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Mädels chatten, Jungs spielen

Julia Soostmeyer 25.09.2010 0 Kommentare

Jan Schmidt (im Hintergrund) und Wulf Bolte (vorne) bringen den Schülern der siebten Klasse der Hauptschule Bassum das r
Jan Schmidt (im Hintergrund) und Wulf Bolte (vorne) bringen den Schülern der siebten Klasse der Hauptschule Bassum das r (Udo Meissner)

Bassum. Was darf ich im Internet über mich preisgeben? Wie erkenne ich eine unseriöse Seite? Welche Gefahren birgt das Internet für mein Kind? Wer will was und warum über mich wissen? Dies sind nur einige Fragen, die Schülern, Lehrern und Eltern während eines Seminars zum Thema Medienkompetenz im Bassumer Schulzentrum Am Petermoor beantwortet wurden. Nachdem Lehrer und Eltern bereits geschult wurden, waren gestern die Kinder dran. Die waren allerdings alles andere als unwissend.

Die Haupt- und Realschüler wurden während zwei parallel laufender Kurse über das Internet und dessen Nutzung aufgeklärt. Die Informatiker Wulf Bolte und Jan Schmidt sowie Peter Leppelt und Steven-Brian Warneke von der Firma 'praemandatum' (zu Deutsch: Steckbrief) leiteten die Seminare. Dabei gingen sie nicht nur auf die Gefahren ein, sondern zeigten auch Möglichkeiten auf, die das Internet beispielsweise als Lernhilfe bereithält.

Zahlreiche Finger schnellten in Höhe bei der Frage, wer von den Siebtklässlern der Bassumer Realschule regelmäßig im Internet surft. Über die Hälfte der 25 Schüler klickt sich täglich durch das World Wide Web. Eine E-Mailadresse haben dabei fast alle, manche auch zwei oder drei. 'Und das ist auch gut so', erklärt Fachmann Peter Leppelt. 'Ihr solltet für Seiten, auf denen ihr euch anmelden müsst, immer noch eine Adresse mit einem Spitznamen haben. So könnt ihr euch anmelden, ohne etwas von euch preiszugeben.'

MeinVZ, Facebook, MSN und Skype sind für die 13- und 14-jährigen Schüler längst keine Fremdwörter mehr. Viele von ihnen sind selbst Mitglieder der sogenannten sozialen Netzwerke, von denen es mittlerweile rund 100000 gibt. 'Die Nutzer werden oft dazu verleitet, private Daten zu veröffentlichen, die dann um die ganze Welt gehen können', warnt Leppelt. Andere Seiten, auf denen eine Anmeldung verlangt wird, seien 'bösartig' und dienen der Abzocke. Doch woran ist das erkennbar? 'Häufig an Versprechen, die niemals gehalten werden können, wie zum Beispiel: Verlieb dich garantiert', erzählt der Experte. Eine weitere sehr beliebte Seite bei Schülern: hausaufgaben.de. 'Klingt cool, ist es aber nicht', so Peter Leppelt. 'Nach ein paar Wochen kommt die Rechnung. Die meisten Eltern zahlen aus Unwissenheit und weil das Anschreiben sie einschüchtert.'

Während die Jungen im Internet gerne spielen, chatten die Mädchen lieber. Das bestätigen auch Philipp Naujocks und Georg Freund sowie Sarah Glade, Celine Leerhoff und Gina Scharrelmann. 'Wir chatten fast gar nicht. Da sind die Spiele spannender', sagen die beiden Jungs. 'Wir nutzen das Internet auch viel für die Schule, aber chatten tun wir auch sehr gerne', so die drei Mädels. Gina gesteht dabei, auch neben ihrer Recherche gerne mal zu chatten. Worauf sollte dabei denn geachtet werden? 'Das Prinzip des Chats ist toll. Ihr solltet euch dabei aber an Regeln halten: keine Bilder verschicken und keine Treffen vereinbaren', sagt Peter Leppelt.

Schließlich kommen Leppelt und Warneke zum Thema Handys und Internet. Es ist erstaunlich, was es mittlerweile für Möglichkeiten gibt, Kontaktdaten über fremde Leute herauszubekommen. Es ist kinderleicht - und an dem Punkt kommen auch die Schüler das erste Mal ins Staunen. Hier wird auch klar, warum Vorsicht beim Hochladen von Bildern geboten ist. Peter Leppelt erläutert, wie einfach es ist, mit dem Handy an Daten zu kommen. 'Man fotografiert die Person, über die man mehr erfahren möchte, und das Handy sucht dann ganz automatisch nach dem Gesicht und damit zusammenhängenden Anmeldungen bei sozialen Netzwerken. Es zeigt an, wo die Person unter welchem Namen zu finden ist. Teilweise sogar mit Handynummer.' Ruhe herrscht im Klassenraum Die Schüler sind merklich baff. Auch neue technische Produkte wurden erklärt. So gab es für die Haupt- und Realschüler viele neue Informationen rund um das Internet und Innovationen neuer Geräte.

Ohnehin ist den ganzen Kurs über spürbar, wie konzentriert und interessiert die jungen Teilnehmer waren. Selbst das Pausenklingeln gibt ihnen keinen Anlass, aufzuspringen und den Raum zu verlassen. Sie warten geduldig, bis Leppelt sie in die Pause entlässt.

So beeindruckt die Schüler waren, so verblüfft waren auch die Eltern von den Möglichkeiten und Gefahren des Internets. Die Elternsprecherin der Haupt- und Realschule Heike Brandhoff nahm aus Interesse auch an dem Seminar für die Schüler teil. 'Diese Informationen sind für mich ebenfalls sehr hilfreich. Die Schwerpunkte zu unserem Kurs sind ganz anders gelegt. Die beiden Informatiker bringen das super rüber', sagte sie. Die zentralen Themen der Seminare für Lehrer und Eltern waren beispielsweise, wer Daten im Internet abfragt und warum. Auch ihnen wurden Wege der Informationsbeschaffung aufgezeigt und sie wurden auf Gefahren für ihre Kinder hingewiesen.

Die Entwicklung des Internetriesen Google wurde zudem ausgiebig erklärt. 'Wir haben für die Seminare bewusst keine Pädagogen beauftragt. Ich glaube, dass Fachleute es viel besser rüberbringen. Es wird nicht alles schlecht geredet, sondern sie zeigen die richtige Handhabung des Internets', so die Schulsozialpädagogin Erika Stötzel. Auch sie war beeindruckt von dem Umfang des Themas. Es soll in Zukunft auch für alle anderen Klassen ein solcher Kurs veranstaltet werden.


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Leserkommentare
suziwolf am 22.10.2019 13:04
@brakadabra ...

„👍“ ... Ich hab‘ jetzt‘n „Hummer“ ...
...................................🚘.............

Auf‘m ...
FloM am 22.10.2019 13:01
@gorgon:
Himmelnochmal, jahrzehntelang billige Lebensmittel konsumieren und sich dann über die Folgen der Herstellung aufregen.
Welche ...
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