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Schwermetalle auf Erdgasförderplätze
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Der Boden vergisst nicht

Silke Looden 10.03.2017 0 Kommentare

Das Bohrfeld von ExxonMobil, aufgenommen am 06.10.2012 in Bötersen bei Rotenburg-Wümme.
Das Bohrfeld von ExxonMobil, aufgenommen am 06.10.2012 in Bötersen bei Rotenburg-Wümme. (dpa)

Das Niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) hat Bodenproben im Umfeld von insgesamt 200 Erdgasförderplätzen untersuchen lassen. Noch liegen nicht alle Gutachten vor, aber eines zeichnet sich schon jetzt ab: Die Böden sind teils stark belastet. Nach dem Verursacherprinzip will Niedersachsen die Betreiber der Anlagen zur Sanierung verpflichten.

„Speisepilze im Umfeld von Erdgasförderplätzen sind stark mit Quecksilber belastet“, warnt Bernd Ebeling. Der unabhängige Umweltingenieur aus dem Wendland hat die Bodengewächse an insgesamt 27 Standorten auf Schwermetalle untersucht. In allen Fällen war der Grenzwert von 0,01 Milligramm pro Kilogramm überschritten. In einem Fall sogar um das 150-Fache.

Starke Quecksilberbelastung

Demnach ist die Erdgaslagerstätte Munster Nord Z1 in Dethlingen (Heidekreis) besonders stark belastet. Der Ingenieur fordert nicht nur ein Pilzsammelverbot in der Erdgasregion, sondern auch weitergehende Untersuchungen von Pflanzen auf Quecksilber. Untersuchungen der Jacobs University ­Bremen zufolge soll auch der Grünkohl in der Nähe von Erdgasförderstellen mit Quecksilber belastet sein.

Das Landesamt für Verbraucherschutz (Laves) hat weder Pilze noch Grünkohl aus der Region auf Quecksilber untersucht. ­Allerdings, so Sprecherin Hiltrud Schrandt, seien die Grasproben von den Feldern im Raum Rotenburg allesamt unauffällig.

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) interessiert sich nicht für Pilze und Grünkohl. Die Böden aber lässt das LBEG untersuchen. Eineinhalb Jahre lang wurden Proben im Umfeld von 200 Erdgasförderplätzen in Niedersachsen genommen. Soweit die Gutachten zu den einzelnen Standorten bereits vorliegen, hat das Amt sie online gestellt.

In Niedersachsen gilt das Verursacherprinzip

„Dort, wo wir Handlungsbedarf sehen, müssen die Betreiber zunächst ein Detailgutachten von unabhängigen Experten vorlegen“, sagt die Sprecherin Heinke Traeger. „Ist eine Sanierung nötig, muss der Betreiber dafür aufkommen.“ In Niedersachsen gilt das ­Verursacherprinzip.

„Der Boden vergisst nicht“, weiß der Präsident des LBEG, Andreas Sikorski. Deshalb wurden die Böden im Umfeld von Förderplätzen für 1,8 Millionen Euro unter anderem auf Schwermetalle, verschiedene Kohlenwasserstoffe und Dioxine untersucht. Die Umweltgifte können Krebserkrankungen beim Menschen auslösen. Und Krebsfälle hatten sich in der Erdgasregion um Rotenburg gehäuft.

Betroffen ist vor allem die Gemeinde Bothel. Wegen der erhöhten Krebsrate dort fordern 200 Ärzte aus der Region endlich Aufklärung. Das Land Niedersachsen hat eine Arbeitsgruppe im Gesundheitsministerium eingerichtet. Dorthin liefert das LBEG die Untersuchungsergebnisse.

Mehr als 50 Ergasförderplätze

Allein im Raum Rotenburg liegen mehr als 50 Erdgasförderplätze. Für 36 Standorte in dem Landkreis liegen die Ergebnisse inzwischen vor, davon waren fünf auffällig. So wurde an den Förderstellen Hemsbünde Z1 und Bötersen Z1 der Schwellenwert für Quecksilber überschritten. In Sottrum Z1, Hemsbünde Z2 und Z4 gab es Auffälligkeiten im Boden für Benzo-a-pyren.

Der Stoff zählt zu den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und gilt als krebserregend. Für Hemsbünde Z2 und Z4 sei der Verdacht einer schädlichen Bodenveränderung inzwischen ausgeräumt, erklärt die LBEG-Sprecherin. Für die drei anderen Standorte stehe die Detailuntersuchung noch aus.

Im Landkreis Verden wurden neun von zwölf Erdgasförderplätzen untersucht. Sieben Standorte zeigten keine auffälligen Werte. In Hamwiede Z2 jedoch wurde der Schwellenwert für Quecksilber und Cadmium überschritten, in Völkersen Nord Z4 überschreiten die Proben den Prüfwert für Benzo-a-pyren. Das LBEG hat Detailuntersuchungen angeordnet.

Exxon Mobil nimmt Stellung

Exxon Mobil betreibt 56 Erdgasförderplätze im Raum Rotenburg und dem Heidekreis. Exxon-Sprecher Klaus Torp nimmt zu den Untersuchungen des LBEG Stellung: „Im Raum Rotenburg waren knapp 90 Prozent der untersuchten Plätze unauffällig. Bei drei Plätzen sind weitergehende Untersuchungen notwendig. Eine akute Gefahr besteht dort nicht.“

Was die Wildpilze angehe, so der Exxon-Sprecher, seien die erhöhten Schadstoffwerte ein bundesweites Phänomen. Außerdem sei Quecksilber nicht krebserregend. Einen Zusammenhang zwischen der Erdgasförderung und der erhöhten Krebsrate in der Region sei für Exxon nicht erkennbar, so der Sprecher. Die behördlichen Untersuchungen des Landkreises Rotenburg zur erhöhten Krebsrate in der Region sind noch nicht abgeschlossen.


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Leserkommentare
nizo800 am 19.10.2019 09:05
Der Präsident der Bürgerschaft hat sich um einen zivilisierten Umgang der Fraktionen mit dem politischen Gegner zu kümmern. Da liegt manches im ...
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
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