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Sparkasse Aurich-Norden stellt sich im Jubiläumsjahr dunklem Kapitel der Firmengeschichte
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Verstrickung in NS-Verbrechen

Hans-Christian Wöste 08.05.2015 0 Kommentare

Erledigt, abgewickelt, abgestempelt: Mit deutscher Gründlichkeit haben Geldinstitute in der Zeit des Nationalsozialismus die Entrechtung und Enteignung ihrer jüdischen Kunden betrieben. Die Sparkasse Aurich-Norden hat darüber akribisch Buch geführt und dieses dunkle Kapitel der Firmengeschichte verdrängt. Doch zu seinem 175-jährigen Bestehen legt das Unternehmen diesen Teil der Chronik bewusst wieder offen. „Sparkasse im Nationalsozialismus – Der Versuch einer Rekonstruktion anhand eines Dachbodenfundes“ heißt die Ausstellung, die am Freitag im ostfriesischen Norden eröffnet wird.

Begonnen hatte alles mit gut 20 Kisten und Kartons, die auf dem Sparkassen-Dachboden beinahe in Vergessenheit geraten wären. „Ihr zufälliger Fund war ein Glücksfall für unsere Geschichtsforscher“, erinnert sich der Mannheimer Historiker Ingo Stader. Kernstücke waren zwei schwere, in Leder eingebundene Depotbücher. Sie enthalten die Geschäftskorrespondenz aus den Jahren 1939 bis 1945 und den ersten Nachkriegsjahren.

Stader und seine Mitarbeiter konnten anhand von persönlichen Einzelschicksalen jüdischer Bürger rekonstruieren, wie diese vor ihrer physischen Vernichtung ihres Vermögens beraubt wurden. Grundlage dafür war die Unrechtsgesetzgebung der Nationalsozialisten, die auch die ideologische Gleichschaltung der Sparkassen betrieben. „Nutznießer dieser Enteignungen war das Deutsche Reich, das die Vermögen über die Finanzämter eingezogen hat“, so Stader. Die Banken hätten als willige Vollstrecker verwaltungstechnisch mitgeholfen.

Die Aufarbeitung dieser Verstrickung in die NS-Verbrechen sei in vielen Bankhäusern noch lückenhaft, sagt Stader über die Finanzbranche. „Es fehlt eine umfassende Studie über diese Zeit. Speziell die Sparkassen, deren Eigentümer Landkreise und Kommunen waren, hatten ja unglaublich viele Kunden. Und darunter waren auch viele Juden.“ Für Sparkassen-Vorstandschef Carlo Grün ist diese Form der Vergangenheitsbewältigung ein Stück weit „Pionierarbeit“: „Diese Epoche hat bisher noch keine deutsche Sparkasse aufgearbeitet. Aus 175 Jahren Sparkassengeschichte zeigen wir genau die zwölf Jahre, in denen die Kreditinstitute dazu missbraucht wurden, den Krieg zu finanzieren.“

Die Sparkasse habe sich ihrem dunkelsten Kapitel gestellt, schrieb auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in seinem Grußwort zur Ausstellung. Es sei eine wichtige und mutige Entscheidung gewesen, die Aufarbeitung der Firmengeschichte auf diesen Zeitraum zu konzentrieren.


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Leserkommentare
Wesersteel am 23.10.2019 13:23
Jeder der einen handwerklichen "schweren" Beruf erlernt hat,ist in der Regel mit 58 Jahen UND um/über 42 Berufsjahren , gesundheitlich "fix und ...
gorgon1 am 23.10.2019 13:23
Aber das ist im Grunde doch genau was ich meine. Der Handel ist die Macht. Wenn ich im Supermarkt was kaufen will , gelten für mich dessen Preise. ...
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