Wetter: Regen, 9 bis 17 °C
Erinnerungen an ein schreckliches Ereignis
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Vor fast 40 Jahren: Wolf beißt siebenjährigen Jungen zu Tode

Justus Randt 13.02.2017 7 Kommentare

Das Auftauchen eines Wolfes in Bremen weckt bei manchen Bremern Erinnerungen an ein schreckliches Ereignis: Im August 1977 wurde ein Junge von einem Wolf zu Tode gebissen.

Wolf
Je intensiver der Wolf an den Menschen gewöhnt wird, desto problematischer droht das Verhältnis zu werden. (dpa)

Der Wolf in Bremen – Sighart Wittmer aus Huchting erinnert das an ein schreckliches Ereignis vor beinahe 40 Jahren: Ein Wolf hat einen siebenjährigen Jungen zu Tode gebissen. Das Kind aus Huchting war beim Spielen „zwischen dem Autokino Delmenhorst und der Bremer Landesgrenze“ in einem kleinen Waldstück nahe der Varreler Bäke angefallen und getötet worden, wie der WESER-KURIER im August 1977 berichtete.

Mit der zumindest seitens der Jägerschaft Bremens und Niedersachsens bestätigten Sichtung eines Wolfes, kürzlich in Borgfeld und wohl auch in Horn-Lehe, ist das Auftauchen des Wolfes vor 40 Jahren nicht zu vergleichen. Das anderthalbjährige Tier aus einem Zoo in Niedersachsen sollte zu einem anderen kleinen privaten Tierpark transportiert werden und war unterwegs entkommen.

Ein Zeuge meldete der Polizei, er habe auf der Bundesstraße 75 in Bremen beobachtet, wie ein Wolf vom Anhänger eines vorausfahrenden Autos gesprungen sei. Als die Beamten kurz darauf eintrafen, fanden sie weder einen Wolf noch einen Zeugen. „Weil sie meinten, irgend jemand habe sich wohl einen Scherz erlaubt“, hätten die die Suche eingestellt, heißt es im Bericht von damals.

Keine natürliche Scheu vor Menschen

Drei Tage lang war das in Gefangenschaft aufgewachsene Wildtier verschwunden, ehe es – mutmaßlich ausgehungert – an jenem Sonnabend in dem Wäldchen auftauchte und dem spielenden Jungen zum Verhängnis wurde. Damals war Sighart Wittmer Mitte dreißig und wohnte mit seiner Familie noch in Varrel. „Ich hatte selbst eine kleine Tochter“, erzählt er.

Woran lässt sich ein Wolf erkennen? 
Wölfe sind ungefähr so groß wie Schäferhunde. Ihr Fell ist grau-braun und unterhalb der Schnauze weiß. Der Schwanz ist kurz und hat eine schwarze Spitze.
Nicht wegrennen.
Den Wolf beobachten und, wie zu anderen Wildtieren auch, respektvoll Abstand halten. Wer sich unwohl fühlt, kann sich langsam mit Blickrichtung zum Tier zurückziehen. 
Wer eine Kamera dabei hat, kann den Wolf fotografieren, das hilft den Experten bei der Identifizierung.
Ruhig bleiben.
Wenn das Tier den Menschen bemerkt, wird es sich in der Regel zurückziehen. Dazu muss man ihm Zeit und Raum lassen. Der Wolf flüchtet meistens nicht panisch, sondern trabt langsam davon und dreht sich dabei eventuell noch einige Male um.
Fotostrecke: Das ist zu tun, wenn Sie einem Wolf begegnen

Auch die spektakulären Begleitumstände trugen dazu bei, dass ihm das tragische Ereignis in Erinnerung blieb: Ein Freund des Jungen hatte einen Passanten alarmiert, der wiederum die Polizei anrief. Die Beamten konnten den Siebenjährigen nicht mehr retten und vertrieben den „großen Hund“, wie man zunächst vermutete, mit Pistolenschüssen von seinem Opfer. 40 Polizisten aus Bremen und Niedersachsen, die Besatzung eines Polizeihubschraubers und 15 Jäger machten sich daran, das Tier zu stellen. Ganz in der Nähe, in einem Maisfeld, wurde es kurz darauf erschossen  – und erst da als der Wolf identifiziert, der Tage zuvor entlaufen war.

„Ich habe mir keine Sorgen gemacht“, erinnert sich Sighart Wittmer. Es sei ja klar gewesen, dass es sich um ein einzelnes entlaufenes Tier handelte, das domestiziert war, also keine natürliche Scheu vor Menschen kannte. „Heute sieht das natürlich anders aus“, sagt der Huchtinger mit Blick auf die aktuellen Sichtungen des wild lebenden Wolfes in Bremen. Familien mit kleinen Kindern und ältere Bürger sind verunsichert. Seit seinem Aufkreuzen ist das Borgfelder Tier allerdings nicht wieder gesehen worden.

90 Wölfe rund um Bremen

Fakt ist unterdessen: Experten vermuten bis zu 90 Wölfe in Niedersachsen, also rund um Bremen. Die Landesregierung arbeitet an einer Regelung, trotz strenger Tierschutzvorgaben für den Wolf einzelne Tiere bei Bedarf erschießen zu lassen,  weil sie sich aus der freien Wildbahn nicht in ein Gehege verpflanzen ließen. Der Munsteraner Rüde „Kurti” ist bundesweit der erste und bislang einzige Wolf gewesen, der auf offizielle Weisung hin getötet wurde.

Mehr zum Thema
Nicht erster Wolf der getötet wurde: Wolf
Nicht erster Wolf der getötet wurde
Wolf "Kurti" ist tot

Ein Wolf hatte jede Scheu vor Menschen verloren. Jetzt ist MT6 alias Kurti getötet worden. Es war ...

 mehr »

Und zwar weil er, vermutlich angefüttert, keine Scheu mehr vor Menschen hatte – nicht wegen eines Angriffs. Ein Wolf aus einem Tierpark ist an Menschen gewöhnt. Und er kann Menschen so gefährlich werden wie ein großer, frei laufender Hund. Kein Vergleich zu wild lebenden, scheuen Wölfen, wie Fachleute versichern.

Was 1977 in der Berichterstattung als „positiver Aspekt des sonst so tragischen Vorfalls“ hervorgehoben wurde, war die „gute Zusammenarbeit der Polizeibeamten Bremens und Niedersachsens“. Wenn Bremen jetzt an einem Managementplan für die Rückkehr des Wolfs arbeitet, kann Niedersachsen dank jahrelanger Erfahrung helfen.


Ein Artikel von
Sonderthemen aus der Region
Sonderthemen aus der Region
Sport aus der Region
Sport aus der Region
WESER-KURIER Kundenservice
Anzeige

Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 17 °C / 9 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Regen.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/Gewitter.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 70 %
Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
Veranstaltungen in der Region