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Balkan Brass in der Music Hall
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Wie von der Tarantel gestochen

Lars Fischer 14.03.2016 0 Kommentare

Balkan Brass mit Fanfare Ciocarlia und Adrian Raso in der Music Hall
Balkan Brass mit Fanfare Ciocarlia und Adrian Raso in der Music Hall Worpswede. (Lars Fischer)

Der Teufel kommt mit einer Gitarre auf einem schwarzen Pferd daher geritten. Links von ihm lehnt aufreizend eine Frau im roten Kleid, die Zügel hält ein Skelett und satt Satteltasche hat er eine Tuba dabei. Das morbide Cover von „Devil’s tale“, dem neunten Album von Fanfare Ciocarlia, das als Grundlage ihres ersten Auftritts in der Worpsweder Music Hall dient, hat wenig zu tun mit der überbordenden Leidenschaft und Lebenslust, die man gemeinhin mit Balkan Brass assoziiert. Und doch bildet es den musikalischen Rahmen dieses eindrucksvollen Abends ab.

Das rumänische Blasensemble hat sich für dieses Konzept verkleinert und verstärkt: Statt mit zwölf Musikern wie sonst, tritt die Band, die ursprünglich aus der Dorfkapelle des 400-Seelen-Örtchens Zece Prajini im Nordosten des Landes, nahe Moldawien, hervorging, mit sieben Mann an Saxofon, Trompete, Tuba und Horn an. Dazu kommen der Kanadier Adrian Raso an Gitarre und Banjo, ein zweiter Gitarrist, E-Bass und Schlagzeug. Die vier Gäste verbinden die Blasmusik-Traditionen vor allem mit Country-Momenten und einer Menge weiterer Einflüsse, aber ohne sie zu einem undefinierbaren Mischmasch zu verwässern.

Eine musikalische Weltreise

Western-Fans wussten es schon seit den Winnetou-Filmen: Die amerikanische Prärie kann zuweilen auch auf dem Balkan sein. Und so sorgt besonders Raso mit seinen unwiderstehlichen Twang-Sounds für Wüsten-Assoziationen und für die melancholischen Momente inmitten des ausufernden Volksfests. Er verspricht eine musikalische Weltreise und hält Wort: In einem kurzen Abschnitt ohne Fanfare Ciocarlia geht er auch zeitlich weite Strecken: Eine italienische Tarantella aus dem 15. Jahrhundert erinnert daran, dass Tanzen auch schon mal als lebenserhaltende Maßnahme gesehen wurde: Wer von der Tarantel gestochen wurde, wirbelte wild herum, um das Gift wieder auszuschwitzen ehe es seine tödliche Wirkung entfachen konnte. Ob es seinerzeit wirksam war, erscheint fragwürdig, heute funktioniert es aber zum Zwecke der kollektiven Ekstase höchst verlässlich.

Das gilt natürlich auch und vor allem für die Attacken der Bläser-Sektion, die ebenfalls für einige eher traditioneller geprägte Stücke ohne die weiteren Begleiter auftritt. Am wirkungsvollsten aber sind beide Fraktionen vereint, die so den Bogen von der Folklore der Roma über 20er-Jahre-Swing, Gitarrensounds im Stile eines Django Reinhardts bis hin zu Rock, Hip-Hop oder einem kurzen Zitat aus Edvard Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ spannen. Manche Tempi überholen selbst Techno-Tracks auf der Beats-Per-Minute-Skala spielend, aber inmitten der wilden Raserei bleiben die Vorgaben klar und die Umsetzung präzise. Am Ende ihrer Möglichkeiten ist die Fanfare Ciocarlia auch nach zwei Jahrzehnten im weltweiten Rampenlicht damit offenbar noch lange nicht. Das nächste Projekt der rumänischen Weltmusik-Helden geht sogar noch ein ganzes Stück weiter: Am 15. April erscheint das nächste Album mit dem Titel „Onwards to Mars“.


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Leserkommentare
admiral_brommy am 19.10.2019 13:20
Durchaus nicht.



Bildungserfolg hängt immer von diversen Faktoren ab. Daher ist es Aufgabe der Politik, diese Faktoren so ...
suziwolf am 19.10.2019 13:17
@Siegfried ...

Sie machen aber jetzt die Idee der BI zum
regelrechten Mischmasch.

• Produktion von Aluminium ...
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