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Mögliche archäologische Funde in Verden
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Probegrabungen sollen für Sicherheit sorgen

Ralf Michel 21.05.2011 0 Kommentare

Die Bagger stehen still: Juristische Streitigkeiten um die Vergabe von Aufträgen führten zum Stopp der Arbeiten auf dem
Die Bagger stehen still: Juristische Streitigkeiten um die Vergabe von Aufträgen führten zum Stopp der Arbeiten auf dem (Christina Kuhaupt)

Achim. Wer seit 17 Jahren als Archäologin beim Landkreis Verden arbeitet, weiß um seinen Ruf. "Natürlich, wir sind der Schrecken aller Bauherren", lacht Jutta Precht. "Aber nur, bis wir da sind, und die sehen, wie wir arbeiten." Sie habe aus archäologischen Gründen noch nie eine Baustelle stillgelegt, betont die Kreisarchäologin. "Das kann man auch anders klären."

Ein Beispiel, wie es laufen kann, war in dieser Woche die große Freifläche am Steinweg in Bierden. Hier soll in Kürze das Baugebiet "Kämpe" entstehen. Den Bebauungsplan bekam Jutta Precht für eine archäologische Stellungnahme auf den Schreibtisch. Die Fläche liegt im so genannten Dünengürtel unweit der Weser. "Der ist normaler Weise picke packe voll mit Fundstücken." Ein Grund, "weshalb man dort auf jeden Fall mal nachschauen sollte."

Nicht, um Sand ins Getriebe des künftigen Bauherren zu streuen. Im Gegenteil: "Es geht darum, auf der sicheren Seite zu sein. Wir wollen im Vorfeld untersuchen, ob ein archäologisches Denkmal von den Plänen für das Neubaugebiet betroffen ist. Noch sei man in einem sehr frühen Planungsstadium, erklärt die Kreisarchäologin den Baggereinsatz auf dem künftigen Bauland. "Ist doch besser, jetzt zu prüfen, als während der Baustelle plötzlich mitten in einer Riesenfundstelle zu stecken."

Dann nämlich beginne die Situation stressig zu werden. "Der Bauherr will bauen, die Archäologen wollen graben - das ist keine gute Situation." So wie zum Beispiel im vergangenen Jahr in Uesen, als bei den Erdarbeiten für den Anbau am Feuerwehrgerätehaus archäologische Funde auftauchten. Statt der von den Experten erwarteten Urnen wurde das Skelett einer Kuh freigelegt - begraben zwischen sächsischen Hütten, die aus dem 5. Jahrhundert stammten. "Das wurde dann auf einmal richtig viel Arbeit, die sich über ein paar Wochen hinzog", erzählt die Kreisarchäologin. Und freut sich, dass man selbst diesen Fall letztlich einvernehmlich lösen konnte. "Ein paar Feuerwehrleute haben uns sogar bei den Ausgrabungen geholfen."

Zur Frage, was genau in der Bierdener Kämpe zu finden sein könnte, wollte sich Jutta Precht nicht festlegen. Siedlungen, Gräber... aus allen Epochen seien Funde möglich. "Ich rechne mit nichts Bestimmtem." Außenstehende würden beim Stichwort Archäologie oft denken, dass nach Mauern gesucht wird. Doch das sei falsch, erläutert die Fachfrau. "Wir graben nur das aus, was andere früher mal vergraben haben." Abfälle zum Beispiel oder Pfosten, die Rückschlüsse auf den Grundriss von Gebäuden zulassen. Im Fundmagazin im Kreishaus Verden finden sich zu 90 Prozent Scherben von zerbrochenem Alltagsgeschirr. Dazu ein paar Urnen. "Steinbeile finden wir dagegen nur ganz selten."

Das Vorgehen bei der Probegrabung in Bierden vergleicht Jutta Precht mit einer "repräsentativen Stichprobe": Mit einem Bagger wurden im Abstand von etwa 20 Metern zwei Meter breite Streifen Oberboden abgetragen.

Unspektakuläres Alltagsgeschäft

Dabei fraß sich die Schaufel bis zur Kante des gewachsenen Bodens ins Erdreich. "Wir stehen daneben, achten darauf, bis er die richtige Höhe erreicht hat und schauen, ob wir etwas Archäologisches entdecken", erläutert die 54-Jährige.

Für sie und ihren Kollegen, den Grabungshelfer Bernd Steffens, ist dies völlig unspektakuläres Alltagsgeschäft. Probegrabungen wie die in Bierden finden zwei-, dreimal im Jahr statt. Dazu kommen einige Notbergungen, das heißt Funde, die während einer bereits laufenden Baustelle entdeckt werden, und eine Reihe weiterer kurzfristiger Einsätze.

Wenn die Archäologen fündig werden, ändert sich die Vorgehensweise. Dann werden nicht mehr flächendeckende Stichproben mit dem Bagger durchgeführt, sondern es wird versucht, die Grenzen der Fundstelle abzustecken. Der Bagger hat dann ausgedient und muss das Feld feinerem Gerät überlassen, wie Schaufel und Maurerkelle, mit denen Precht und Steffens auch in Bierden an der einen oder anderen Stelle nachhaken. "Wir haben aber auch noch Stuckateureisen und Pinsel."

Doch die konnten in der Kämpe im Koffer bleiben. Unter den langen Streifen abgetragenen Oberbodens wurde nichts archäologisch Interessantes zu Tage gefördert. Schon nach wenigen Stunden war die Probegrabung beendet. Auch das ist Alltag für Jutta Precht. "Ich muss nichts finden", erklärt die Archäologin und verweist bei der Frage nach dem Sinn solcher Grabungen zunächst auf das Denkmalrecht. "Man darf Altes nicht einfach zerstören."

Dazu komme aber natürlich auch der wissenschaftliche Ansatz: "Bei solchen Grabungen kommt immer noch was Neues raus, was wir bislang nicht wussten."


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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