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Extrabreit spielen Benefizkonzert für die Stiftung Worpswede in der Music Hall
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Nur Annemarie bleibt außen vor

Lars Fischer 02.11.2010 0 Kommentare

Es sind eher Künstler, die in den 60er oder 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts den Grundstein für ihre Karriere legten, die das Stammpublikum in die Music Hall ziehen. Bands, die in den 80er Jahren groß wurden, haben dann manchmal Probleme, den Saal zu füllen, wie in diesem Jahr bereits Fehlfarben oder am Vorabend Bots zeigten. Das gilt für Extrabreit nicht, was vermutlich auch mit dem grenzenlos feiertauglichen Repertoire zu tun hat. Gerade in den Anfangsjahren der über 30-jährigen Karriere finden sich bei genauerem Hinhören doch eine ganze Reihe mehr bekannte Songs als nur die offensichtlichen Hits wie 'Hurra, hurra, die Schule brennt' oder 'Flieger, grüß mir die Sonne'.

Wie so viele Gruppen, die der Neuen Deutschen Welle zugerechnet wurden, kann diese Einordnung für Extrabreit nur sehr bedingt gelten. Sie war eigentlich eine leicht verspätete Punkband, die dann zeitgleich mit dem Hype um deutschsprachigen Pop berühmt wurde. Im Laufe der Jahrzehnte hat sie sich - ähnlich wie Die Ärzte oder Die Toten Hosen - nicht wirklich von ihren Wurzeln entfernt, sich aber eine professionellere Attitüde und ausgefeiltere Spielweise angeeignet. Die mündet in einem zupackenden, nicht überharten Rocksound, der mit angemessen kräftiger, aber nicht übertrieben lauter Aussteuerung transportiert wird. Für Feinheiten ist dort relativ wenig Platz, so gehen einige der vermutlich durchaus differenzierten Gitarrenklänge in den unschön zerrenden Höhen flöten.

16 Songs plus Zugaben

Aber es sind auch nicht die technischen Finessen, es ist die Energieleistung, die bei Extrabreit nach wie vor stimmt. 16 Songs schaffen Sänger Kai Havaii, Bassist Lars Larsson, Schlagzeuger Rolf Möller sowie die beiden Gitarristen Stefan Kleinkrieg und Bubi Hönig in exakt 70 Minuten. Danach kehren sie natürlich für ausgiebige Zugaben zurück und spielen mit den Songs 'Extrabreit' und 'Der Präsident ist tot' Werke aus ihrer Frühphase.

Neben den bekannten Hits sind Stücke wie 'Polizisten', 'Hart wie Marmelade' oder das einst mit Hildegard Knef aufgenommene 'Für mich soll's rote Rosen regnen' vielleicht nicht mehr so präsent in der kollektiven Erinnerung der Musikfans, kommen aber im Konzert schnell wieder ins Bewusstsein. So entsteht immer wieder eine Art Aha-Erlebnis. Im Grunde spielt Extrabreit ein Best-Of-Programm, in das sich nur wenige Lieder aus den neueren Platten der Hagener Kulttruppe beinahe unbemerkt integriert haben. Nur 'Annemarie' bleibt überraschenderweise außen vor.

Markanter Mittelpunkt der Formation ist seit eh und je natürlich Kai Havaii, neben Kleinkrieg das einzige verbliebene Urmitglied. Der Sänger wirkt nach überstandener Drogenabhängigkeit und diversen Tiefschlägen, von denen er in seiner Autobiografie 'Hart wie Marmelade' berichtet, erstaunlich wenig gezeichnet und extrem fit. Häufig wird mit reichlich Hall und anderen Effekten nachgeholfen, aber dennoch ist seine Stimme inklusive seiner manchmal sich überschlagender Momente unverkennbar geblieben. Die Spielfreude der gesamten Band ist bedingungslos anstrengend und so wird sie auch nach der zweiten Zugabe - dem recht dreist von Lou Reed abgekupferten 'Junge, wir können so heiß sein' - noch nicht vom tanzenden und feiernden Publikum entlassen. Dass bei dieser gelungenen 80er-Jahre-Punkrock-Party auch noch Geld für die Restaurierung der Bötjer'schen Scheune zusammengekommen ist, ist da längst zum angenehmen Nebeneffekt degradiert.


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