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Trockenheit setzt Landwirten zu

Jörn Dirk Zweibrock 10.07.2010 0 Kommentare

Nicht der Fänger im Roggen, sondern der Fänger im Weizen: Wilken Hartje.
Nicht der Fänger im Roggen, sondern der Fänger im Weizen: Wilken Hartje. (Udo Meissner)

Landkreis Diepholz. Wilken Hartje mahlt auf Gut Hoope eine Ähre zwischen den Fingern, drückt das Korn aus und zeigt dann seine mit einer milchigen Flüssigkeit verschmierte Handfläche. 'Der Weizen hat erst die Milchreife', sagt er. Die geht der späteren Teig- und Mehlreife, dem annähernd ausgereiften Zustand des Korns voraus. Wenige hundert Meter weiter reift auf einem anderen Weizenfeld die Sorte Dekan heran. Von Milchreife noch keine Spur, aber die Ähren sind schon stellenweise weiß gefärbt.

Das späte Frühjahr und die seit Tagen anhaltende Dürre setzen den Getreidebauern in diesen Tagen mächtig zu. Das Korn ist noch nicht vollständig entwickelt, aber an manchen Stellen schon abgereift. Landwirte wie Wilken Hartje erwarten in diesem Sommer Ernteeinbußen zwischen 15 und 20 Prozent. Und das gerade beim Weizen, der wichtigsten Getreidekultur überhaupt. 'Weizen wird besser bezahlt und hat höheres Ertragspotenzial', weiß Wilken Hartje. Er sei einfach universeller einsetzbar. Beispielsweise lasse die Fruchtfolge nach dem Maisanbau keine Gerste zu, jedoch Weizen. Der finde dann als Futter-, Brot- oder Keksweizen (K-Weizen) Verwendung. Übrigens: Weizen trage meist männliche Namen, während die überwiegend als reines Futtermittel genutzte Gerste auf so klangvolle Namen wie Naomi höre.

11,50 Euro hat Wilken Hartje vergangenes Jahr für 100 Kilogramm Weizen erhalten. Dieses Jahr rechnet er mit einem Erntepreis von 13 Euro. Glück im Unglück für die Landwirte: Die gestiegenen Preise würden die Ertragseinbußen wieder wettmachen. Auch der gute Boden (55 von möglichen 100 Punkten) im Hachetal, lehmiger Sand- oder sandiger Lehmboden, spielt natürlich bei der Weizenernte eine gewichtige Rolle. Da Lehm besser Wasser speichert als Sand, setzt ihm die anhaltende Dürre nicht so zu. Zum Vergleich: Lehmboden speichert laut Wilken Hartje 500 Liter Wasser pro Kubikmeter, Sandboden dagegen lediglich die Hälfte. Es sei auch nicht die Sonne, die dem Weizen zu schaffen mache, sondern die Trockenheit, sagt Wilken Hartje. Damit sich Eiweiß und Stärke einlagern, benötige das Getreide natürlich vor allem Sonne. Trockene Jahre wie dieses hätten aber auch Vorteile: So sei das Getreide aufgrund des Entwicklungsrückstands weniger krankheitsanfällig. 2009 hätten Läuse dem Getreide übel

mitgespielt. Und dann gebe es da ja auch noch das sogenannte Getreidehähnchen, einen Blattkäfer.

'Temperaturen über 27 Grad sind schädlich für den Weizen. Sie führen zur Notreife', sagt Hans-Christian Hanisch, Vorsitzender des Landvolks Mittelweser. Er baut selbst Getreide an, nämlich auf 15 Hektar im Flecken Bücken in der Samtgemeinde Grafschaft Hoya. Die weißen Ähren mit den schwach ausgebildeten Körnern bereiten ihm zwar Sorgen, aber eine Prognose möchte er noch nicht wagen: Gejubelt oder gejammert werde letztendlich erst an der Waage. Gewöhnlich wird Weizen im August nach der Gerste und dem Roggen geerntet. Hans-Christian Hanisch geht aber davon aus, dass die Ernte dieses Jahr bereits eine Woche früher beginnt. 2009 hat Wilken Hartje 88 Doppelzentner Weizen geerntet, vielleicht würden es diesen Sommer zwischen 80 und 85 Doppelzentner werden, gibt sich der stellvertretende Ortsbürgermeister von Heiligenfelde einigermaßen optimistisch. Im Umkehrschluss bedeute weniger Ertrag aber auch höhere Futtermittelpreise, gibt er zu bedenken. 'Jetzt hätten wir gutes Erntewetter. Wer weiß,

wie es Ende Juli aussieht', berichtet der Landwirt vom 'spannenden' Alltag der Bauern, der jedes Jahr wieder anders aussehe.

Wenn der Familienvater so über seine Weizenfelder schreitet, fallen ihm sofort die Hitzeschäden auf: zusammengerollte Blätter. Wie der Mensch schaltet auch das Getreide bei Temperaturen von über 30 Grad den Spargang ein und lagert damit keine Reservestoffe mehr ein. Manche Ähren sind schon weiß, obwohl der Weizen gerade erst in der Phase der Kornfüllung ist. Beregnen kommt für Wilken Hartje nicht in Frage. Das wäre viel zu teuer, viel zu aufwändig. Kostbares Nass hält er dagegen immer an Bord seiner Dreschmaschine parat. Läuft der Motor während der Ernte einmal zu heiß, fehlt nicht viel und das Stoppelfeld gerät in Brand. Auch bei Landwirten trennt sich eben die Spreu vom Weizen.


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Leserkommentare
darkstarbremen am 21.10.2019 19:36
Endlich ein richtiger Ansatz in der Ausbildung. Das ist sehr zu fördern. Und was wird mit den anderen Studiengängen in der Pflege in Bremen?
darkstarbremen am 21.10.2019 19:31
Inwiefern wurden denn die Gehälter der Pflege in Kliniken gedrückt? Der TVÖD Pflege in den Kliniken wurde nicht gesenkt. Das ist auch richtig so. Nur ...
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