dirk Dressler von der Medizinischen Hochschule Hannover hat den Nachweis erbracht und appelliert an die Behörden, die Krankheit nicht länger zu verharmlosen.

'Auch in Niedersachsen haben wir Betriebe mit Botulismus. Ihre Anzahl liegt aber im unteren zweistelligen Bereich', beruhigt der Sprecher im Landwirtschaftsministerium in Hannover, Gert Hahne. Es handele sich um eine ernstzunehmende Tierkrankheit, die aber keine ernsthafte Gefahr für den Menschen darstelle. Dass Landwirte, die täglich mit Vieh in Berührung sind, eher an einer Zoonose erkranken, sei ein ganz normales Berufsrisiko. Zoonosen sind Krankheiten, die vom Tier zum Menschen übertragen werden.

Professor Dressler hat über einen Zeitraum von zwei Jahren sechs Landwirte untersucht und nachgewiesen, dass sie sich bei ihren Rindern mit Botulismus angesteckt hatten. 'Der Nachweis ist schwierig', weiß der Humanmediziner, 'weil schon kleinste Mengen Botulinum krank machen können. Es handelt sich um das stärkste Nervengift der Welt.' Dressler hatte Spuren des Gifts in der Neurologie als Medikament eingesetzt, um Muskelverkrampfungen zum Beispiel bei Spastikern zu lösen. Er gilt als der Botulismus-Experte in Deutschland.

"Es gibt keinen Impfstoff"

Die sechs Landwirte, die Dressler untersucht hat, klagten unter anderem über Kraftlosigkeit, Muskellähmungen, Augentrockenheit und Verdauungsprobleme. 'Es gibt keinen Impfstoff. Wir können die erkrankten Landwirte nur von ihren Tieren isolieren.' Das sei eine existenzielle Frage für den jeweiligen Hof, weiß Dressler. Zumal die Betroffen meist schon viel Vieh durch die Krankheit verloren und keine Hilfe aus der Tierseuchenkasse zu erwarten hätten. Denn Botulismus gelte nicht als Seuche, sei noch nicht einmal meldepflichtig, sagt Dressler.

Der Professor will das Botulismus-Problem nicht dramatisieren, aber er warnt die Behörden davor, die Krankheit länger zu verharmlosen. 'Chronischer Botulismus macht krank, aber man stirbt nicht daran wie beim akuten Botulismus', sagt Dressler mit Blick auf den Fall mit der Wurstkonserve. 2004 war ein Konsument der infizierten Ware binnen Tagen gestorben. Inzwischen besteht ein Schlachtverbot für an Botulismus erkrankte Tiere, nicht aber für die gesunden Tiere aus demselben Bestand.

Unklar ist, wie die Krankheit vom Rind auf den Menschen übertragen wird, ob der Erreger über den Staub in der Luft eingeatmet wird oder sich über den Kot der Tiere verbreitet. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin sieht noch viel Forschungsbedarf. Es sei wahrscheinlich, aber nicht nachgewiesen, dass der chronische Botulismus auf Bauernhöfen durch Futtermittel übertragen werde. Auch könnten Bakterien in Biogasanlagen zur Verbreitung der Krankheit beitragen, so das Ergebnis eines Sachverständigengesprächs.

'Es reicht, wenn ein toter Hase im Silo liegt', erklärt Professor Dressler die Entstehung des Verwesungs- oder auch Leichengiftes. Niemand könne sich wirklich davor schützen, es sei überall, aber eben in geringsten Mengen. Die zunehmende Verbreitung in der Landwirtschaft gebe Anlass zur Sorge. Für den niedersächsischen Bauernverband Landvolk in Hannover ist Botulismus kein Thema.


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Leserkommentare
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

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